Volkswagen vollzieht eine strategische Kehrtwende bei der Innenraumgestaltung seiner Fahrzeuge. Markenchef Thomas Schäfer kündigte das Ende der Ära berührungsempfindlicher Bedienelemente an. Künftige Modelle sollen wieder vermehrt physische Tasten und Schalter erhalten, um die Benutzerfreundlichkeit und Verkehrssicherheit zu verbessern.
Wichtige Erkenntnisse
- VW Markenchef Thomas Schäfer beendet die Ära der Touch-Bedienelemente.
- Zukünftige VW-Modelle, beginnend mit dem ID.Polo, erhalten wieder physische Tasten.
- Die Entscheidung basiert auf Kundenfeedback und Sicherheitsbedenken.
- Auch andere Hersteller wie Mercedes-Benz und NCAP befürworten die Rückkehr zu Knöpfen.
- VW plant zudem eine Namensänderung für zukünftige ID-Modelle.
Ein Umdenken bei Volkswagen
Die Entscheidung, die Touch-Bedienung zugunsten physischer Knöpfe zu reduzieren, markiert einen deutlichen Kurswechsel für Volkswagen. Thomas Schäfer, der Mitte 2022 die Leitung der Marke VW übernahm, betonte, dass der Konzern aus den Erfahrungen mit seinen ID-Modellen gelernt habe. Besonders der Golf 8, der fast vollständig auf Tasten verzichtete, erntete Kritik.
„Früher haben wir eine lange Liste mit Anforderungen und Funktionen erstellt, aber die Leute haben sich mit dem Endprodukt nicht wohlgefühlt. Heute stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt“, erklärte Schäfer gegenüber dem BBC-Magazin Top Gear in Hamburg. Diese neue Philosophie soll die Fahrzeugentwicklung grundlegend prägen.
Faktencheck: Der Golf 8
Der VW Golf 8 war eines der ersten Modelle, das stark auf Touch-Bedienelemente setzte, was bei vielen Nutzern zu Frustration führte. Die Kritik betraf vor allem die Bedienung von Klimaanlage und Lautstärke über berührungsempfindliche Slider.
Der ID.Polo als Vorreiter
Das erste Fahrzeug, das die neue Designphilosophie von Volkswagen verkörpern soll, ist der kommende ID.Polo. Obwohl dieses Elektroauto weiterhin einen großen Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts behalten wird, kehren für wichtige Funktionen wieder „richtige Tasten“ zurück. Dies betrifft insbesondere die Bedienelemente am Lenkrad.
Schäfer sprach sich klar gegen die bisherigen Lösungen aus:
„Wir werden richtige Tasten einführen, die den berührungsempfindlichen Mist am Lenkrad ersetzen.“Zusätzlich sollen echte Schalter für die Heizung, ein Lautstärkeregler und separate elektrische Fensterheber wieder Standard werden. Dies zielt darauf ab, die Bedienung intuitiver und weniger ablenkend zu gestalten.
Design und Namensgebung im Wandel
Das Designteam unter der Leitung von Andreas Mindt hat die Aufgabe erhalten, sich an drei Grundsätze zu halten: „stabil, sympathisch und das gewisse Etwas“. Ein Volkswagen soll wieder ein „freundliches Gesicht“ haben. Auch die Türgriffe müssen intuitiv und einfach zu bedienen sein, besonders wenn man mit vollen Einkaufstüten zum Auto kommt.
Neben der Rückkehr zu physischen Bedienelementen plant VW auch eine Anpassung der Produktbezeichnungen. Aus dem bisherigen Konzept des ID.2 wird der ID.Polo, und der ID.4 soll Ende des Jahres zum ID.Tiguan werden. Diese Änderungen sollen die Fahrzeuge auf den ersten Blick verständlicher machen.
Hintergrund der Touch-Ära
Die frühere Führung von VW orientierte sich stark am „iPhone-Stil“ im Fahrzeugdesign. Dieser Trend, der auf minimalistische Innenräume mit dominanten Touchscreens setzte, war in vielen Unternehmen verbreitet. Schäfer merkte an, es sei „ein wenig schwierig“ gewesen, die Designer von dieser Idee abzubringen.
Branchenweiter Trend zur Rückbesinnung
Volkswagen ist nicht der einzige Autohersteller, der seine Strategie überdenkt. Auch andere große Marken und unabhängige Organisationen befürworten die Rückkehr zu physischen Tasten. Mercedes-Benz hat bereits angekündigt, bei neuen Modellen wie dem GLC EQ und dem CLA Shooting Brake wieder vermehrt auf Knöpfe und Drehregler zu setzen.
Magnus Östberg, Software-Chef von Mercedes, bestätigte im September 2025:
„Die Daten zeigen, dass physische Tasten besser sind.“Diese Aussage unterstreicht, dass die Entscheidung nicht nur auf subjektiven Präferenzen, sondern auf fundierten Erkenntnissen basiert.
Sicherheitsaspekte im Fokus
Die Abkehr von übermäßiger Touch-Bedienung wird auch von unabhängigen Institutionen unterstützt, die sich mit Verkehrssicherheit befassen. Der ADAC testete die Bedienung von sechs Fahrzeugen, wobei das Tesla Model 3 den letzten Platz belegte, was die Schwierigkeiten der reinen Touch-Bedienung verdeutlichte.
Die Verbraucherschutzinstitution Euro NCAP, die die Sicherheit von Fahrzeugen bewertet, kündigte bereits 2024 an, Fahrzeuge mit zu starker Abhängigkeit von ablenkenden Berührungsbildschirmen schlechter zu bewerten. Diese Maßnahme wurde Anfang dieses Jahres umgesetzt. Matthew Avery, Direktor für strategische Entwicklung bei Euro NCAP, betonte:
„Zur Verkehrssicherheit tragen Riesenschirme nicht bei.“
Internationale Entwicklungen
Auch die chinesische Regierung hat im Februar 2026 angekündigt, physische Schalter und Knöpfe wieder ins Auto zu bringen. Das zuständige Ministerium für Industrie- und Informationstechnologie (MIIT) hatte zuvor bereits versenkbare Türgriffe verboten, was die globale Tendenz zur praktischen und sicheren Bedienung unterstreicht.
Fazit: Weniger Ablenkung, mehr Intuition
Die Rückkehr zu physischen Bedienelementen ist ein klares Signal der Automobilindustrie, den Fokus wieder stärker auf die Bedürfnisse des Fahrers und die Verkehrssicherheit zu legen. Volkswagen geht hierbei einen entscheidenden Schritt voran, indem es die Kritik der Kunden ernst nimmt und eine nutzerzentrierte Entwicklung verfolgt. Die Kombination aus modernen Touchscreens für Infotainment und traditionellen Knöpfen für wichtige Funktionen könnte den optimalen Kompromiss darstellen.
- Bessere Haptik und Rückmeldung bei der Bedienung.
- Reduzierung der Ablenkung während der Fahrt.
- Erhöhung der Verkehrssicherheit durch intuitive Handhabung.
- Klarere Differenzierung der Modelle durch traditionelle Namen.





