Die Verwaltung von Batteriespeichersystemen (BESS) in Europa hat sich in den letzten drei Jahren grundlegend gewandelt. Was einst manuelle Prozesse waren, ist heute ein hochkomplexes, daten- und KI-gesteuertes System zur Lebenszyklusoptimierung. Diese Entwicklung verspricht, die Effizienz und Rentabilität von Energiespeichern erheblich zu steigern.
Wichtige Erkenntnisse
- BESS-Management wechselt von manuellen zu KI-gesteuerten Systemen.
- KI optimiert Handelsentscheidungen und schützt die Batterielebensdauer.
- Neue Absicherungsstrategien reduzieren Risiken für Investoren.
- Italiens MACSE-Auktion erfordert ausgeklügelte Optimierungsstrategien.
- KI-Integration schafft Mehrwert in komplexen Energiesystemen.
Von manueller Steuerung zu intelligenter Optimierung
Noch vor drei Jahren basierte das Management von Batteriespeichern oft auf festen Regeln. Heute nutzen führende Betreiber integrierte Optimierungsschichten. Diese Systeme kombinieren hochauflösende Anlagendaten mit Echtzeit-Modellen für Degradationskosten und Marktprognosen.
Ein Beispiel hierfür ist die dynamische Anpassung von Einspeiseentscheidungen. Wenn die marginalen Degradationskosten steigen oder die Intraday-Spreads unerwartet breiter werden, reagiert das System sofort. Künstliche Intelligenz (KI) verknüpft dabei technische Realitäten mit kommerziellen Anforderungen. Sie identifiziert Zyklen, die langfristig echten Wert schaffen, verhindert schädliches Mikro-Cycling und prognostiziert sogar Verfügbarkeitseinschränkungen, bevor sie auftreten.
Dieser Wandel macht BESS von statischen Anlagen zu sich kontinuierlich optimierenden, selbstlernenden Energieportfolios. Dr. Lennard Wilkening, Co-Gründer und CEO von optimiser Suena Energy, beschreibt dies als eine Evolution von manuellen Heuristiken zu vollständig daten- und KI-gesteuerten Lebenszyklusoptimierungen.
Fakt:
Führende BESS-Betreiber nutzen KI, um über 50.000 Handelsentscheidungen pro Tag mit Millisekunden-Präzision auszuführen.
Maximale Rendite durch Hochfrequenzhandel
Die Maximierung der Rendite aus BESS-Anlagen gleicht heute dem Betrieb von Hochfrequenz-Energiehandelsportfolios. KI-Engines verarbeiten dazu Echtzeit-Anlagendaten, Live-Orderbuch-Signale und Marktprognosen.
Wichtige Leistungsindikatoren (KPIs) steuern jede einzelne Einspeiseentscheidung. Dazu gehören die marginalen Degradationskosten pro Zyklus, simulierte Effizienzverluste, der Umsatz pro bewegter MWh und die verfügbare Flexibilität. Diese präzisen Daten ermöglichen es, jede Entscheidung auf ihre Rentabilität und Auswirkung auf die Batterielebensdauer zu prüfen.
Balance zwischen Profit und Zellgesundheit
Das Gleichgewicht zwischen profitabler Marktteilnahme und dem Erhalt der Batteriezellgesundheit ist entscheidend. KI quantifiziert in Echtzeit die tatsächlichen Degradationskosten jeder potenziellen Handelsaktion. Die Optimierungs-Engine simuliert den Einfluss auf den Gesundheitszustand (SoH), Effizienzverluste und den marginalen Verschleiß vor jedem Zyklus – und das in Millisekunden.
„Unser System führt nur Trades aus, bei denen der Umsatz die Degradationskosten eindeutig übersteigt. Dies verhindert schädliches Mikro-Cycling, schützt die langfristige Leistung und verlängert die Lebensdauer der Anlagen um mehrere Jahre“, erklärt Dr. Wilkening.
So wird der Zielkonflikt zwischen Gesundheit und Profit zu einer transparenten, datengesteuerten Entscheidung, anstatt einer Schätzung. Das Ergebnis ist eine verlängerte Lebensdauer der Batterie und eine höhere Gesamtrentabilität.
Risikoteilung und neue Marktmodelle
Der europäische BESS-Markt entdeckt zunehmend neue Absicherungskonstrukte. Diese liegen im Hinblick auf das Risiko zwischen vollständiger Gewinnbeteiligung und langfristigen Nutzungsverträgen (Tolling Agreements).
Produkte wie Floors, Floors & Caps, Swap-Produkte oder partielle Tolling-Vereinbarungen werden die Dienstleistungsverträge zwischen Betreibern und Händlern dominieren. In Partnerschaft mit RWE bietet Suena beispielsweise ein „FlexFloor“-Produkt an. Dieses Produkt bietet die Sicherheit eines Floors und ermöglicht gleichzeitig die Nutzung von Merchant-Einnahmen.
Hintergrund:
Ein Floor ist eine Absicherung, die einen Mindestpreis oder -gewinn garantiert. Dies reduziert das Marktrisiko für BESS-Betreiber erheblich.
Italiens MACSE-Auktion und die Rolle der Optimierung
Aus Sicht der BESS-Investoren ist ein Kapazitätsmarkt wie Italiens MACSE-Auktion attraktiv. Er fügt den Regel- und Großhandelsmärkten eine risikoarme und meist langfristige Einnahmequelle hinzu. Dies erhöht die Bankfähigkeit der Investition.
Die unerwartet niedrigen Ergebnisse der ersten MACSE-Auktion zeigen jedoch die Notwendigkeit einer gründlichen Stacking-Strategie. Eine Partnerschaft mit einem Optimierer, der mit einer starken KI-Engine handelt, ist daher noch wichtiger geworden. Suena wird ab 2027 Optimierungsdienstleistungen auf dem italienischen Markt anbieten, gestützt auf zehn Jahre F&E-Erfahrung im Bereich BESS-Optimierung.
Asset Management bei Standalone- und Co-Located-Projekten
Die Anforderungen an das BESS-Asset-Management unterscheiden sich je nach Projektart:
- Standalone BESS: Hier liegt der Fokus auf reiner Marktoptimierung. Es geht darum, Spreads, Frequenzprodukte und Volatilität mit minimalen Einschränkungen zu nutzen.
- Co-Located Projekte: Bei diesen Projekten, oft in Kombination mit Erneuerbaren-Anlagen, wird die Herausforderung zu einem Multi-Asset-Optimierungsproblem. Die KI muss die Stromerzeugung prognostizieren, Abschaltrisiken modellieren und entscheiden, wann der Speicher Energie verschieben, absorbieren oder arbitrieren soll, um den Gesamtwert des Standorts zu maximieren.
Dies erfordert eine engere Integration von Wettervorhersagen, Echtzeit-Anlagendaten und Handelsmodellen. In der Praxis geht es nicht mehr nur um die Verwaltung einer Batterie, sondern um die Orchestrierung eines integrierten Energiesystems. Die Interaktionen innerhalb dieses Systems schaffen den größten Teil des wirtschaftlichen Wertes.





