Die ZF Friedrichshafen AG, ein führender globaler Technologiekonzern, hat den Verkauf ihrer Pkw-Fahrerassistenzsysteme-Sparte (ADAS) an Harman International, eine Tochtergesellschaft von Samsung Electronics, bekannt gegeben. Diese strategische Entscheidung soll ZF helfen, seine Finanzverbindlichkeiten zu reduzieren und sich auf Kernbereiche zu konzentrieren, während Harman seine Position im Automobilsektor stärkt.
Wichtigste Punkte
- ZF verkauft seine Pkw-ADAS-Sparte an Samsung-Tochter Harman.
- Die Transaktion wird auf 1,5 Milliarden Euro bewertet.
- Rund 3.750 Mitarbeiter wechseln voraussichtlich zu Harman.
- ZF konzentriert sich künftig auf Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeuge und Industrie.
- Harman erweitert sein Portfolio im Bereich autonomes Fahren und Assistenzsysteme.
Strategischer Schritt zur Entschuldung
Der Verkauf der ADAS-Sparte ist für ZF von großer Bedeutung. Der Konzern möchte damit seine Finanzverbindlichkeiten deutlich reduzieren. Dies bestätigte ZF-Vorstandsvorsitzender Mathias Miedreich. Der Schritt ermöglicht ZF eine stärkere Fokussierung auf seine Kerngeschäfte.
Zu diesen Kernbereichen gehören künftig Fahrwerk, Antrieb, Nutzfahrzeuge und industrielle Anwendungen. In diesen Segmenten sieht sich ZF als global führendes Unternehmen. Die Transaktion umfasst die Bereiche Compute Solutions, Kameras, Radar und Fahrassistenz-Software für Pkw.
Faktencheck
- Verkaufswert: 1,5 Milliarden Euro
- Mitarbeiterwechsel: Ca. 3.750
- Erwarteter Abschluss: Zweite Jahreshälfte 2026
Konzentration auf Kernkompetenzen
ZF wird weiterhin an Fahrerassistenzsystemen und autonomem Fahren für Nutzfahrzeuge arbeiten. Dieser spezielle Bereich ist nicht Teil des Verkaufs an Harman. Auch die Elektronik für Fahrwerktechnik und passive Sicherheitstechnik verbleiben vollständig bei ZF.
ZF-Finanzvorstand Michael Frick betonte, dass die schnellere Entschuldung im Vordergrund des Verkaufs stehe. Parallel dazu restrukturiert ZF sein E-Mobilitätsgeschäft und richtet unrentable Projekte neu aus. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die prognostizierten Geschäftsziele im laufenden Finanzjahr zu erreichen.
Harman stärkt Position im Automobilsektor
Für Harman International, eine Tochtergesellschaft von Samsung, bedeutet diese Akquisition eine erhebliche Erweiterung ihres Portfolios. Harman ist bereits ein bekannter Zulieferer für die Automobilindustrie, vor allem durch seine Audiosysteme unter Marken wie Bang & Olufsen oder JBL.
Samsung bewertet die erworbene ADAS-Sparte mit 1,5 Milliarden Euro. Der Konzern ist seit langem im Bereich der selbstfahrenden Autos aktiv und hatte bereits 2017 Harman für acht Milliarden US-Dollar übernommen. Damals erwirtschaftete Harman bereits zwei Drittel seines Umsatzes mit Kfz-Herstellern.
"Mit Harman haben wir den idealen Partner gefunden, um das Wachstums- und Innovationspotenzial unseres Fahrerassistenz-Geschäfts für Pkw voll zu entfalten und auch den Mitarbeitern bestmögliche Entwicklungsperspektiven zu eröffnen."
Samsungs Ambitionen im autonomen Fahren
Samsung investiert seit über einem Jahrzehnt in Technologien für selbstfahrende Autos. Die bestehenden Geschäftsbeziehungen von Harman zu den Autoherstellern sollen als Türöffner dienen, um weitere Konzern-Technologien im Markt zu etablieren. Dies schließt nun auch die Assistenztechnik aus Friedrichshafen ein.
Im Jahr 2017 budgetierte Samsung weitere 300 Millionen US-Dollar für Investitionen in Automotive-Start-ups und -Technologie. Ein früherer Schritt war der Erwerb eines Anteils an der Wiener TTTech Auto, einem Software-Spezialisten für Middleware für Kraftfahrzeuge. Diese Anteile wurden jedoch Anfang 2025 an NXP veräußert.
Hintergrund: Samsungs Weg im Automotive-Bereich
Samsung hat in der Vergangenheit in verschiedene Firmen im Bereich der Selbstfahrtechnik investiert, darunter AImotive, Renovo und Quanergy Systems. Obwohl Samsung stark in die Entwicklung von Automotive-Technologien investiert, hat der Konzern wiederholt betont, keine eigenen Autos bauen zu wollen.
Auswirkungen auf Mitarbeiter und Zukunft
Die Transaktion hat auch Auswirkungen auf die Belegschaft. Rund 3.750 Mitarbeiter der Pkw-ADAS-Sparte werden voraussichtlich mit dem Abschluss der Übernahme zu Harman wechseln. Dieser Übergang wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, vorbehaltlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen.
Für die betroffenen Mitarbeiter eröffnen sich bei Harman neue Entwicklungsperspektiven in einem dynamischen Umfeld. Harman gewinnt mit der Übernahme nicht nur Technologie, sondern auch hochqualifiziertes Personal mit umfassendem Know-how im Bereich der Fahrerassistenzsysteme.
Marktentwicklung und Wettbewerb
Der Markt für Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren ist von intensivem Wettbewerb und rasanten technologischen Entwicklungen geprägt. Durch die Bündelung der Kräfte von ZF und Harman unter dem Dach von Samsung entsteht ein starker Akteur, der in diesem Segment weiter wachsen kann.
Die Entscheidung von ZF, sich von diesem Geschäftsbereich zu trennen, spiegelt auch die hohen Investitionskosten und den Druck wider, sich auf Bereiche mit klarer Marktführerschaft zu konzentrieren. Andere Marktteilnehmer haben ebenfalls Restrukturierungsmaßnahmen in ihren E-Mobilitätsgeschäften vorgenommen.
Die Übernahme ist ein klares Zeichen für die fortschreitende Konsolidierung und Spezialisierung in der Automobilzulieferindustrie. Sie unterstreicht die Bedeutung von Software und intelligenten Systemen für die Fahrzeuge der Zukunft.





