Deutschland führt erstmals eine Kapazitätsmarkt-Auktion ein, um die Stromversorgungssicherheit im Land zu gewährleisten. Die Bundesnetzagentur hat diese Woche den Startschuss für die erste Ausschreibungsrunde gegeben. Ziel ist es, in Zeiten geringer Erzeugung aus erneuerbaren Energien eine stabile Stromversorgung sicherzustellen. Die Auktion ist ein wichtiger Schritt für die Energiewende und die Integration neuer Technologien.
Wichtige Punkte
- Erste Kapazitätsmarkt-Auktion in Deutschland zur Sicherung der Stromversorgung.
- Ausschreibung von 4,5 GW Kapazität in der ersten Runde.
- Bewerbungsfrist für die erste Runde: 8. September 2026.
- Offen für verschiedene Technologien, darunter Batteriespeicher und Gaskraftwerke.
- Priorisierung von Projekten im Norden Deutschlands.
Sicherung der Stromversorgung in Deutschland
Die deutsche Energiepolitik steht vor der Herausforderung, mit dem Ausbau erneuerbarer Energien eine durchgängige Stromversorgung zu gewährleisten. Erneuerbare Quellen wie Wind und Sonne sind wetterabhängig. Dies führt zu Schwankungen in der Stromproduktion. Der nun eingeführte Kapazitätsmarkt soll hier Abhilfe schaffen. Er stellt sicher, dass auch bei geringer Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen genügend Strom zur Verfügung steht.
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat die Einführung der ersten Auktion bestätigt. Diese erfolgt im Rahmen des Stromversorgungs-Sicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StromVKG). Das Gesetz schafft den rechtlichen Rahmen für den Kapazitätsmarkt. Es ermöglicht die Vergütung von Kapazitäten, die Strom zuverlässig über längere Zeiträume liefern können.
"Mit diesem Gesetz hat der Gesetzgeber einen Rahmen geschaffen, um sicherzustellen, dass der Strommarkt auch zukünftig über ausreichend gesicherte Leistung verfügt. Dies ist von größter Bedeutung für die Versorgungssicherheit und schützt vor Zeiten, in denen zu wenig Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird", erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.
Faktencheck
- Auktionsvolumen: 4,5 Gigawatt (GW) in der ersten Runde.
- Maximale Vergütung: 244.000 Euro pro Megawatt (MW) de-rateter Kapazität.
- Bewerbungsfrist: 8. September 2026.
- Bekanntgabe der Gewinner: 3. November 2026.
Technologien im Fokus: Batteriespeicher und Gaskraftwerke
Der Kapazitätsmarkt ist offen für verschiedene Technologien. Dazu gehören Anlagen, die Strom zuverlässig und über längere Zeiträume liefern können. Explizit genannt wurden keine spezifischen Technologien. Üblicherweise fallen darunter jedoch konventionelle Kraftwerke wie Gaskraftwerke. Auch Kernkraftwerke könnten theoretisch teilnehmen, spielen in Deutschland aber keine Rolle mehr.
Besonders interessant ist der Kapazitätsmarkt für Batteriespeicher (BESS). Diese Systeme können Strom speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. In anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Italien, Belgien und Polen haben sich Kapazitätsmärkte bereits als fruchtbarer Boden für Batteriespeicher erwiesen. Auch Spanien plant einen ähnlichen Mechanismus.
Anforderungen an die Projekte
Die Projekte müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Spezifikationen hinsichtlich ihres Standorts und ihrer technischen Leistungsfähigkeit. Sie müssen zum Beispiel in der Lage sein, sofortige Reservekapazitäten für die Netzstabilität bereitzustellen. Dies gilt auch in Zeiten, in denen sie nicht aktiv Strom erzeugen. Die Vergütung wird durch das Auktionsverfahren festgelegt.
Hintergrund: Kapazitätsmärkte
Ein Kapazitätsmarkt ist ein Mechanismus, der Stromerzeuger dafür bezahlt, Kapazitäten bereitzuhalten. Diese Kapazitäten können bei Bedarf schnell aktiviert werden. Sie dienen dazu, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, insbesondere in Spitzenlastzeiten oder bei Engpässen. Im Gegensatz zum reinen Energiemarkt, der für gelieferten Strom bezahlt, vergütet der Kapazitätsmarkt das Vorhalten von Leistung.
Ablauf der ersten Ausschreibungsrunde
Die erste Ausschreibungsrunde startet mit einer Bewerbungsfrist am 8. September 2026. Bis zu diesem Datum müssen die Anbieter ihre Gebote einreichen. Die Bundesnetzagentur wird die eingereichten Projekte prüfen und die Gewinner ermitteln. Die Bekanntgabe der erfolgreichen Bieter ist für den 3. November 2026 geplant.
Eine Besonderheit ist der sogenannte "De-Rating-Faktor". Dieser Faktor legt fest, welcher maximale Anteil der Nennleistung eines Projekts im Kapazitätsmarkt geboten werden darf. Er spiegelt die Zuverlässigkeit der jeweiligen Technologie wider. Gaskraftwerke und andere steuerbare Erzeuger erhalten hier typischerweise den höchsten Faktor, gefolgt von Batteriespeichern. Die genaue Festlegung dieses Faktors war in der Vergangenheit, beispielsweise in Polen, oft Gegenstand von Diskussionen.
Priorisierung des Nordens
Die Auktion wird Projekte im nördlichen Teil des deutschen Stromnetzes priorisieren. Dies ist ein wichtiger Aspekt, da der Norden Deutschlands durch den starken Ausbau der Windenergie an Land und auf See eine hohe Erzeugungskapazität aufweist. Gleichzeitig fehlen oft ausreichende Netzkapazitäten, um diesen Strom effizient in den Süden zu transportieren. Die Schaffung von zusätzlichen Kapazitäten im Norden kann hier zur Entlastung beitragen.
Die maximale Preisobergrenze für die erste Auktion liegt bei 244.000 Euro pro Megawatt de-rateter Kapazität. Dies soll sicherstellen, dass die Kosten im Rahmen bleiben, aber gleichzeitig genügend Anreize für Investitionen geschaffen werden.
Ausblick auf weitere Ausschreibungen
Nach der ersten Runde wird es weitere Ausschreibungen geben. Die Frist für die zweite Ausschreibungsrunde für langfristige Kapazitäten wird bereits am 10. November 2026 bekannt gegeben. Dies zeigt, dass der Kapazitätsmarkt ein dauerhaftes Instrument zur Sicherung der deutschen Stromversorgung sein wird.
Die Einführung des Kapazitätsmarktes wurde auch auf Fachkonferenzen diskutiert. So war das Potenzial für Batteriespeicher ein Thema beim Energy Storage Summit auf der Battery Show Europe in Stuttgart Anfang Juni. Solche Veranstaltungen bieten eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Industrie, Politik und Forschung.
Deutschland folgt mit diesem Schritt einem Trend, der in mehreren europäischen Ländern zu beobachten ist. Die Notwendigkeit, flexible Kapazitäten vorzuhalten, wird mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien immer wichtiger. Der Kapazitätsmarkt ist ein Instrument, um diese Flexibilität zu honorieren und Investitionen in die notwendige Infrastruktur zu lenken. Es bleibt abzuwarten, welche Projekte sich in den kommenden Auktionen durchsetzen werden und wie sich dies auf die deutsche Energielandschaft auswirkt.





