Die ehrgeizigen Pläne von Tesla, den Markt für Elektrofahrzeuge mit neuen Batteriezellen zu revolutionieren, stoßen auf unerwartete Schwierigkeiten. Ein koreanischer Zulieferer berichtet von einem drastischen Rückgang der Bestellungen für Kathoden, die für Teslas 4680-Akkuzellen vorgesehen waren. Dieser Rückschlag deutet auf Probleme bei der Produktion des Cybertrucks und eine mögliche allgemeine Flaute im nordamerikanischen E-Fahrzeugmarkt hin.
Wichtige Erkenntnisse
- Tesla reduzierte eine Bestellung für Batteriekathoden von 2,9 Milliarden US-Dollar auf nur 7.386 US-Dollar.
- Der Cybertruck, das einzige Fahrzeugmodell, das diese neuen Zellen nutzt, erreicht seine Produktionsziele nicht.
- Auch andere Automobilhersteller wie Ford und General Motors kürzen ihre Elektrofahrzeug-Pläne.
- Südkoreanische Zulieferer wie L&F und LG Energy Solutions sind von den Stornierungen stark betroffen.
- Die Produktion der neuen 4680-Zellen könnte sich als komplexer erweisen als ursprünglich angenommen.
Massive Kürzung bei Batteriekathoden-Bestellung
Das südkoreanische Unternehmen L&F, ein wichtiger Lieferant für Batteriekathoden, hat kürzlich bekannt gegeben, dass eine Großbestellung von Tesla massiv reduziert wurde. Ursprünglich sollte L&F bis Ende 2025 Kathoden im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar an Tesla liefern. Tatsächlich wurden jedoch nur Kathoden im Wert von 7.386 US-Dollar abgenommen.
Diese Entwicklung ist für L&F besonders schmerzhaft. Der ursprüngliche Vertrag hätte den Jahresumsatz des Unternehmens verfünffachen können. Weitere Umsätze aus diesem Vertrag werden nicht mehr erwartet.
Faktencheck: Teslas 4680-Zellen
- Format: Zylindrische Batteriezellen mit 46 mm Durchmesser und 80 mm Höhe.
- Ziel: Geringere Kosten, höhere Energiedichte und verbesserte Reichweite.
- Ankündigung: Elon Musk stellte die Zellen 2020 am "Tesla Battery Day" vor.
- Anwendung: Bislang ausschließlich im Cybertruck verbaut.
Der Cybertruck als Problemfaktor
Die 4680-Rundzellen, für die L&F die Kathoden liefert, werden von Tesla bislang ausschließlich im Cybertruck verbaut. Dieses futuristische Fahrzeug hat sich jedoch als Herausforderung erwiesen. Teslas Gigafactory in Texas könnte jährlich bis zu 250.000 Einheiten produzieren. Der tatsächliche Absatz liegt jedoch wohl bei weniger als einem Zehntel dieser Kapazität.
Berichten zufolge haben andere Unternehmen, die ebenfalls von Elon Musk geführt werden, wie SpaceX und xAI, jüngst über 1.000 Cybertrucks abgenommen. Dies ändert jedoch wenig an der insgesamt geringen Nachfrage.
Herausforderungen bei der Zellproduktion
Es gibt Spekulationen über die Gründe für die geringe Abnahme. Eine Möglichkeit ist, dass Tesla andere, günstigere oder effizientere Lieferanten für die benötigten hoch nickelhaltigen Kathoden gefunden hat. Eine andere Erklärung könnte in den Schwierigkeiten bei der Massenfertigung der 4680-Zellen liegen.
„Die energiesparende und damit günstigere Trockenbeschichtung der Folien bei der Massenfertigung hat sich wahrscheinlich als schwieriger erwiesen, als Musk 2020 angenommen hat.“
Die 4680-Zellen bieten zwar eine hohe Energiedichte, erzeugen aber auch deutlich mehr Abwärme. Diese muss zuverlässig gekühlt werden, was auf größere Innenwiderstände hindeutet und die Produktion komplexer macht.
Flaute im Elektrofahrzeug-Markt trifft auch andere Hersteller
Die Probleme bei Tesla sind kein Einzelfall. Der nordamerikanische Markt für Elektrofahrzeuge erlebt eine allgemeine Flaute, die auch andere große Automobilhersteller betrifft. Politische Gründe und eine verstärkte Konkurrenz, insbesondere aus China, spielen hier eine Rolle.
Hintergrund: Musks Image und Konkurrenzdruck
Teslas Marke hat in den letzten Jahren an Glanz verloren. Dies liegt zum einen am zunehmenden Wettbewerb, zum anderen aber auch an den politischen Äußerungen und Aktivitäten von Elon Musk, die das Image des Unternehmens beeinträchtigt haben könnten.
Ford und General Motors kürzen Pläne
Nach General Motors hat auch Ford seine Expansionspläne im Bereich Elektrofahrzeuge zurückgefahren. Ford schreibt Milliardenbeträge ab, was direkte Auswirkungen auf seine Zulieferer hat. LG Energy Solutions (LGES), ein weiterer südkoreanischer Batteriezellenhersteller, ist ebenfalls betroffen.
LGES sollte von Anfang 2027 bis Ende 2032 Akkus im Wert von rund 7,1 Milliarden US-Dollar an Ford liefern. Diese Fahrzeuge werden nun nicht gebaut, was für LGES einen erheblichen Ausfall bedeutet.
Zahlen, die schockieren
- L&F: Bestellung von 2,9 Milliarden $ auf 7.386 $ reduziert.
- LGES (Ford): Vertrag über 7,1 Milliarden $ storniert.
- LGES (Freudenberg): Bestellung von 2,8 Milliarden $ auf 110 Millionen $ geschrumpft.
Deutsche Zulieferer ebenfalls unter Druck
Auch deutsche Unternehmen spüren die Auswirkungen der Marktschwäche. Die Freudenberg-Gruppe stellt ihre Produktion von Lithium-Akkus in Michigan ein. Die Tochtergesellschaft Xalt hatte dort seit März 2024 von LGES gelieferte Zellen in Akkus für den E-Nutzfahrzeugmarkt verbaut.
Die erhofften Wachstumsphantasien in diesem Segment haben sich vorerst nicht erfüllt. Xalt muss daher schließen. LG Energy Solutions sollte bis Ende 2031 Module im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar an Freudenberg liefern. Lediglich 110 Millionen US-Dollar wurden abgenommen, der Rest entfällt für die Koreaner.
Diese Entwicklung zeigt, dass die gesamte Lieferkette für Elektrofahrzeuge unter Druck steht. Ursprünglich optimistische Prognosen müssen nun korrigiert werden, was weitreichende Konsequenzen für Hersteller und Zulieferer weltweit hat.
Ausblick und Marktentwicklung
Die aktuellen Entwicklungen werfen Fragen über die zukünftige Entwicklung des Elektrofahrzeugmarktes auf. Während die Nachfrage nach E-Autos in einigen Segmenten weiterhin steigt, scheinen die Erwartungen an bestimmte Modelle und die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung zu hoch gewesen zu sein. Die Anpassungen bei Tesla, Ford und anderen Herstellern deuten auf eine Konsolidierungsphase hin.
Zulieferer müssen sich auf eine volatilere Marktsituation einstellen und ihre Strategien entsprechend anpassen. Die Fähigkeit zur schnellen Reaktion auf veränderte Nachfrage wird entscheidend sein, um in diesem dynamischen Umfeld bestehen zu können.





