Drei führende Unternehmen – Flower, Elli (Volkswagen) und Nuvve – treiben den Ausbau großer Batteriespeichersysteme (BESS) in Europa maßgeblich voran. Sie investieren in den Besitz und Betrieb dieser Anlagen, um die Energiewende zu beschleunigen und die Stabilität der Stromnetze zu sichern. Insgesamt belaufen sich ihre jüngsten Projekte auf fast 400 MWh Speicherkapazität.
Wichtige Erkenntnisse
- Flower erwirbt ein 63MW/257MWh BESS-Projekt in Deutschland.
- Elli (Volkswagen) nimmt ein 20MW/40MWh BESS in Salzgitter in Betrieb.
- Nuvve startet sein erstes großes BESS-Projekt in Schweden mit 50MW/75MWh.
- Die Unternehmen verschieben ihren Fokus vom reinen Optimierungsdienstleister zum Eigentümer und Betreiber von Speicheranlagen.
- BESS-Projekte in Europa können jährliche Einnahmen von bis zu 300.000 Euro pro MW erzielen.
Flower expandiert im deutschen Markt
Das schwedische Optimierungsunternehmen Flower hat seine Strategie erweitert und ist nun auch Eigentümer von großflächigen Batteriespeichersystemen. Das Unternehmen hat ein Projekt mit einer Kapazität von 63 MW und 257 MWh in Döllnitz, Sachsen-Anhalt, Deutschland, erworben. Dies ist ein bedeutender Schritt für Flower, das ursprünglich als reiner Optimierer von Energiespeichern begann.
Das Projekt, das eine bemerkenswert lange Speicherdauer von vier Stunden für den deutschen Markt aufweist, wird über eine Anteilsvereinbarung mit dem Entwickler CCE abgewickelt. Flower übernimmt die Verantwortung für die Projektfinanzierung, die technische Umsetzung (EPC), den Betrieb und die kommerzielle Verwertung der Anlage.
Faktencheck: Flower in Döllnitz
- Leistung: 63 MW
- Kapazität: 257 MWh
- Speicherdauer: 4 Stunden
- Baubeginn: Geplant für 2027
- Kommerzieller Betrieb: Angestrebt für 2028
John Diklev, CEO von Flower, erklärte bereits 2024 in einem Interview, dass diese Strategieänderung dazu dient, die eigene Marktprognose und die These über den ungenutzten Wert von BESS bei langfristigen Abnahmeverträgen und dem Risikomanagement für erneuerbare Energien zu beweisen. Bereits 2024 erwarb Flower sein erstes BESS-Projekt in Schweden.
Volkswagen-Tochter Elli nimmt erstes Großprojekt in Betrieb
Elli, der Energiedienstleister des Automobilkonzerns Volkswagen, hat sein erstes großflächiges Batteriespeichersystem in Betrieb genommen. Das 20 MW/40 MWh BESS-Projekt befindet sich in Salzgitter, Deutschland. Aktuell laufen Leistungstests, um die Anlage für den Handel am europäischen Strommarkt EPEX SPOT vorzubereiten.
Die Batterietechnologie für dieses System stammt von PowerCo, einer weiteren Volkswagen-Tochter. PowerCo entwickelt und produziert Batteriespeicher im industriellen Maßstab, basierend auf ihrem sogenannten Unified Cell-Format. Die Produktion dieser Batteriezellen begann im vergangenen Jahr in einer Gigafactory, ebenfalls in Salzgitter.
„Für uns stellen Energiespeicher und Energiehandel einen neuen strategischen Geschäftsbereich mit starkem Wachstumspotenzial dar“, sagte Oliver Blume, CEO der Volkswagen AG.
Hintergrund: Elli's Entwicklung
Ursprünglich wurde Elli gegründet, um die Kapazität des Ladeinfrastrukturnetzes für Elektrofahrzeuge im Stromnetz zu managen, einschließlich der Bereitstellung von Vehicle-to-Grid (V2G)-Diensten. Das Unternehmen hat sich jedoch zu einem umfassenden Energieunternehmen entwickelt. Bereits 2023 sprachen wir mit einem Elli-Manager über Pläne, kleinere Projekte zur Wiederverwendung von EV-Batterien umzusetzen. Ein Jahr später kündigte das Unternehmen jedoch den Einsatz von Großspeichersystemen an.
Giovanni Palazzo, CEO von Elli, kommentierte das erste operative Projekt: „Dies markiert den Start unseres Managed Battery Network – einer Plattform, die große Speichersysteme intelligent vernetzt und zukünftig auch Fahrzeugbatterien und andere Assets einbeziehen wird. Physische Speicherkapazität wird zu digitaler Systemintelligenz. Wir entwickeln Elli konsequent von einem Ladeanbieter zu einem Energieunternehmen, das Flexibilität im Auftrag seiner Kunden handelt und liefert.“
Nuvve expandiert mit 1 GW in Europa, startet in Schweden
Der US-amerikanische V2G-Spezialist Nuvve setzt seine Expansion im Bereich der Batteriespeichersysteme fort. Eine Partnerschaft mit dem Investor Omnia Global sieht den Einsatz von 1 GW Speicherkapazität in den nächsten 24 Monaten vor. Das erste Projekt dieser Kooperation ist ein 50 MW/75 MWh System in Schweden, einem Markt, den Nuvve als „einen der attraktivsten in Europa“ bezeichnet.
Dieses schwedische Projekt soll im zweiten Quartal 2026 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Es ist Teil einer größeren Pipeline, die sich über verschiedene europäische Märkte erstreckt. Nuvve schätzt, dass die Einnahmen aus solchen Projekten in Europa bis zu 240.000 bis 300.000 Euro pro MW pro Jahr erreichen können.
Nuvve's Europastart
- Partner: Omnia Global
- Gesamtziel: 1 GW in 24 Monaten
- Erstes Projekt: 50 MW/75 MWh in Schweden
- Kommerzieller Betrieb: Geplant für Q2 2026
- Geschätzte Einnahmen: Bis zu 300.000 Euro/MW/Jahr
Nuvve wird bei dieser Anlage sowohl Eigentümer als auch Asset-Manager sein. Das Unternehmen wird zudem umfassende Marktzugangsdienste anbieten, um die Umsatzgenerierung und die Teilnahme am Stromnetz zu optimieren. Nuvve hatte seine Expansion in den BESS-Markt Ende 2025 angekündigt, nachdem es sich zuvor ausschließlich auf Elektrofahrzeuge und V2G-Technologien konzentriert hatte.
Der Wandel zum Eigentümer-Betreiber
Der Trend, dass Unternehmen, die ursprünglich als reine Optimierer oder Technologieanbieter starteten, nun auch selbst in den Besitz und Betrieb von Batteriespeichersystemen investieren, ist klar erkennbar. Dieser Schritt ermöglicht es ihnen, die volle Wertschöpfungskette zu kontrollieren und die Rentabilität ihrer Geschäftsmodelle zu maximieren.
Die Übernahme von Eigentumsrechten an großen Speicherprojekten unterstreicht das wachsende Vertrauen in die langfristige Wirtschaftlichkeit von BESS. Diese Systeme sind entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien und die Sicherstellung der Netzstabilität in Europa.
Die Investitionen von Flower, Elli und Nuvve sind wichtige Indikatoren für die zunehmende Reife des europäischen Marktes für Energiespeicher. Sie zeigen, dass große Akteure bereit sind, erhebliche Kapitalien einzusetzen, um die grüne Energiewende aktiv mitzugestalten.





