Wärtsilä, ein finnisches Technologieunternehmen, wird sein Geschäft mit Batteriespeichersystemen (BESS) und deren Optimierung in einem neuen Joint Venture (JV) mit dem deutschen Solaranlagenhersteller RCT Solutions betreiben. Diese strategische Entscheidung markiert eine Neuausrichtung für den Energiespeicherbereich des Unternehmens, der in den letzten 18 Monaten einer umfassenden Überprüfung unterzogen wurde.
Wichtige Erkenntnisse
- Wärtsilä und RCT Solutions gründen ein 50/50 Joint Venture für Energiespeicher.
- Die Transaktion soll im dritten Quartal 2024 abgeschlossen werden.
- Wärtsilä wird die Finanzzahlen des Energiespeichergeschäfts nicht mehr separat ausweisen.
- Das JV soll kurzfristig Verluste, mittelfristig aber positive Ergebnisse erzielen.
- RCT Solutions bringt Erfahrung in der BESS-Fertigung in den USA ein.
Neuausrichtung im Energiespeichergeschäft
Wärtsilä hat heute an der Nasdaq Helsinki bekannt gegeben, dass das Unternehmen sein Geschäft mit der Integration und Optimierung von Batteriespeichersystemen (BESS) in einem Joint Venture mit RCT Solutions weiterführen wird. Diese Entscheidung folgt auf eine strategische Überprüfung, die im Oktober 2023 begann und im Mai letzten Jahres abgeschlossen wurde.
Ursprünglich hatte Wärtsilä geplant, die Zahlen des Energiespeichergeschäfts ab dem zweiten Quartal 2026 als separates Segment auszuweisen. Mit der Gründung des Joint Ventures wird dies jedoch nicht mehr geschehen. Auch die finanziellen Ziele für diesen Bereich und die Nachfrageprognosen werden ausgesetzt.
Faktencheck
- 694 Millionen Euro: Nettoumsatz des Energiespeichergeschäfts von Wärtsilä im Jahr 2025.
- 6,9 Milliarden Euro: Gesamter Nettoumsatz von Wärtsilä im Jahr 2025.
- 3,3 Prozent: Profitabilität des Energiespeichergeschäfts im Vergleich zu 12,1 Prozent für andere Geschäftsbereiche.
Hintergrund der strategischen Entscheidung
Die Zukunft des Energiespeichergeschäfts von Wärtsilä schien lange ungewiss. Alle Optionen, einschließlich eines Verkaufs, wurden während der strategischen Überprüfung in Betracht gezogen. Letztendlich entschied sich das Unternehmen, diesen Bereich zu behalten, den es 2017 mit der Übernahme des US-amerikanischen BESS-Integrators und Energiemanagementsystem-Software-Spezialisten Greensmith Energy betreten hatte.
Nach Abschluss der Überprüfung begann Wärtsilä zunächst, die Finanzergebnisse des Energiespeicher- und Optimierungssegments (Wärtsilä ES&O) erstmals separat auszuweisen. Kurz darauf verließ Andy Tang, ein ehemaliger Greensmith-Mitarbeiter und Leiter von ES&O, das Unternehmen. Tamara De Gruyter, eine langjährige Mitarbeiterin von Wärtsilä, wurde zur Präsidentin ernannt.
„Wir mussten prüfen, was das Beste für die Aktionäre ist“, sagte Tamara De Gruyter in einem Interview im April. „Dies ist der beste Weg für sie.“
Diese Haltung setzt sich mit den aktuellen Schritten fort. Das Energiespeichergeschäft war zwar 2025 profitabel, blieb aber das kleinste berichtete Segment von Wärtsilä. Sein Nettoumsatz betrug nur etwas mehr als ein Zehntel des gesamten Nettoumsatzes.
Partnerschaft mit RCT Solutions
Wärtsilä und RCT Solutions werden jeweils 50 Prozent der Anteile am Joint Venture halten. Wärtsilä wird weniger als 5 Prozent seiner Nettoaktiva in das neue Unternehmen einbringen. RCT Solutions, ein Spezialist für die Herstellung von Solaranlagen, ist bereits an der Gründung eines BESS-Fertigungsunternehmens in den USA beteiligt, einem wichtigen globalen Markt.
Der Energiespeichermarkt
Der Markt für Batteriespeichersysteme wächst weltweit rasant. Er ist entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft in die Stromnetze. Speichersysteme helfen, die Netzstabilität zu gewährleisten und Stromschwankungen auszugleichen. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen, angetrieben durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Notwendigkeit flexibler Netzlösungen.
Synergien und zukünftige Aussichten
Håkan Agnevall, CEO und Präsident von Wärtsilä, beschrieb das Joint Venture als eine „ausgezeichnete Gelegenheit“, die Wettbewerbsfähigkeit des Energiespeichergeschäfts zu stärken. Die Partnerschaft soll Wärtsilä ermöglichen, mit einem erfahrenen Akteur zusammenzuarbeiten, der über starke Fähigkeiten im Betrieb eines integrierten Energiespeichergeschäfts unter anspruchsvollen Marktbedingungen verfügt.
„Indem wir die bewährte Technologie, den Kundenstamm und die Projektexpertise von Wärtsilä mit den Engineering-Fähigkeiten, dem Know-how zur vertikalen Integration und der bestehenden Fertigungsinitiative von RCT Solutions in den USA kombinieren, schaffen wir eine Grundlage für den Erfolg im sich schnell entwickelnden Energiespeichermarkt“, erklärte Peter Fath, CEO von RCT Solutions.
Peter Fath wird nach Abschluss der Transaktion die Position des CEO des Joint Ventures übernehmen. Die Transaktion selbst, deren Abschluss im dritten Quartal dieses Jahres erwartet wird, wird laut Wärtsilä keine wesentlichen Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung zum Zeitpunkt des Abschlusses haben.
Finanzielle Erwartungen und Prognosen
Wärtsilä erwartet, dass das Joint Venture kurzfristig Verluste schreiben wird. Für das Geschäftsjahr 2026 wird eine Belastung des operativen Ergebnisses von 40 bis 50 Millionen Euro prognostiziert. Es wird jedoch erwartet, dass das neue Unternehmen gegen Ende des nächsten Jahres positive Ergebnisse erzielen wird.
Die Gründung dieses Joint Ventures zeigt, dass Wärtsilä weiterhin auf das Energiespeichergeschäft setzt, wenn auch in einer neuen Struktur. Die Zusammenarbeit mit RCT Solutions soll die Marktposition stärken und das Wachstum in einem dynamischen Sektor vorantreiben.
- Das JV soll die Wettbewerbsfähigkeit im Energiespeichermarkt verbessern.
- Wärtsilä bringt Technologie und Kundenbasis ein.
- RCT Solutions steuert Engineering und Fertigungs-Know-how bei.
- Die Partnerschaft zielt auf eine vertikale Integration ab.
Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung strategischer Partnerschaften in der Energiewende und die Anpassungsfähigkeit großer Unternehmen an neue Marktbedingungen.





