Die Entwicklung von Batteriespeicherprojekten in Südostasien steht vor erheblichen Hürden. Experten betonen die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einbindung wichtiger Stakeholder, um ähnliche Schwierigkeiten wie in Japan zu vermeiden. Die Erfahrungen aus dem japanischen Markt zeigen, dass ein anfänglicher Boom schnell von strengeren Vorschriften und komplexeren Genehmigungsverfahren abgelöst werden kann. Dies birgt wichtige Lehren für die aufstrebenden Märkte der Region.
Wichtige Erkenntnisse
- Frühe Einbindung von Regulierungsbehörden und Versorgern ist entscheidend.
- Japanische Erfahrungen zeigen zunehmende regulatorische Strenge.
- Netzanschluss und Marktteilnahme werden komplexer und teurer.
- Lokale Gemeinschaften müssen proaktiv eingebunden werden.
- Schutzorientierte Ansätze erschweren Geschäfte und Projektentwicklung.
Japan als Warnung für Südostasien
Japan, einst ein Pionier im Bereich der Batteriespeichersysteme (BESS), bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen, die sich in einem schnell wachsenden Markt ergeben können. Mahdi Behrengrad, Leiter des Energiespeicherbereichs bei Pacifico Energy, betont, dass der japanische Markt zwar interessante Chancen bietet, aber auch klare Fallstricke aufzeigt, die südostasiatische Länder genau beobachten sollten.
Nach einem anfänglichen Entwicklungsboom und großer Begeisterung sind die Bedingungen in Japan innerhalb von drei bis vier Jahren deutlich strenger geworden. Dies betrifft alle Aspekte: von der Netzintegration über die Marktteilnahme bis hin zu Umweltauflagen und Genehmigungsverfahren.
„Japan bietet sehr interessante Möglichkeiten hinsichtlich der Marktgröße und des inhärenten Bedarfs an Energiespeichern, der die Sicherheit und Stabilität verbessert. Gleichzeitig zeigt es klare Fallstricke auf, die südostasiatische Nationen sorgfältig beobachten sollten“, erklärt Mahdi Behrengrad.
Ein wesentlicher Fehler in Japan war das Fehlen einer frühzeitigen Kommunikation mit den Regulierungsbehörden. Diese wurden von dem immensen Interesse an Energiespeichern überrascht, was zu einer reaktiven Verschärfung der Regeln führte, anstatt die Entwicklung zu fördern.
Wichtige Zahlen
- In Japan sind Dutzende von Projekten mit einer Größe von etwa 2MW/8MWh in Betrieb.
- Die Regeln der Long Term Decarbonisation Power Sources Auction (LTDA) wurden bereits geändert, was die Teilnahmebedingungen für Batteriespeicher verschärft.
- Entwickler, die über LTDA-Verträge 90% ihrer Einnahmen aus dem Marktbetrieb abgeben müssen, haben kaum Anreize zur Betriebsoptimierung.
Zunehmende regulatorische Hürden und Netzanschlussprobleme
Die Regeln für die Teilnahme an Auktionen haben sich in Japan bereits geändert. So waren in den ersten beiden Jahren Batterien mit einer Dauer von 3 bis 6 Stunden zulässig. In der jüngsten Auktion waren nur noch Systeme mit 6 Stunden oder mehr Dauer förderfähig. Dies zeigt eine Tendenz zu längeren Speicherdauern.
Auch die Versorgungsunternehmen passen ihre Prozesse an. Angesichts einer Flut von Netzanschlussanfragen und BESS-Projektvorschlägen nutzen sie zunehmend kleine Klauseln, um höhere Kosten, längere Netzanschlussarbeiten oder strengere technische Anforderungen durchzusetzen. Dies macht die Planung und Realisierung von Projekten unvorhersehbar und aufwendig.
Hintergrund: Japanischer Strommarkt
Der japanische Strommarkt hat einen hohen Bedarf an Energiespeichern, um die Integration erneuerbarer Energien zu fördern und die Netzstabilität zu gewährleisten. Die Regierung hat den Ausbau von Energiespeichern unterstützt, doch die praktische Umsetzung stößt auf unerwartete Schwierigkeiten. Die Einführung des Long Term Decarbonisation Power Sources Auction (LTDA) sollte Anreize schaffen, aber die sich ändernden Bedingungen stellen Entwickler vor große Herausforderungen.
Herausforderungen beim Netzanschluss
Der Netzanschluss wird in Japan immer schwieriger zu sichern. Selbst gesicherte Anschlüsse haben heute oft einen geringeren Wert als früher, da sowohl das Laden als auch das Entladen nicht fest zugesagt sind. Dies bedeutet, dass die Betreiber keine Garantie für volle Kapazitätsnutzung haben, was die Wirtschaftlichkeit von Projekten beeinträchtigt.
Zudem tendiert Japan, wie viele andere Länder, zu einem protektionistischen Ansatz bei Infrastrukturanlagen, der stärker auf Sicherheitsbedenken basiert. Dies verkompliziert Geschäftsprozesse und Projektgenehmigungen erheblich. Änderungen bei den Cybersicherheitsstandards können zahlreiche Projektaspekte beeinflussen, wobei die Einführung von Standards und der Projektentwicklungszyklus oft nicht synchronisiert sind.
Diskrepanz zwischen Hype und Realität
Trotz der vielen Aktivitäten auf dem japanischen Markt, einschließlich Dutzender kleinerer Projekte und einiger größerer, gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen dem „Hype und Interesse“ und den „tatsächlichen Investitionen oder Geschäftsabschlüssen“, so Behrengrad. Viele der 2MW-Projekte werden eher als spekulative Anlagen betrachtet, die auf schnelle Gewinne abzielen, anstatt als Infrastruktur, die dem Netz wirklich zugutekommt.
Bei größeren Projekten, die über das LTDA-Programm entwickelt werden, erhalten Entwickler zwar langfristige Verträge, um Einnahmen zu sichern, müssen aber 90% der Gewinne aus dem Marktbetrieb abführen. Dies nimmt den Anreiz, den Marktbetrieb zu optimieren. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen einem schlecht und einem optimal betriebenen System, da der Großteil der zusätzlichen Einnahmen abgegeben werden muss.
- Spekulative Anlagen: Viele kleine Projekte sind eher auf kurzfristige Gewinne ausgelegt.
- Geringe Optimierungsanreize: Hohe Abgaben bei LTDA-Projekten reduzieren den Nutzen einer effizienten Betriebsführung.
Die Rolle lokaler Gemeinschaften
Neben Regulierungsbehörden und Versorgern ist die Einbindung lokaler Gemeinschaften, die diese BESS-Anlagen beherbergen sollen, von entscheidender Bedeutung. Es gibt einen Boom bei Immobilienakquisitionen für Batteriespeicher- und Rechenzentrumsentwicklungen. Behrengrad sieht dies als „Landnahme“, die stattfindet, während die Gemeinden zunehmend skeptisch und zurückhaltend werden, Projekte auf ihrem Gebiet zu akzeptieren.
Das Konzept der Zustimmung einer lokalen Gemeinschaft ist oft noch undefiniert. Dies führt zu Konflikten zwischen Unternehmen und Anwohnern, die die technoökonomischen Aspekte solcher Projekte möglicherweise nicht umfassend verstehen. Diese Spannungen sind nicht nur auf Japan beschränkt, sondern ein Muster, das sich auch in anderen Regionen, einschließlich Südostasien, abzeichnet.
Viele Länder in Südostasien unterstützen offen die Rolle, die Energiespeicher spielen können: bei der Dekarbonisierung, der Integration erneuerbarer Energien und der Verbesserung der Energiesicherheit. Es ist schwer, gegen Energiespeicher zu argumentieren, da sie schnell einsetzbar und vielseitig sind. Der Teufel steckt jedoch im Detail der Implementierung, wo viele Stakeholder mit unterschiedlichen Werten und Zielen aufeinandertreffen.
Frühe Einbindung und Teamarbeit sind entscheidend
Die Einbindung aller Stakeholder – Versorger, Regulierungsbehörden und lokale Gemeinschaften – ist unerlässlich, betont Behrengrad. Dies muss geschehen, bevor das schnelle Wachstum der Projekte auf zunehmende regulatorische Komplexität, Bedenken der Gemeinden und Engpässe aufgrund fehlender Fachkräfte trifft.
Entwickler, die in Entwicklungsländern tätig werden wollen, sollten prüfen, ob sie über die notwendigen Kontakte, die Lobbyarbeit oder die Mechanismen verfügen, um diese verschiedenen Stakeholder vorzubereiten und ein unterstützendes Umfeld zu schaffen. Es ist eine Teamleistung.
Der Energy Storage Summit Asia 2026, der vom 1. bis 3. Juli in Bangkok, Thailand, stattfindet, wird eine wichtige Plattform sein, um diese Themen zu diskutieren und Lösungen zu finden. Die Konferenz ist Teil der ASIA Sustainable Energy Week 2026, der einflussreichsten Plattform der Region für die Förderung sauberer Energie.





