UBTECH Robotics, ein führender Hersteller von humanoiden Robotern, bereitet eine massive Ausweitung seiner Produktionskapazitäten vor. Das Unternehmen plant, die Jahresproduktion bis 2026 auf 5.000 humanoide Roboter zu steigern, was einer Verzehnfachung der aktuellen Fertigungszahlen entspricht. Bis 2027 soll die Produktion sogar auf 10.000 Einheiten jährlich anwachsen.
Wichtige Erkenntnisse
- UBTECH will die Produktion humanoider Roboter bis 2026 auf 5.000 Einheiten steigern.
- Die Fertigungskosten sollen jährlich um 20 bis 30 Prozent sinken.
- Ein Roboter soll bis 2030 weniger als 20.000 US-Dollar kosten.
- Die Nachfrage kommt aus Automobilindustrie, Logistik und öffentlichem Sektor.
- UBTECH ist maßgeblich an der Entwicklung nationaler Standards beteiligt.
Produktionsausbau und Kostensenkung
Michael Tam, Chief Branding Officer von UBTECH, bestätigte in einem Interview die ambitionierten Pläne. Das Unternehmen profitiert von sinkenden Komponentenpreisen und einer stark wachsenden Auftragsflut. Aktuell liefert UBTECH bis Ende 2025 etwa 500 Einheiten aus. Die neue Prognose markiert einen deutlichen Übergang von Pilotprojekten zur Serienfertigung.
Ein entscheidender Faktor für diese Expansion ist die stark lokalisierte Lieferkette. Tam zufolge stammen 90 Prozent der Komponenten bereits aus China. Dies ermöglicht es UBTECH, die Fertigungskosten aggressiv zu senken. Tam erwartet einen jährlichen Rückgang von 20 bis 30 Prozent. Ziel ist es, die Produktionskosten für einen humanoiden Roboter bis 2027 bis 2030 auf unter 20.000 US-Dollar zu senken.
Zahlen und Fakten
- Geplante Jahresproduktion 2026: 5.000 Einheiten
- Geplante Jahresproduktion 2027: 10.000 Einheiten
- Aktuelle Lieferungen 2025: 500 Einheiten
- Anteil der chinesischen Lieferkette: 90 Prozent
- Zielkosten pro Einheit bis 2030: Unter 20.000 US-Dollar
Wachsender Markt und neue Einsatzgebiete
Die Nachfrage nach humanoiden Robotern kommt nicht nur aus der Automobilindustrie, wo UBTECH bereits mit Unternehmen wie BYD, FAW-Volkswagen und Geely zusammenarbeitet. Auch der öffentliche Sektor und der Dienstleistungsbereich zeigen großes Interesse.
Kürzlich erhielt UBTECH einen Auftrag über 264 Millionen Yuan (etwa 37 Millionen US-Dollar) für den Einsatz seiner Walker S2 Roboter an der chinesisch-vietnamesischen Grenze in Fangchenggang. Dort sollen die Roboter Patrouillen, Reisendenführung und Logistikinspektionen übernehmen. Dies ist ein wichtiger Schritt weg von kontrollierten Fabrikumgebungen hin zu komplexeren öffentlichen Einsatzszenarien.
„Die rasche Verlagerung der chinesischen Lieferkette hin zur humanoiden Robotik und unsere enge Zusammenarbeit mit vorgelagerten Lieferanten lassen uns erwarten, dass die Herstellungskosten jährlich um 20 bis 30 Prozent sinken werden“, erklärte Michael Tam.
Die kumulierten Aufträge für die Walker-Serie belaufen sich für 2025 auf über 1,1 Milliarden Yuan (etwa 153 Millionen US-Dollar). Darin enthalten ist ein Vertrag über 159 Millionen Yuan für ein „Humanoid Robot Data Collection Center“ in Zigong, der Anfang des Monats unterzeichnet wurde.
Hintergrund: Die „Full-Stack“-Strategie
UBTECH betreibt zwei spezialisierte Fabriken für humanoide Roboter in Shenzhen und Liuzhou. Das Unternehmen zeichnet sich durch seine „Full-Stack“-Fähigkeiten aus, die Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb unter einem Dach vereinen. Diese Integration ist entscheidend für einen schnellen Entwicklungszyklus.
Seit 20 Monaten sammeln die Roboter Daten in realen Anwendungen, darunter Logistik, Qualitätskontrolle und Sortierung. Diese Daten dienen als Grundlage für die Verbesserung der verkörperten KI-Fähigkeiten und tragen zur Kostensenkung bei.
Einfluss auf nationale Standards
Neben der operativen Expansion festigt UBTECH auch seinen Einfluss auf die nationale Politik. Das Unternehmen wurde in Chinas neu gegründetes Technisches Standardisierungskomitee für humanoide Roboter berufen. Dieses Komitee, veröffentlicht vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), soll einheitliche Standards für Sicherheit, Hardwareschnittstellen und Datenformate festlegen. UBTECH-Manager Jiao Jichao arbeitet dort mit Vertretern von Wettbewerbern wie Unitree und AgiBot zusammen.
Diese regulatorischen Grundlagen sind entscheidend, da Roboter wie der Walker S2 zunehmend von geschlossenen Fabriken in öffentliche Bereiche, wie Grenzzonen, vordringen. Die Festlegung klarer Regeln wird die Akzeptanz und den sicheren Einsatz dieser Technologien fördern.
Finanzielle Entwicklung und Marktreaktionen
Die kommerzielle Entwicklung von UBTECH spiegelt sich auch in den Finanzmärkten wider. Der Zwischenverlust des Unternehmens verringerte sich um 18,5 Prozent auf 440 Millionen Yuan, während der Umsatz um 27,5 Prozent stieg. Zudem wurde UBTECH in den MSCI China Index aufgenommen, was voraussichtlich weitere institutionelle Investitionen anziehen wird, die für die ehrgeizige Expansion im Jahr 2026 benötigt werden.
Die Kombination aus Kostensenkung, Produktionsausbau und strategischer Positionierung im Markt und in der Standardisierung macht UBTECH zu einem wichtigen Akteur in der globalen Robotik-Landschaft. Die Vision, humanoide Roboter zu einem erschwinglichen Preis anzubieten, könnte die Industrie grundlegend verändern.





