Asien-Pazifik steht vor einer massiven Expansion von Datenzentren, angetrieben durch den Boom der Künstlichen Intelligenz. Doch diese Entwicklung birgt ein erhebliches Risiko: eine verstärkte Abhängigkeit von Kohle und Gas. Die Region plant bis 2030 eine zusätzliche Rechenzentrumskapazität von 24,2 Gigawatt. Diese enorme Nachfrage nach Energie könnte die Klimaziele gefährden und langfristig zu Problemen führen, wenn keine nachhaltigen Lösungen gefunden werden.
Wichtige Erkenntnisse
- Geplante Datenzentren in APAC könnten bis 2030 jährlich 166 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verursachen.
- Ohne Energiespeicher sind Datenzentren in der Regel auf fossile Brennstoffe angewiesen.
- Wasserknappheit wird zu einem direkten Problem für den Betrieb von Rechenzentren.
- Technologien für Langzeitenergiespeicherung und flexible Netzlösungen existieren, werden aber in APAC noch nicht flächendeckend eingesetzt.
Der rasante Ausbau und seine Folgen
Große Technologieunternehmen investieren massiv in die Region. Microsoft hat beispielsweise 25 Milliarden Australische Dollar in Australien zugesagt, während Amazon 20 Milliarden Australische Dollar investiert. Google baut gleichzeitig in Thailand, Malaysia und Singapur neue Rechenzentren. Diese Investitionen sind ein Zeichen für das enorme Wachstum der digitalen Wirtschaft und der KI-Technologien.
Die Herausforderung liegt in der Energieversorgung. KI-Trainingscluster laufen oft mit nahezu 100 % Auslastung, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, über Wochen hinweg. Solche Lasten können nicht allein durch intermittierende Quellen wie Solar- oder Windenergie gedeckt werden. Ohne eine stabile Grundlast greifen Betreiber auf Gas zurück, in Märkten wie Indien und Indonesien sogar auf Kohle.
Faktencheck: Emissionsrisiko
Modellierungen zeigen, dass die geplanten 24,2 GW Datenzentrumskapazität in neun APAC-Märkten bis 2030 zu jährlichen Emissionen von 166 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent führen könnten. Das entspricht fast einem Fünftel der jährlichen Emissionen der globalen Luftfahrtindustrie.
Mehr als nur Emissionen: Wasser und Investitionsrisiken
Das Problem ist nicht nur abstrakt. Es betrifft auch direkt die Rentabilität und Nachhaltigkeit der Projekte. Datenzentren werden heute oft für eine Betriebsdauer von 25 Jahren auf Basis bestehender Kohle- und Gasnetze finanziert. Doch zukünftige Regulierungen könnten diese Investitionen gefährden.
"Es ist kein abstraktes Emissionsproblem. Es ist ein Problem gestrandeter Vermögenswerte, ein regulatorisches Risiko und ein Problem der Wassersicherheit, die alle die Projektrenditen direkt beeinflussen." – Pavina Adunratanasee, ArkTerra Partners.
Australien hat bereits Erwartungen an die Entwicklung von Datenzentren und KI-Infrastruktur veröffentlicht, wobei Emissionsintensitätsstandards diskutiert werden. In Malaysia, dem größten Rechenzentrum-Hub der Region Johor, wurden Entwickler angewiesen, wassergekühlte Erweiterungsprojekte bis Mitte 2027 zu verschieben und Genehmigungen für Anlagen mit dem höchsten Wasserverbrauch auszusetzen.
Hintergrund: Wasserverbrauch von Datenzentren
Etwa 9 GW KI-fähiger Kapazität, die mit herkömmlichen Kühlsystemen betrieben wird, können jährlich rund 18 Milliarden Liter Wasser verbrauchen. Angesichts längerer Trockenzeiten in Südostasien und schwindender Grundwasserreserven in Indien wird Wasser zu einem kritischen Faktor für die Projektlebensfähigkeit.
Energiespeicher als Lösung
Energiespeichertechnologien sind entscheidend, um variable erneuerbare Energien zu integrieren und die Betriebsfähigkeit von Datenzentren sicherzustellen. Sie ermöglichen es, die Emissionen von Datenzentren und das Wachstum der KI vom Wachstum der Emissionen zu entkoppeln.
Gaskraftwerke bleiben jedoch aufgrund technischer und marktwirtschaftlicher Dynamiken die bevorzugte Wahl. Hyperscaler schließen Stromabnahmeverträge (PPAs) für 10 bis 25 Jahre ab und benötigen eine Verfügbarkeit von 99,99 %. Solar- und Windenergie sind zwar günstig, aber ihre Erzeugung ist variabel. Ohne speichergestützte Lösungen kann die Verfügbarkeit nicht garantiert werden.
Jedes Datenzentrum, das einen PPA für erneuerbare Energien ohne Speicher abschließt, sichert sich praktisch eine implizite Gasabsicherung. Dies verlängert auch die Lebensdauer von Kohlekraftwerken. In Indien und Indonesien erhalten Kohlekraftwerke, deren Schließung für 2030 bis 2035 geplant war, nun durch die Nachfrage der Datenzentren eine Auslastung, die eine frühzeitige Stilllegung unwirtschaftlich macht.
Erfolgreiche Beispiele außerhalb APAC
- USA: AES und Google haben einen PPA für den Campus in Nord-Virginia unterzeichnet. AES wird rund um die Uhr CO2-freien Strom aus 500 MW erneuerbaren Energien liefern, mit dem Ziel, eine stündliche Abdeckung von etwa 90 % zu erreichen.
- Australien: AGL arbeitete mit Fluence zusammen, um eines der größten Batteriespeichersysteme (BESS) am Standort eines stillgelegten Gaskraftwerks in Südaustralien zu bauen.
Diese Beispiele zeigen, dass die Technologie und die Vertragsstrukturen existieren. Die Frage ist, warum APAC diese Lösungen nicht übernimmt.
Innovative Ansätze und der Kapitalbedarf
Drei aktuelle Großprojekte verdeutlichen das Potenzial innovativer Lösungen:
- Meta und Noon Energy: Meta unterzeichnete im April 2026 eine Vereinbarung mit dem US-Startup Noon Energy zur Reservierung von bis zu 1 GW/100 GWh Ultra-Langzeit-Energiespeicherkapazität. Die Technologie von Noon, eine Kohlenstoff-Sauerstoff-Batterie, verwendet keine knappen Metalle wie Lithium und bietet eine Speicherdauer von 100 Stunden oder mehreren Tagen. Dieser Vertrag sichert eine neue, noch nicht kommerziell bewährte Technologie ab und ermöglicht den Aufbau der Fertigungskapazitäten.
- Oracle und Bloom Energy: Bloom Energy erweiterte im April seine Partnerschaft mit Oracle um bis zu 2,8 GW Vor-Ort-Brennstoffzellensysteme. Bereits 1,2 GW sind vertraglich gebunden und in der Bereitstellung. Der Vorteil hier ist die Geschwindigkeit: Bloom lieferte ein voll funktionsfähiges System an Oracle in nur 55 Tagen.
- Google und Voltus: Anfang Juni unterzeichnete Google eine Vereinbarung mit dem Betreiber virtueller Kraftwerke (VPP) Voltus. Im Rahmen einer dreijährigen "Bring Your Own Capacity" (BYOC)-Vereinbarung wird Voltus jährlich bis zu 100 MW verteilter Energieressourcen (DERs) in PJM aggregieren, darunter Batterien und intelligente Thermostate, in einem von Google finanzierten virtuellen Kraftwerk.
Diese drei Deals zeigen unterschiedliche Ansätze für das gleiche Problem: eine zuverlässige Stromversorgung für die KI-Infrastruktur ohne Netzabhängigkeit. Keiner dieser Ansätze wird bisher in APAC in großem Maßstab umgesetzt. Die Technologie ist vorhanden, und die Abnehmer wie NEXTDC, DayOne und die Hyperscaler-Campus-Teams haben das Problem. Was fehlt, ist ein strukturierter Weg, um neuartige, ermöglichende Technologieprojekte von der Vorstudie bis zum unterzeichneten Abnahmevertrag in APAC-Märkten zu bringen, wo das Projektentwicklungssystem noch nicht so ausgereift ist.





