Verbraucherzentralen warnen eindringlich vor einer weit verbreiteten Abofalle, die von der Pressevertriebszentrale (PVZ) im Auftrag anderer Unternehmen betrieben wird. Seit Januar 2024 bis September 2025 registrierten die 16 Verbraucherzentralen über 18.500 Beschwerden. Die meisten Betroffenen berichten, dass ihnen kostenpflichtige Zeitschriften-Abos untergeschoben wurden, ohne dass sie dem bewusst zugestimmt hätten.
Wichtige Punkte
- Über 18.500 Beschwerden zu PVZ-Abofallen seit Anfang 2024.
- Kostenlose Probe-Abos münden unbemerkt in kostenpflichtigen Verträgen.
- Vielfältige Betrugsmaschen: Telefonanrufe, Pop-up-Fenster, Umfragen, Online-Bestellungen.
- PVZ ignoriert Einwände der Verbraucher und fordert Zahlungen vehement ein.
- Sofortiger Widerspruch und Widerruf bei Erhalt einer Rechnung sind entscheidend.
Die Masche: Kostenlos beginnt, teuer endet
Die Täter locken Verbraucher oft mit dem Versprechen eines kostenlosen Probe-Abos für Zeitschriften. Was als unverbindliches Angebot beginnt, wird jedoch schnell zu einer teuren Verpflichtung. Nach dem Ende der Probezeit erhalten die Betroffenen Rechnungen von der PVZ, die hohe Kosten für ein Jahresabo ausweisen. Viele Betroffene geben an, nie eine Bestätigung für einen solchen Vertrag erhalten zu haben.
Die PVZ tritt dabei als Inkassodienstleister auf. Sie fordert die Zahlungen im Namen der eigentlichen Abo-Anbieter ein. Einwände der Verbraucher, keinen Vertrag abgeschlossen zu haben, bleiben oft ungehört. Die PVZ verfolgt die Forderungen mit Nachdruck, oft unter Androhung von Inkassobüros.
Zahlen und Fakten
- 18.500+ Beschwerden: Zwischen Januar 2024 und September 2025.
- 16 Verbraucherzentralen: Alle deutschen Verbraucherzentralen sind betroffen.
- Unbemerkte Umwandlung: Kostenlose Probe-Abos werden zu Jahresabos.
Vielfältige Wege in die Abofalle
Die Betrüger nutzen verschiedene Methoden, um an die Daten der Verbraucher zu gelangen und ihnen Abos unterzuschieben. Diese reichen von Telefonanrufen bis hin zu Social-Media-Werbung.
Telefonische Angebote und Gewinnversprechen
Eine häufige Methode ist der telefonische Anruf, bei dem sechs kostenlose Zeitschriftenausgaben versprochen werden. Die Anrufer versichern, dass keine Kündigung notwendig sei. Nach Ablauf der Gratiszeit erhalten die Betroffenen jedoch eine Rechnung. Wird diese nicht bezahlt, drohen die Anrufer mit der Einschaltung eines Inkassobüros.
Auch Pop-up-Fenster im Internet sind eine Falle. Sie versprechen einen Gewinn, für den man persönliche Daten eingeben soll. Statt des Gewinns folgt ein kostenpflichtiges Jahresabo. Ähnlich funktioniert es bei der Teilnahme an telefonischen Umfragen: Als Dankeschön versprochene kostenlose Zeitschriften entpuppen sich als teure Abos.
„Viele Verbraucher sind überrascht, wenn sie eine Rechnung erhalten, da sie sich nicht an einen Vertragsabschluss erinnern können. Die Methoden sind vielfältig und oft schwer zu durchschauen.“
Online-Bestellungen und Produkttests
Selbst nach einer Online-Bestellung kann die Falle zuschnappen. Verbraucher, denen eine kostenlose Zeitschrift nach dem Kauf versprochen wurde, finden sich plötzlich in einem kostenpflichtigen Abo wieder. Eine weitere Masche sind Angebote zur Teilnahme an Produkttests. Wer seine Daten als Produkttester hinterlegt, erhält anschließend oft ein 13-monatiges Zeitschriften-Abo.
Auch über soziale Medien werden Verbraucher gelockt. Links, die kostenlose Proben für Kosmetikprodukte versprechen, führen stattdessen zu Zeitschriften mit Zahlungsaufforderungen. In all diesen Fällen erhalten die Betroffenen keine Vertragsdokumente wie Auftragsbestätigungen vor der ersten Rechnung, was die Situation zusätzlich erschwert.
Hintergrund zur PVZ
Die Pressevertriebszentrale (PVZ) mit Sitz in Stockelsdorf ist ein Dienstleister, der im Auftrag von Verlagen und anderen Unternehmen die Abwicklung von Zeitschriftenabonnements und die Forderungsverwaltung übernimmt. Sie tritt dabei als Mittler zwischen dem Verbraucher und dem eigentlichen Abo-Anbieter auf. Die PVZ selbst schließt nicht die Verträge ab, sondern ist für die Zahlungsabwicklung zuständig.
Was tun bei einer PVZ-Rechnung?
Wenn Sie eine Rechnung von der PVZ erhalten und keinen bewussten Vertrag abgeschlossen haben, ist schnelles Handeln wichtig. Zögern Sie nicht, sofort zu reagieren.
Sofortiger Widerspruch und Widerruf
Der erste Schritt ist, den Vertragsschluss zu bestreiten. Machen Sie deutlich, dass Sie keinen Vertrag abgeschlossen haben und die Forderung unberechtigt ist. Gleichzeitig sollten Sie zur Sicherheit den vermeintlichen Vertrag widerrufen und kündigen. Dies geschieht am besten schriftlich, zum Beispiel per Einschreiben mit Rückschein.
Wichtige Schritte bei einer unberechtigten Forderung
- Vertragsschluss bestreiten: Schriftlich mitteilen, dass kein Vertrag zustande kam.
- Vertrag widerrufen: Innerhalb der Frist von 14 Tagen (falls ein Fernabsatzvertrag vorliegt).
- Vertrag kündigen: Zur Sicherheit fristgerecht kündigen.
- Beweise sichern: Alle Korrespondenz und Unterlagen aufbewahren.
- Verbraucherzentrale kontaktieren: Bei Unsicherheiten oder weiteren Fragen Hilfe suchen.
Vorsicht im Umgang mit Angeboten
Seien Sie grundsätzlich vorsichtig, wenn Unternehmen etwas „verschenken“ oder Ihnen unerwartete Gewinne versprechen. Vertrauen Sie nie auf mündliche Zusagen. Lassen Sie sich immer alles schriftlich bestätigen, bevor Sie persönlichen Daten preisgeben oder einer vermeintlichen Vereinbarung zustimmen.
Bei unerwünschten Werbeanrufen fordern Sie die Anrufer auf, Ihre Daten zu löschen und Sie nicht mehr zu kontaktieren. Stellen Sie aktiv Fragen: „Mit wem spreche ich?“, „Für welches Unternehmen rufen Sie an?“, „Was ist der Grund Ihres Anrufs?“. Dies kann helfen, unseriöse Anrufer zu identifizieren.
Drittanbietersperre und Beratung
Eine Drittanbietersperre kann ebenfalls sinnvoll sein. Diese blockiert die Abrechnung von Dienstleistungen über die Handyrechnung und schützt so vor ungewollten Kosten. Im Zweifel sollten Sie sich immer an Ihre örtliche Verbraucherzentrale wenden. Diese bietet Unterstützung und Beratung bei solchen Abofallen und unberechtigten Forderungen.
Ihre Erfahrungen mit solchen Maschen sind für die Verbraucherzentralen wertvoll. Melden Sie Ihre Schwierigkeiten über das kostenlose Beschwerdeformular, um die Marktbeobachtung zu unterstützen und andere Verbraucher zu schützen.





