Der deutsche Motorradmarkt erlebt im Jahr 2025 einen deutlichen Rückgang bei den Neuzulassungen. Nach einem außergewöhnlichen Rekordjahr 2024, das durch die Einführung der Euro-5+-Emissionsnorm beflügelt wurde, fielen die Zahlen bis Ende November 2025 drastisch. Insgesamt wurden 95.190 Motorräder neu zugelassen, was einem Minus von 29,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Wichtige Erkenntnisse
- Gesamtrückgang der Neuzulassungen um 29,2% bis November 2025.
- Leichtkrafträder verzeichnen sogar ein Minus von 35,8%.
- Sportmotorräder erleben einen Aufschwung, Reiseenduros verlieren an Beliebtheit.
- Chinesische und indische Marken etablieren sich erstmals in den Top 50.
- BMW bleibt Marktführer, Honda rückt auf Platz zwei vor.
Der Kater nach dem Euro-5-Run
Das Jahr 2024 war für die Motorradindustrie in Deutschland ein Ausnahmezustand. Die bevorstehende Einführung der Euro-5+-Norm zum 1. Januar 2025 führte zu einem regelrechten Ansturm auf die noch verfügbaren Euro-5-Modelle. Viele Händler reduzierten die Preise drastisch oder boten Tageszulassungen an, um ihre Lagerbestände abzubauen.
Käufer nutzten diese Gelegenheit, was die Neuzulassungszahlen in den letzten Monaten des Jahres 2024, insbesondere im November und Dezember, in die Höhe trieb. Diese Monate sind traditionell schwach für Motorradzulassungen. Das Ergebnis war ein Rekordjahr für die Hersteller.
Zahlen im Überblick
- 2024 (bis Nov.): 134.516 Neuzulassungen
- 2025 (bis Nov.): 95.190 Neuzulassungen
- Rückgang: 29,2 %
- Leichtkrafträder: Minus 35,8 % (von 32.784 auf 21.035)
Obwohl ein Rückgang für 2025 erwartet wurde, hat das Ausmaß einige Marken hart getroffen. Die vorliegenden Zahlen bis Ende November deuten darauf hin, dass sich die Situation bis zum Jahresende kaum noch ändern wird. Für die Händler sind dies alarmierende Zahlen. Obwohl 2024 viele Motorräder verkauft wurden, blieb der Gewinn aufgrund des Preisdrucks oft gering. Der Umsatzrückgang 2025 könnte das Händlernetz weiter ausdünnen.
Sportmotorräder im Aufwind, Reiseenduros verlieren
Ein bemerkenswerter Trend im Jahr 2025 ist der Aufschwung vollverkleideter Sportmotorräder. Mehrere Modelle dieser Kategorie haben es in die Top-Listen der Neuzulassungen geschafft.
- Die Honda CBR 650 RR, ein preisgünstiger Mittelklasse-Sportler, belegt mit 2058 Neuzulassungen Platz 4 der meistverkauften Honda-Modelle.
- Die Kawasaki Ninja 650 folgt auf Rang 10.
- Die Aprilia RS 660, das meistverkaufte Modell des italienischen Herstellers, liegt auf Platz 16.
Selbst das hochpreisige Superbike BMW S 1000 RR erreichte über tausend Neuzulassungen. Dies zeigt, dass die Nachfrage nach sportlichen Modellen wieder steigt.
„Die Entwicklung bei den Sportmotorrädern ist klar. Kunden suchen wieder nach agilen, leistungsstarken Maschinen, die Fahrspaß versprechen, auch in der Mittelklasse.“
Im Gegensatz dazu befinden sich die Reiseenduros, abgesehen vom Dauerbrenner BMW R 1300 GS, im Rückwärtsgang. Beliebte Modelle wie die Honda Africa Twin, Honda Transalp und Yamaha 700 Ténéré verzeichnen starke Rückgänge und schaffen es nicht mehr unter die Top 10.
Asiatische Marken auf dem Vormarsch
Eine weitere Besonderheit der Zulassungsstatistik 2025 ist das erstmalige Erscheinen chinesischer und indischer Motorradhersteller in den Top 50 in Deutschland.
- Die Voge DS 900 X, eine preisgünstige Reiseenduro aus China, erreichte bis Ende November 647 Neuzulassungen und liegt auf Platz 37.
- Die indische Einzylinder-Enduro Royal Enfield Himalayan 450 verbuchte 581 Neuzulassungen und belegt Rang 48.
Hintergrund: Asiatischer Einfluss
Chinesische und indische Hersteller profitieren von einer aggressiven Preisgestaltung, einer breiten Modellpalette und stetig wachsender Qualität. Die Zusammenarbeit mit etablierten Herstellern wie BMW und KTM hat den asiatischen Partnerfirmen geholfen, eigene Kapazitäten aufzubauen und sich vom Partner zum Konkurrenten zu entwickeln.
Diese Entwicklung deutet auf eine zukünftig stärkere Präsenz asiatischer Marken auf dem deutschen Markt hin. Ihre Modelle werden für Kunden zunehmend attraktiv.
Die Top 5 Marken im Detail
1. BMW: Marktführer mit Abhängigkeit von der GS
BMW behauptet weiterhin die Spitzenposition bei den Neuzulassungen in Deutschland. Mit einem Marktanteil von 21,6 Prozent und 20.559 neu zugelassenen Motorrädern bis Ende November bleibt die bayerische Marke führend. Dennoch verzeichnete auch BMW ein Minus von 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der unangefochtene Bestseller ist die Reiseenduro R 1300 GS. Mit 7795 Neuzulassungen bis Ende November übertraf sie sogar die Gesamtzahl des Jahres 2024. Die Marktführerschaft von BMW ist stark von diesem Modell abhängig.
Andere Modelle wie die F 900 R (1406 Neuzulassungen) und die F 800 GS (1264 Neuzulassungen) trugen ebenfalls zum Erfolg bei. Die neue R 12 G/S, die erst im Sommer auf den Markt kam, konnte die Erwartungen mit 743 Zulassungen noch nicht erfüllen, da viele Kunden weiterhin die R 1300 GS bevorzugen.
2. Honda: Stabilisierung durch breite Modellpalette
Honda konnte sich 2025 gut behaupten und musste nur ein leichtes Minus von 4,7 Prozent hinnehmen. Mit 19.133 Neuzulassungen bis November nähert sich Honda mit einem Marktanteil von 20,1 Prozent dem langjährigen Marktführer BMW an.
Der Erfolg ist auf eine breite Palette beliebter Modelle zurückzuführen:
- CB 1000 Hornet: 2048 Neuzulassungen, traf mit günstigem Preis einen Nerv.
- CBR 650 R: 2058 Neuzulassungen, meistverkauftes Sportmotorrad.
- CB 750 Hornet: 1972 Neuzulassungen, ebenfalls sehr erfolgreich.
Auch Nischenmodelle wie der Cruiser CMX 500 Rebel (982 Neuzulassungen) und das Retro-Bike GB 350 S (808 Stück) trugen dank ihrer günstigen Preise zum guten Ergebnis bei.
3. Kawasaki: Moderater Rückgang dank Bestsellern
Kawasaki verzeichnete einen moderaten Rückgang von 5,4 Prozent mit 14.005 Neuzulassungen bis Ende November. Dies entspricht einem Marktanteil von 14,7 Prozent.
Die Marke verdankt dies vor allem zwei Modellen:
- Die Z 900 bleibt mit 4486 Neuzulassungen der unangefochtene Bestseller und rangiert auf Platz 2 in Deutschland. Ihr Erfolg liegt in der Kombination aus kräftigem Motor, aggressivem Design und günstigem Preis.
- Die zweizylindrige Z 650 folgt mit 2195 Neuzulassungen.
Auch die vollverkleidete Ninja 650 (1267 Neuzulassungen) und kleine Cruiser wie die Eliminator 500 (705 Neuzulassungen) trugen zum Ergebnis bei. Ein Flop waren hingegen Kawasakis Elektromotorräder und Hybridmodelle, die zusammen nur 67 Neuzulassungen erreichten.
4. Yamaha: Heftige Verluste trotz Modellpflege
Yamaha erlebte im Jahr 2025 einen massiven Einbruch der Umsätze. Nur 6919 Neuzulassungen bis Ende November bedeuten ein Minus von 36,2 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 10.847 Stück.
Trotz Überarbeitungen dreier Bestseller zu Jahresbeginn konnte der zweitgrößte Motorradhersteller der Welt die Verluste nicht aufhalten.
- Die MT-07 bleibt mit 1985 Neuzulassungen das beliebteste Modell, verlor aber an Beliebtheit im Vergleich zum Vorjahr (2512 Stück).
- Die größere MT-09 kam auf 1769 Neuzulassungen.
- Einen dramatischen Absturz erlebte die 700 Ténéré mit nur 1039 Neuzulassungen, weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts.
Unter die Top 50 schaffte es sonst nur noch der Sporttourer Tracer 9 mit 641 Stück.
5. Triumph: Aufstieg im Ranking trotz Verlusten
Triumph kann auf ein gemischtes Jahr zurückblicken. Ein Minus von 10,3 Prozent bis Ende November (6014 Neuzulassungen statt 6707) steht einem erfreulichen Aufstieg im Marken-Ranking gegenüber. Triumph verbesserte sich von Platz 7 im Vorjahr auf Platz 5 im Jahr 2025.
Die Briten haben offenbar einiges richtig gemacht, während andere Hersteller an Gunst verloren. Die Bonneville T120 führt mit 613 Neuanmeldungen die Triumph-Modelle an. Das Retro-Bike bleibt beliebt bei Fans, die den nostalgischen Look mit moderner Technik schätzen.
Dicht gefolgt von der Reiseenduro Tiger 900 (606 Neuzulassungen in GT- und Rally-Versionen) und der Mittelklasse-Trident 660 (571 Neuanmeldungen) dank ihres günstigen Preises. Die neue Tiger Sport 800 kam auf 553 Neuzulassungen. Die Scrambler 400 X, die im Vorjahr noch 1025 Neuanmeldungen verzeichnete, halbierte ihre Zahlen fast und schaffte es nicht mehr unter die Top 50.





