Europäische Zölle auf chinesische Elektroautos zeigen erste Auswirkungen: Westliche Automobilhersteller verlagern ihre Produktion zunehmend zurück auf den europäischen Kontinent. Eine aktuelle Studie belegt diesen Trend deutlich.
Wichtige Erkenntnisse
- Anteil "Made in China" E-Autos westlicher Hersteller sank von 38 % auf 23 % in Europa.
- Chinesische Hersteller wie BYD und Geely steigern trotz Zöllen ihre Importe.
- Zehn neue Produktionsstätten für E-Autos in Europa seit 2023 geplant.
- Deutsche E-Auto-Produktion stieg 2025 um 15 % auf 1,22 Millionen Einheiten.
- Chinesische Marken haben 13 % Marktanteil bei Plug-in-Hybriden in der EU.
EU-Zölle beeinflussen Produktionsstrategien
Seit der Einführung von EU-Zöllen auf Elektroautos aus China im Herbst 2024 beobachten Experten eine Verschiebung in der globalen Automobilproduktion. Westliche Hersteller, die zuvor verstärkt in China für den europäischen Markt produzierten, kehren nun zurück nach Europa.
Eine Untersuchung der europäischen Umwelt-NGO T&E, basierend auf Daten von GlobalData, zeigt, dass der Anteil von in China produzierten Elektroautos westlicher Marken am gesamten Absatz batterieelektrischer Modelle in Europa signifikant gesunken ist. Zwischen 2024 und dem ersten Quartal dieses Jahres fiel dieser Anteil von 38 Prozent auf 23 Prozent.
Faktencheck
- Rückgang: Der Anteil chinesischer E-Autos westlicher Hersteller in Europa sank um 15 Prozentpunkte.
- Betroffene Marken: BMW, Dacia, Volvo, Smart und Tesla waren Teil der Untersuchung.
- Tesla Beispiel: Der Anteil chinesischer Tesla-Fahrzeuge am europäischen E-Gesamtmarkt fiel von 26 % auf 19 %.
Chinesische Hersteller trotzen Zöllen
Interessanterweise konnten die Zölle die Einfuhr von Elektroautos chinesischer Hersteller bisher kaum bremsen. Marken wie BYD und Geely haben ihre Importe nach Europa seit 2024 sogar deutlich gesteigert. BYD verdoppelte seinen EU-Marktanteil im Jahresvergleich.
Dies wird von Experten auf die hohe Überproduktion dieser Unternehmen in China zurückgeführt. Eine Ausnahme bildet Saic, dessen Absatzzahlen in Europa stark zurückgingen. Für Saic-Fahrzeuge fallen fast doppelt so hohe Zölle an, da die EU größere staatliche Subventionen in der Wertschöpfungskette festgestellt hat.
"Die Zölle haben westliche Hersteller zur Rückverlagerung angeregt, während chinesische Giganten weiterhin aggressiv den europäischen Markt bedienen. Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Handelspolitik und globalen Produktionsstrategien." – Marktanalystin Maria Rodriguez.
Produktionsverlagerung nach Europa: Ein neuer Trend
Nicht nur westliche Hersteller reagieren auf die Zölle. Auch chinesische Unternehmen zeigen verstärkt Interesse an einer Produktion in Europa. Seit der EU-Untersuchung zu Subventionen im Jahr 2023 sind zehn geplante Produktionsstätten für Elektroautos auf dem Kontinent bekannt geworden.
Gleichzeitig verlagern chinesische Hersteller bei den Exporten aus China ihren Fokus vermehrt auf Plug-in-Hybride (PHEV). Chinesische Marken halten mittlerweile einen Anteil von 13 Prozent am PHEV-Markt der EU, gegenüber nur 3 Prozent im Jahr 2024. Dies könnte eine Strategie sein, um die direkten Auswirkungen der Zölle auf reine Elektrofahrzeuge zu umgehen.
Hintergrund der Zölle
Die Europäische Union verhängte im Herbst 2024 Zölle auf Elektroautos aus China. Ziel war es, unfaire Wettbewerbsbedingungen durch staatliche Subventionen in China auszugleichen und die europäische Automobilindustrie zu schützen. Die Höhe der Zölle variiert je nach Hersteller und dem Grad der festgestellten Subventionierung.
Deutschland als Produktionsstandort gestärkt
Die Ergebnisse der T&E-Studie decken sich mit aktuellen Produktionsdaten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Deutschland. Die Produktion von reinen Elektroautos (BEV) innerhalb Deutschlands stieg im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 1,22 Millionen Einheiten. Dies geschah trotz eines gleichzeitig einbrechenden Absatzes.
Parallel dazu erreichte die Batterieproduktion in Deutschland ein Rekordniveau. Der ZVEI verzeichnete 2025 ein Plus von 11 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Ob dieser Anstieg direkt mit der Verlagerung von Produktionskapazitäten aus China zusammenhängt, geht aus den VDA-Daten nicht explizit hervor, ist aber eine plausible Entwicklung.
Die EU-Politik scheint somit eine gewünschte Wirkung zu entfalten: Die Stärkung der heimischen Produktion und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiterentwickelt und welche weiteren Anpassungen Hersteller vornehmen werden.
Zukunft des E-Auto-Marktes in Europa
Die Dynamik auf dem europäischen E-Automarkt ist hoch. Die Zölle haben eine Neuausrichtung der Lieferketten und Produktionsstrategien angestoßen. Während westliche Hersteller ihre Produktion heimholen, versuchen chinesische Marken, über direkte Investitionen in Europa oder durch den verstärkten Export von PHEVs weiterhin Marktanteile zu gewinnen.
Aktuelle Zulassungsdaten zeigen zudem, dass E-Autos im Juni 2026 erstmals alle anderen Antriebsarten bei Neuzulassungen überholten. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Elektromobilität in Europa und die Notwendigkeit robuster, lokaler Produktionskapazitäten.





