Der Volkswagen-Konzern hat sich im Wettkampf um die Entwicklung autonomer Fahrtechnologien für das britische KI-Startup Wayve entschieden. Diese Partnerschaft markiert einen wichtigen Schritt für VW, um im Bereich des autonomen Fahrens aufzuholen und mit Konkurrenten wie Tesla und Mercedes Schritt zu halten. Wayve überzeugte in Testfahrten in London.
Wichtige Punkte
- Volkswagen kooperiert mit Wayve für autonome Fahrsoftware.
- Wayve setzte sich gegen Nvidia und andere Wettbewerber durch.
- Die Technologie von Wayve nutzt End-to-End Deep Learning und Kameradaten.
- Mercedes und weitere Hersteller arbeiten ebenfalls mit Wayve zusammen.
- VW will seine Position im autonomen Fahren stärken.
VW wählt Wayve nach Londoner Testfahrten
Volkswagen hat eine strategische Entscheidung getroffen, die seine Zukunft im autonomen Fahren maßgeblich beeinflussen könnte. Nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit Bosch als Technologiepartner fiel die Wahl auf Wayve, ein Londoner Startup, das sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat.
Die Entscheidung basiert auf umfassenden Testfahrten, die VW in der britischen Hauptstadt organisierte. Wayve konnte sich hierbei gegen mehrere andere Unternehmen behaupten, darunter auch Nvidia. Nvidia ist bekannt als Weltmarktführer für KI-Beschleuniger und eines der wertvollsten Unternehmen weltweit, mit einer Marktkapitalisierung von rund 5,7 Billionen US-Dollar (Stand: 4. Oktober 2026).
Faktencheck
- Wayve Gründung: 2017
- Eingesammeltes Kapital: ca. 2,8 Milliarden US-Dollar in vier Finanzierungsrunden
- Konkurrenten im Test: Nvidia und weitere Unternehmen
Wayves Technologie überzeugt im Stadtverkehr
Besonders beeindruckt zeigte sich Volkswagen von Wayves Leistung im komplexen Londoner Stadtverkehr. Ein Audi A6 e-Tron, ausgestattet mit Wayve-Software, demonstrierte seine Fähigkeiten eindrucksvoll. Laut einem Konzernentscheider erkannte das Fahrzeug selbstständig, dass ein entgegenkommendes Auto per Lichthupe Vorfahrt gewährte und parkte anschließend autonom ein.
Wayves Ansatz unterscheidet sich von traditionellen Systemen. Die Fahrsoftware soll grundsätzlich in jedem Fahrzeugmodell einsetzbar sein. Sie funktioniert vollständig ohne detaillierte 3D-Karten und starre Software-Regeln. Stattdessen setzt Wayve auf Kameradaten und zuvor gesammelte Lernerfahrungen.
„Die Software von Wayve ermöglicht es Autos, auch in Umgebungen zu fahren, für die das zugrunde liegende KI-Modell nicht explizit trainiert wurde.“
Dies wird durch ein einziges neuronales Netz erreicht, das den gesamten Verarbeitungsprozess vom Rohdaten-Input bis zur Anwendung übernimmt. Wayve bezeichnet diese Methode als „End-To-End Deep Learning“.
Aufholjagd im autonomen Fahren
Die Partnerschaft mit Wayve ist für Volkswagen und auch für Mercedes Teil einer Strategie, im Bereich des autonomen Fahrens aufzuholen. Die Konkurrenz, insbesondere Tesla mit seinem Full Self-Driving (FSD) System, ist bereits auf vielen Straßen unterwegs.
Hintergrund: Autonomes Fahren Level 2 (SAE2)
Bei Level SAE2 muss der Fahrer jederzeit bereit sein, die Steuerung des Fahrzeugs zu übernehmen. Systeme wie Teslas FSD fallen in diese Kategorie. Höhere Level ermöglichen dem Fahrzeug, bestimmte Fahraufgaben vollständig selbstständig zu übernehmen, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.
Teslas FSD ist in immer mehr europäischen Ländern zugelassen. Nach der vorläufigen EU-Typgenehmigung in den Niederlanden am 10. April 2026 folgten schnell weitere Länder. Im Mai erhielten Litauen und Estland die Zulassung. Im Juni folgten Dänemark und Belgien, im September Slowenien und Tschechien.
Eine EU-weite Erlaubnis für Teslas FSD wird jedoch zunehmend unwahrscheinlicher. In Deutschland prüft das Kraftfahrtbundesamt (KBA) derzeit die Zulassung. Bisher dürfen hierzulande nur wenige Modelle auf diesem Level fahren, wie die S-Klasse und die EQS-Limousine von Mercedes mit dem entsprechenden Ausstattungspaket.
Nvidia bleibt im Spiel
Obwohl Nvidia nicht als Softwarelieferant für VW ausgewählt wurde, könnte das Unternehmen weiterhin eine Rolle spielen. Ein Lieferauftrag für die benötigten Chips ist noch denkbar. Nvidia ist nicht nur ein Investor bei Wayve, sondern liefert auch die Chips für die Robotaxis, die Wayve derzeit in London testet.
Diese potenzielle Zusammenarbeit zeigt, dass die Entwicklung autonomer Fahrzeuge ein komplexes Ökosystem ist, in dem verschiedene Unternehmen mit spezialisiertem Know-how zusammenarbeiten. Die Partnerschaft von VW mit Wayve ist ein klares Zeichen für die Dynamik in diesem Zukunftsmarkt.
- Volkswagen setzt auf End-to-End Deep Learning.
- Wayves Software benötigt keine detaillierten 3D-Karten.
- Andere Partner von Wayve sind Nissan, Stellantis und Mercedes.
- Tesla FSD expandiert in Europa, aber die EU-weite Zulassung ist fraglich.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich diese neuen Allianzen auf die Entwicklung und Verfügbarkeit autonomer Fahrzeuge auswirken. VWs Schritt mit Wayve könnte ein wichtiger Beschleuniger für die Branche sein.





