Estland hat mit dem Batteriespeichersystem Hertz 1 einen wichtigen Schritt in Richtung Energiesouveränität und grüner Energiewende gemacht. Das 100-Megawatt-System, betrieben von Baltic Storage Platform (BSP), ist das größte seiner Art im Land und spielt eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung des Stromnetzes in der baltischen Region.
Wichtige Erkenntnisse
- Hertz 1 ist Estlands größtes Batteriespeichersystem mit 100 MW/200 MWh.
- Es wird zur Stabilisierung des Netzes und zur Bereitstellung von Regelleistungen eingesetzt.
- Das Projekt unterstreicht die Fähigkeit privater Investoren, große Energieprojekte in Estland zu finanzieren.
- Die baltischen Staaten haben sich vom BRELL-Netz getrennt und sind mit Kontinentaleuropa synchronisiert.
- Ein zweites Projekt, Hertz 2, befindet sich bereits im Bau.
Ein Meilenstein für die Energiesicherheit
Das Batteriespeichersystem (BESS) Hertz 1 liegt etwa 25 Kilometer von der Hauptstadt Tallinn entfernt. Es ist direkt an das 330-Kilovolt-Übertragungsnetz angeschlossen. Diese Anbindung erfolgt über ein unterirdisches Kabel, was die Integration in die bestehende Infrastruktur erleichtert.
Die Anlage hat eine Kapazität von 100 Megawatt und speichert 200 Megawattstunden Energie. Sie ist damit das größte Lithium-Ionen-Batteriespeichersystem in Estland und übertrifft ein zuvor im Jahr 2025 in Betrieb genommenes 53-MWh-Projekt deutlich.
Fakten zu Hertz 1
- Kapazität: 100 MW Leistung / 200 MWh Speicherkapazität
- Standort: 25 km von Tallinn, Estland
- Netzanbindung: Direkt an das 330-kV-Übertragungsnetz
- Module: 54 Container mit jeweils ca. 4 MWh Kapazität
Betrieb und Marktintegration
Hertz 1 wird auf verschiedenen Strom- und Regelleistungsmärkten aktiv sein. Dazu gehören die Frequenzhaltung (FCR) sowie automatische (aFRR) und manuelle (mFRR) Frequenzwiederherstellungsreserven. Es wird auch an den Intraday- und Day-Ahead-Märkten teilnehmen. Diese Vielseitigkeit ermöglicht es dem System, flexibel auf die Bedürfnisse des Netzes zu reagieren.
Die baltische Region hat im vergangenen Jahr einen wichtigen Schritt vollzogen: Sie hat sich vom russisch geführten BRELL-Netz getrennt. Stattdessen wurde das Übertragungsnetz mit dem kontinentaleuropäischen Netz synchronisiert. Diese Umstellung erhöht den Bedarf an schnell reagierenden Regelleistungen und Systemstützen erheblich. Batteriespeicher wie Hertz 1 sind hierfür ideal geeignet.
„Hertz 1 ist ein entscheidendes Infrastrukturstück, das es uns ermöglicht, unsere Energiesouveränität mit Zuversicht zu managen und gleichzeitig den Übergang zu sauberer, erneuerbarer Energie zu beschleunigen.“
Karl-Joonatan Kvell, CEO von Evecon
Finanzierung und Partnerschaften
Das Projekt Hertz 1 wurde von Baltic Storage Platform (BSP) realisiert. BSP ist ein Gemeinschaftsunternehmen des baltischen Entwicklers Evecon, des französischen unabhängigen Stromerzeugers (IPP) Corsica Sole und des Investmentmanagers Mirova. Diese Partnerschaft bündelt Expertise aus verschiedenen Bereichen der Energiebranche.
Die Finanzierung des Projekts, einschließlich des geplanten Hertz 2, erfolgte durch ein "wegweisendes" Finanzierungspaket. Dieses wurde Ende 2025 von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Nordischen Investitionsbank (NIB) und Edmond de Rothschild Asset Management bereitgestellt. Dies zeigt das Vertrauen internationaler Finanzinstitutionen in die Energiewende der Region.
Hintergrund: Die Bedeutung von Regelleistungen
Regelleistungen sind essenziell für die Stabilität moderner Stromnetze. Sie gleichen kurzfristige Schwankungen zwischen Stromerzeugung und -verbrauch aus. Mit dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien, deren Erzeugung wetterabhängig ist, steigt der Bedarf an solchen flexiblen Kapazitäten. Batteriespeicher können hier extrem schnell reagieren und so die Netzfrequenz stabil halten.
Technologie und Ausblick
Das Batteriespeichersystem ist in 54 Containern untergebracht. Jedes dieser Container hat eine Kapazität von etwa 4 Megawattstunden. Die genauen Lieferanten der BESS-Technologie wurden nicht bekannt gegeben. BSP dankte jedoch Technologiepartnern wie Yuso, Connecto, Energel und Nidec Conversion. Nidec Conversion gehört zur selben Gruppe wie Nidec ASI, ein bekannter BESS-Systemintegrator mit einem großen Marktanteil in Europa.
Die hohen Preise für Regelleistungen in der Region machen solche Projekte derzeit besonders attraktiv. Experten schätzten im letzten Jahr auf dem Energy Storage Summit Central and Eastern Europe 2025, dass Erstanbieter interne Zinsfüße (IRR) von 20-30% erzielen können.
Der Bau des zweiten Projekts, Hertz 2, in Aruküla ist bereits im Gange. Die Fertigstellung wird für Ende 2026 erwartet. Dies unterstreicht das Engagement Estlands und der baltischen Staaten für eine nachhaltige und unabhängige Energieversorgung.
„Erstens – private Investoren sind fähig und interessiert daran, große Energieprojekte in Estland zu unterstützen. Zweitens – die Zukunft ist hier. Vor zehn Jahren wäre dies der größte Lithium-Ionen-Batteriepark der Welt gewesen, vor dreißig Jahren wäre dies Science-Fiction gewesen.“
Andres Sutt, Minister für Energie und Umwelt der Republik Estland
Die Rolle Estlands in der Energiewende
Estland positioniert sich mit Projekten wie Hertz 1 als Vorreiter in der Energiewende. Die Investitionen in Batteriespeicher sind ein klares Zeichen für das Bestreben, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Die Integration in das kontinentaleuropäische Netz stärkt zudem die regionale Zusammenarbeit und Stabilität.
Die erfolgreiche Realisierung von Hertz 1 zeigt, dass die Kombination aus privatem Kapital, innovativer Technologie und politischem Willen große Fortschritte im Energiebereich ermöglichen kann. Dies dient als Modell für andere Länder, die ähnliche Herausforderungen meistern wollen.
- Strategische Unabhängigkeit: Reduzierung der Abhängigkeit von externen Energielieferanten.
- Netzstabilität: Schnelle Reaktion auf Schwankungen durch erneuerbare Energien.
- Wirtschaftlicher Anreiz: Hohe Renditen auf Regelleistungsmärkten fördern Investitionen.
Die Inbetriebnahme von Hertz 1 ist nicht nur ein technischer Erfolg, sondern auch ein starkes politisches Signal. Es demonstriert die Fähigkeit Estlands, große und komplexe Infrastrukturprojekte umzusetzen, die für die nationale Sicherheit und die globale Energiewende von Bedeutung sind.





