Diebstähle von Ladekabeln an Schnellladesäulen für Elektroautos verursachen zunehmend hohe Schäden. Besonders nachts schlagen Täter auf abgelegenen Parkplätzen zu, um Kupfer und andere Buntmetalle zu entwenden. Dies betrifft nicht nur die Betreiber, sondern auch die Nutzer von E-Fahrzeugen, die oft vor defekten Ladesäulen stehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Zahl der Kabeldiebstähle an E-Ladesäulen steigt, besonders in Norddeutschland.
- Allein die EnBW verzeichnete dieses Jahr über 1.000 gestohlene Kabel mit einem Schaden in Millionenhöhe.
- Kupfer und andere Buntmetalle sind aufgrund steigender Rohstoffpreise das Hauptziel der Diebe.
- Präventive Maßnahmen wie Videoüberwachung und verbesserte Beleuchtung werden verstärkt eingesetzt.
- Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten ist bislang gering.
Steigende Zahlen im Norden
Die Kriminalität rund um Ladesäulen für Elektroautos nimmt in Deutschland zu. Besonders Hamburg und Schleswig-Holstein sind betroffen. Hier melden Betreiber und Behörden eine Zunahme von Diebstählen an Ladeinfrastruktur.
Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein registrierte seit Jahresbeginn eine zweistellige Anzahl von Fällen, bei denen Ladekabel an öffentlichen E-Ladesäulen entwendet wurden. Diese Delikte sind in der allgemeinen Kriminalstatistik jedoch nicht gesondert aufgeführt.
Schaden in Millionenhöhe
Allein die EnBW musste in diesem Jahr bundesweit über 1.000 Ladekabel ersetzen. Der entstandene Schaden beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.
Regionale Unterschiede bei den Diebstählen
Im vergangenen Jahr wurde im Kreis Rendsburg-Eckernförde ein Fall bekannt, bei dem Unbekannte eine Ladesäule beschädigten und zwei Kabel stahlen. Der Schaden belief sich hier auf rund 70.000 Euro. Auch im Jahr 2021 gab es einen Vorfall im Kreis Stormarn, bei dem drei komplette Ladestationen von einem Firmengelände entwendet wurden. Beide Fälle blieben bislang ungeklärt.
Interessanterweise wurden für die Jahre 2022 und 2023 laut LKA-Sprecherin keine angezeigten Fälle im nördlichsten Bundesland registriert. Dies deutet auf eine aktuelle Zunahme der Vorfälle hin.
"Aufgrund der hohen Schadenssummen ist davon auszugehen, dass die meisten Fälle auch angezeigt werden", so eine Sprecherin des LKA Schleswig-Holstein.
Betreiber reagieren auf die Diebstahlwelle
Der E-Mobilitätsanbieter EnBW Energie, einer der größten Betreiber von Schnellladepunkten in Deutschland, ist stark von den Diebstählen betroffen. In Schleswig-Holstein wurden in diesem Jahr 24 Kabel ersetzt, in Hamburg sogar 68.
Das Unternehmen arbeitet eng mit Partnern und Ermittlungsbehörden zusammen, um die Funktionsfähigkeit der Ladestationen zu gewährleisten und das Schnellladenetz zu schützen. Es werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Diebstählen entgegenzuwirken.
Hintergrund: Warum Kupfer?
Kupfer ist ein wertvolles Metall. Die Preise auf dem Rohstoffmarkt sind in den letzten Jahren gestiegen. Das macht Ladekabel und die darin enthaltenen Buntmetalle zu einem attraktiven Ziel für Diebe, die sie an Metall- oder Schrotthändler verkaufen.
Sicherheitsmaßnahmen werden verstärkt
Die EnBW setzt auf präventive Maßnahmen. Dazu gehören verstärkte Beleuchtung an den Standorten und der Einsatz von Videoüberwachung. Auch der Austausch mit den Herstellern der Ladestationen ist Teil der Strategie, um die Sicherheit zu erhöhen.
Weitere Schutzmaßnahmen werden derzeit getestet. Die Details dazu wollte die Unternehmenssprecherin nicht öffentlich machen, um potenziellen Tätern keine Informationen zu liefern.
In ganz Deutschland betreibt die EnBW über 8.000 Schnellladepunkte. Davon befinden sich 213 in Schleswig-Holstein und 108 in Hamburg.
Hamburg: Gemischtes Bild bei der Polizei
Die Situation in Hamburg zeigt ein gemischtes Bild. Während die EnBW zahlreiche Kabeldiebstähle meldet, verzeichnet ein anderer großer Ladesäulen-Betreiber, die Hamburger Energiewerke, bisher keine Diebstähle von Ladekabeln.
Ein Sprecher der Hamburger Energiewerke teilte mit, dass bei ihnen "Kupferdiebstähle oder vergleichbare Delikte bislang nicht aufgetreten" seien. Allerdings komme es vereinzelt zu Vandalismus, wie dem Beschmieren von Säulen oder dem Abreißen von Kabeln.
Polizei rät zur Wachsamkeit
Die Hamburger Polizei sieht nach aktuellem Kenntnisstand keine besonderen Auffälligkeiten bei Kabeldiebstählen. Trotzdem rät die Landespolizei dazu, verdächtige Beobachtungen sofort zu melden.
„Da öffentliche Ladesäulen leicht zugänglich sind und auch sein sollen, sind präventive Maßnahmen nur begrenzt umsetzbar“, erklärte das LKA in Kiel. Dennoch gibt es Empfehlungen für Betreiber und Bürger.
Was hilft gegen die Kabeldiebe?
Die Polizei und Ladesäulenbetreiber setzen auf verschiedene Strategien, um den Diebstählen entgegenzuwirken. Neben Videoüberwachung und guter Beleuchtung gibt es technische Möglichkeiten.
- Videoüberwachung: Kameras können Täter abschrecken und bei der Aufklärung helfen.
- Gute Beleuchtung: Hell beleuchtete Standorte sind für Diebe unattraktiver.
- Alarmsysteme: Ladesäulen könnten mit Licht- oder Signal-Alarmen ausgestattet werden, die ausgelöst werden, wenn ein Kabel durchgeschnitten wird.
Diese technischen Lösungen liegen jedoch in der Verantwortung der Betreiber. Die Polizei informiert zudem potenzielle Ankäufer von Metall, wie Schrott- und Metallhändler, über die Risiken, gestohlenes Material anzunehmen. Dies geschieht unter anderem durch Flyer.
Das Ziel der Diebe: Rohstoffe
Die gestohlenen Kabel enthalten wertvolle Rohstoffe, vor allem Kupfer und andere Buntmetalle. Diese werden auf dem Schwarzmarkt oder bei unseriösen Händlern verkauft. Die steigenden Rohstoffpreise machen diese Art von Diebstahl für Kriminelle attraktiv.
Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Betreibern und auch den Herstellern der Ladesäulen ist entscheidend, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Infrastruktur für die Elektromobilität zu schützen.





