Die Schweizer Energieversorgerin Alpiq hat Pläne für ein grosses Batteriespeichersystem (BESS) in Niedergösgen bekannt gegeben. Das Projekt, das eine Kapazität von 300 MW und 1.200 MWh erreichen soll, wäre das grösste eigenständige Lithium-Ionen-Speichersystem der Schweiz. Diese Entwicklung folgt auf die kürzliche Übernahme von Harmony Energy, einem britischen Entwickler von Batteriespeichersystemen.
Wichtige Erkenntnisse
- Alpiq plant ein 300 MW/1.200 MWh Batteriespeichersystem in Niedergösgen.
- Dies wäre das grösste Lithium-Ionen-BESS in der Schweiz.
- Das Projekt liegt an einem wichtigen Knotenpunkt des Schweizer Übertragungsnetzes.
- Alpiq hat eine Rahmenvereinbarung für den Netzanschluss mit Swissgrid unterzeichnet.
- Die Schweiz setzt weiterhin stark auf Pumpspeicherkraftwerke, aber Batterien gewinnen an Bedeutung.
Ein Meilenstein für die Schweizer Energielandschaft
Das geplante Batteriespeichersystem in Niedergösgen markiert einen bedeutenden Schritt für die Energiespeicherung in der Schweiz. Mit seiner beeindruckenden Kapazität von 300 Megawatt und 1.200 Megawattstunden wird es die bisher grösste Lithium-Ionen-Batterieanlage des Landes sein. Das Projekt wird etwa 50 Kilometer westlich von Zürich angesiedelt, in einer strategisch wichtigen Region.
Amédée Murisier, Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Assets bei Alpiq, betonte die Bedeutung des Standorts. Er erklärte, dass das Projekt an einem entscheidenden Knotenpunkt im Schweizer Übertragungsnetz liegen wird. In der Nähe befinden sich sowohl ein Kernkraftwerk als auch ein Laufwasserkraftwerk, was die Integration in die bestehende Energieinfrastruktur erleichtert.
Faktencheck
- Kapazität: 300 MW Leistung / 1.200 MWh Speicherkapazität
- Standort: Niedergösgen, Schweiz (ca. 50 km westlich von Zürich)
- Typ: Lithium-Ionen-Batteriespeichersystem
- Netzanbindung: Rahmenvereinbarung mit Swissgrid unterzeichnet
Strategische Ausrichtung und Akquisitionen
Die Ankündigung dieses Grossprojekts folgt nur zwei Wochen nach der Bekanntgabe, dass Alpiq eine 90-prozentige Beteiligung an Harmony Energy erworben hat. Harmony Energy ist ein etablierter Entwickler von Batteriespeichersystemen mit Sitz in Grossbritannien. Diese Akquisition unterstreicht Alpiqs Engagement, seine Präsenz im Bereich der Batteriespeichertechnologien auszubauen.
Alpiq, mit Hauptsitz in Lausanne, ist ein breit aufgestelltes Energieunternehmen. Das Portfolio umfasst Pumpspeicherkraftwerke, Kernkraft, Wasserkraft, Gaskraftwerke und erneuerbare Energien in ganz Europa. Die Integration von Batteriespeichersystemen ist ein logischer Schritt, um die Flexibilität und Stabilität des Netzes zu erhöhen.
„Dieses Projekt in Niedergösgen ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie, die Energiewende in der Schweiz aktiv mitzugestalten und die Netzstabilität zu gewährleisten“, so Amédée Murisier.
Erste Schritte und Genehmigungsprozess
Eine wichtige Hürde wurde bereits genommen: Alpiq hat eine Rahmenvereinbarung für den Netzanschluss mit dem Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Swissgrid unterzeichnet. Dies ist ein entscheidender Schritt für die Realisierung des Projekts. Der Genehmigungsprozess wird in Kürze beginnen.
Obwohl Alpiq noch keine genauen Zeitpläne für den Baubeginn und die Inbetriebnahme des Systems genannt hat, ist die Unterzeichnung dieser Vereinbarung ein klares Zeichen für das Vorankommen des Vorhabens. Die Schweizer Behörden werden die Pläne prüfen, um sicherzustellen, dass alle Umwelt- und Sicherheitsstandards eingehalten werden.
Alpiqs wachsende Rolle im Batteriespeichermarkt
Das Unternehmen ist in den letzten Jahren aktiv in den Batteriespeichermarkt eingestiegen. Im Oktober 2025 nahm Alpiq sein erstes vollständig eigenes Batteriespeichersystem in Betrieb. Dabei handelte es sich um eine Anlage in Finnland mit einer Leistung von 30 MW und einer Speicherkapazität von 36 MWh, die von Merus Power erworben wurde.
Diese finnische Anlage war zudem das erste BESS in den nordischen Ländern, das die Anforderungen an netzbildende Fähigkeiten (GFM) erfüllte. Netzbildende Batteriespeicher können das Stromnetz aktiv stabilisieren und tragen massgeblich zur Versorgungssicherheit bei, insbesondere bei einem hohen Anteil schwankender erneuerbarer Energien.
Hintergrund: Pumpspeicherkraft in der Schweiz
Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition in der Energiespeicherung, die hauptsächlich durch Pumpspeicherkraftwerke (PSKW) geprägt ist. Die landesweite Flotte umfasst rund 3,5 GW an Leistung. Ein prominentes Beispiel ist das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance, das 2022 in Betrieb genommen wurde. Es hat eine Leistung von 900 MW und eine Speicherkapazität von beeindruckenden 20.000 MWh. Alpiq ist mit einem Anteil von 39 Prozent der grösste Aktionär an dieser Anlage.
Während Pumpspeicherkraftwerke weiterhin eine zentrale Rolle spielen, ergänzen Batteriespeichersysteme wie das geplante Alpiq-Projekt die Speicherlandschaft durch ihre schnelle Reaktionsfähigkeit und Flexibilität.
Weitere Projekte in Europa
Nach dem finnischen Projekt erwarb Alpiq zwei weitere Batteriespeicherprojekte in Frankreich. Diese Projekte, die jeweils 100 MW Leistung und 200 MWh Speicherkapazität umfassen, wurden ebenfalls von Harmony Energy erworben, noch bevor die vollständige Übernahme des Unternehmens erfolgte.
Auch innerhalb der Schweiz ist Alpiq bereits im Bereich des Handels und der Optimierung von Batterien aktiv. Das Unternehmen fungiert als einer von zwei «Route-to-Market»-Anbietern für ein 28-MW-System, das 2024 von EWS AG und MW Storage in Betrieb genommen wurde. Diese Erfahrungen im operativen Geschäft sind entscheidend für den Erfolg des neuen Grossprojekts in Niedergösgen.
Die Zukunft der Energiespeicherung in der Schweiz
Das Alpiq-Projekt übertrifft frühere Ankündigungen für Lithium-Ionen-Speicher in der Schweiz deutlich. Das bisher grösste bekannte Projekt war eine Anlage mit 50-60 MW Leistung und 100-120 MWh Speicherkapazität, die Ende 2024 von der Avadis Investment Foundation erworben wurde. Avadis kündigte damals den Baubeginn für dieses Jahr und die Inbetriebnahme für 2027 an.
Neben Lithium-Ionen-Batterien gibt es auch Entwicklungen im Bereich anderer Speichertechnologien. Das Unternehmen Flexbase plant beispielsweise ein Rechenzentrumsprojekt in Laufenburg. Dieses Projekt soll ein 2,1 GWh Vanadium-Redox-Flow-Batteriespeichersystem (VRFB) umfassen. Sollte es realisiert werden, wäre dies das weltweit grösste Flow-Batterieprojekt.
Der anglo-amerikanische Flow-Batterieanbieter Invinity Energy Systems wurde von Flexbase als strategischer Partner für dieses Projekt ausgewählt. Matt Harper, Präsident von Invinity, hob im Juni die Bedeutung des Projekts hervor, sowohl hinsichtlich seiner schieren Grösse als auch der Anwendung von Langzeit-Energiespeichern (LDES) für Rechenzentren.
Die Schweiz steht damit an der Schwelle zu einer diversifizierteren und robusteren Energiespeicherlandschaft, die sowohl auf bewährte Pumpspeichertechnologien als auch auf innovative Batteriesysteme setzt. Diese Entwicklungen sind entscheidend, um die Stabilität des Stromnetzes in Zeiten der Energiewende zu gewährleisten und den steigenden Bedarf an flexibler Energieversorgung zu decken.





