In ganz Europa schreitet der Ausbau von Batteriespeichersystemen (BESS) massiv voran. Projekte in Ländern wie Rumänien, Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien, Albanien, Deutschland und Österreich summieren sich auf über 1,5 GWh Kapazität. Diese Entwicklung zeigt eine Reifung des europäischen Marktes und die zunehmende Integration kleinerer Volkswirtschaften in die Energiewende.
Wichtige Erkenntnisse
- Über 1,5 GWh neue BESS-Kapazität in Europa in kurzer Zeit.
- Rumänien und Dänemark führen bei großen neuen Projekten.
- Integration von Speichern in bestehende Solaranlagen ist ein Trend.
- Finanzierungen ermöglichen weiteren Ausbau in Südeuropa.
- Deutschland und Österreich planen ebenfalls signifikante Projekte.
Rumänien und Dänemark als Vorreiter
Rumänien hat mit Nova Power & Gas einen bedeutenden Schritt gemacht. Das Unternehmen hat ein 200 MW/400 MWh BESS in Floresti in Betrieb genommen. Energieminister Bogdan Ivan betonte am 12. Dezember die Wichtigkeit solcher Projekte für die Modernisierung des Energiesystems des Landes.
Nova Power & Gas, Teil der E-Infra Group, investiert insgesamt 350 Millionen Euro in dieses Projekt und ein zusätzlich geplantes 160 MW Gaskraftwerk. Das Unternehmen betreibt bereits 240 MWh BESS-Kapazität in Rumänien und plant weitere 600 MW/1.200 MWh.
„Batteriespeicher und neue Erzeugungskapazitäten sind genau die Art von Projekten, die Rumänien braucht, um sein Energiesystem zu modernisieren und einen zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien sicher zu integrieren.“
Bogdan Ivan, Rumänischer Energieminister
Faktencheck
- Nova Power & Gas: 200 MW/400 MWh BESS in Floresti, Rumänien.
- Gesamtinvestition (BESS & Gaskraftwerk): 350 Millionen Euro.
- Banca Transilvania unterstützte die Finanzierung des BESS.
Auch in Dänemark gibt es Fortschritte. European Energy hat eine 200 MWh BESS-Anlage an sein bestehendes Kvosted-Solarfeld in Viborg angeschlossen. Dies macht es zur größten Solar- und BESS-Anlage in Nordeuropa. Die 100 MW Solaranlage ist seit 2022 in Betrieb. Der Speicher hilft, die Solarenergie über längere Stunden des Tages zu nutzen. European Energy strebt bis Ende 2027 eine BESS-Kapazität von 1 GW an.
Integration und Expansion in Europa
Der Trend zur Integration von BESS in bestehende Solaranlagen setzt sich fort. Der chinesische Solarkonzern Trinasolar liefert BESS für das Raba Solar Park Projekt an Sunly. Hier werden 21 MW/42 MWh BESS-Kapazität zu einer bereits seit 2024 bestehenden Solaranlage hinzugefügt.
Hintergrund: AC-gekoppelte Systeme
Ein AC-gekoppeltes System bedeutet, dass die Batterien und die Solaranlage unabhängig voneinander an den Wechselstromkreis angeschlossen sind. Dies ermöglicht Flexibilität bei der Steuerung und Integration in bestehende Infrastrukturen.
In Frankreich bauen Eiffage und Entech ein 50 MW/100 MWh BESS samt Hochspannungs-Umspannwerk für einen nicht genannten Solaranlagenbetreiber. Envision Energy liefert das BESS. Die Joint Venture von Eiffage und Entech wurde im Mai 2024 gegründet, um solche netzgebundenen Projekte zu realisieren.
Finanzierung treibt spanischen und britischen Markt an
Der spanische Entwickler BRUC hat 474 Millionen Euro gesammelt, um seine bestehenden 858 MW Solar-PV-Portfolios in Spanien mit Batteriespeichersystemen zu erweitern. Die Finanzierung ermöglicht die Refinanzierung bestehender Schulden und die künftige Finanzierung von 650 MW neuer BESS-Kapazität in Andalusien, Aragon und Extremadura. BRUC plant, den erzeugten Strom über „hybride“ Stromabnahmeverträge (PPAs) zu verkaufen. Dies zeigt, wie Speicher als skalierbare Erweiterung der Betriebsbasis von BRUC dienen.
Zu den Finanzierungspartnern gehören Banco Cooperativo, Banco Sabadell, BNP AM, Export Development Canada und Santander. Einige dieser Banken haben bereits in der Vergangenheit mit BRUC zusammengearbeitet. Letztes Jahr erhielt BRUC bereits 756 Millionen US-Dollar für die Entwicklung einer 6,6 GW Pipeline für erneuerbare Energien in Spanien.
Auch der britische Markt verzeichnet bedeutende Bewegungen. Der BESS-Fonds Gresham House Energy Storage Fund (GRID) hat Kaufverträge für zwei Projekte in Schottland und England unterzeichnet. Es handelt sich um das 240 MW Cockenzie-Projekt in East Lothian, Schottland, und das 57 MW Monet’s Garden-Projekt in North Yorkshire, England, mit einer Gesamtkapazität von 297 MW. Die Übernahme von Monet’s Garden wurde bereits abgeschlossen. Auch das 100 MW Elland 2 Projekt, dessen Kauf im November 2025 angekündigt wurde, ist nun im Besitz von Gresham House Energy Storage Fund.
Entwicklungen in Zentral- und Südosteuropa
ADS-TECH, ein Systemintegrator, hat Aufträge für BESS-Projekte in Deutschland und Österreich erhalten. Diese umfassen insgesamt 20 MW/40 MWh Kapazität für Versorgungsunternehmen. Die genauen Standorte und Inbetriebnahmezeiten wurden nicht bekannt gegeben, die Projekte befinden sich jedoch in der Detailplanungsphase. ADS-TECH arbeitet zudem an einem viel größeren 1 GW/2 GWh Projekt in Deutschland, das 2029 in Betrieb gehen soll.
In Albanien sucht das türkische Unternehmen Fortis Energy EPC-Anbieter für das Ersekë Solarkraftwerk. Dieses Projekt in der Region Kolonjë kombiniert 75 MW Solar-PV-Kapazität mit einem 25 MWh BESS. Fortis hat qualifizierte Lieferanten und Bauunternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert. Ein Zeitplan für Baubeginn und Inbetriebnahme steht noch aus, aber das Team ist bereits vor Ort. Das Ersekë-Projekt ist das am weitesten fortgeschrittene von neun Projekten, die Fortis in Albanien plant.
Europa im Überblick
- Deutschland & Österreich: ADS-TECH sichert 20 MW/40 MWh BESS-Projekte.
- Albanien: Fortis Energy plant 75 MW Solar + 25 MWh BESS in Ersekë.
- Vereinigtes Königreich: Gresham House erwirbt 297 MW BESS-Kapazität.
Zukunftsausblick und Branchenereignisse
Die aktuellen Entwicklungen zeigen eine klare Tendenz: Energiespeichersysteme sind ein zentraler Baustein der europäischen Energiewende. Die Projekte reichen von großflächigen Anlagen zur Netzstabilisierung bis hin zur Integration in bestehende erneuerbare Energiequellen.
Die Branche wird sich beim Energy Storage Summit EU 2026 am 24. und 25. Februar 2026 in London treffen. Dort werden weitere Einblicke in die zukünftige Entwicklung und Technologie der Energiespeicherung erwartet. Diese Veranstaltung ist ein wichtiger Treffpunkt für Experten und Entscheidungsträger aus ganz Europa.





