Der Automobilkonzern Stellantis hat angekündigt, die Produktion von Elektrofahrzeugen in zwei französischen Werken vorübergehend einzustellen. Grund dafür ist ein Mangel an Long-Range-Batterien, die für die Reichweiten-stärkeren Versionen wichtiger Modelle benötigt werden. Dieser Schritt betrifft die Werke in Sochaux und Rennes und wird voraussichtlich zu Lieferverzögerungen führen.
Wichtige Erkenntnisse
- Stellantis unterbricht Ende Oktober die Produktion in Sochaux und Rennes.
- Betroffen sind die Long-Range-Versionen des Peugeot E-3008, E-5008 und Citroën ë-C5 Aircross.
- Der Mangel betrifft Batterien des Joint Ventures Automotive Cells Company (ACC).
- Die Standardversionen der Fahrzeuge sind vom Engpass nicht betroffen.
- Der Produktionsstopp könnte Tausende von Fahrzeugen betreffen und Lieferzeiten verlängern.
Produktionsstopp in französischen Werken
Stellantis, einer der größten Automobilhersteller weltweit, stoppt Ende Oktober die Fertigung in seinen französischen Werken Sochaux und Rennes. In Sochaux ruht die Produktion vom 23. bis 30. Oktober, während das Werk in Rennes vom 22. bis 30. Oktober betroffen ist. Diese Maßnahme betrifft spezifisch die Elektrofahrzeuge Peugeot E-3008, E-5008 und Citroën ë-C5 Aircross, allerdings nur in ihren Long-Range-Varianten.
Der Konzern nennt als Ursache eine nicht ausreichende Verfügbarkeit von Long-Range-Batterien. Diese Akkus sind entscheidend für die Modelle, die eine größere Reichweite bieten. Die Nachfrage nach diesen Varianten, insbesondere von Geschäftskunden und Flottenbetreibern, übersteigt derzeit die Lieferkapazitäten.
Fakten zum Produktionsstopp
- Betroffene Modelle: Peugeot E-3008, E-5008, Citroën ë-C5 Aircross (nur Long-Range-Versionen).
- Batteriekapazität: Rund 97 Kilowattstunden (kWh) für die Long-Range-Varianten.
- Dauer des Stopps: Sochaux (23.-30. Oktober), Rennes (22.-30. Oktober).
Der Engpass bei Batterien
Die fehlenden Long-Range-Akkus stammen von der Automotive Cells Company (ACC). ACC ist ein Batterie-Joint-Venture, an dem Stellantis, Mercedes-Benz und TotalEnergies beteiligt sind. Die erste Gigafactory von ACC befindet sich in Billy-Berclau/Douvrin in Nordfrankreich und produziert NMC-Batteriezellen und -module.
Die Anlage befindet sich jedoch noch in der Hochlaufphase. Dies bedeutet, dass die volle Produktionskapazität noch nicht erreicht ist. Während Stellantis von einem Mangel an einbaufertigen Batteriesystemen spricht, stellt ACC die Situation anders dar. Ein Sprecher von ACC erklärte, dass die Modulproduktion deutlich gesteigert werde und man die vereinbarten Lieferverpflichtungen gegenüber Stellantis erfülle.
„Die Modulproduktion wird deutlich gesteigert und der Ausstoß im September 2026 entspricht nahezu der gesamten Modulproduktion des Jahres 2025“, so ein ACC-Sprecher.
Es bleibt unklar, wo genau der Engpass liegt – ob bei der Zellproduktion, der Packmontage, der Qualitätsfreigabe oder der Logistik.
Auswirkungen auf die Fahrzeugproduktion
Die betroffenen Modelle basieren auf der STLA-Medium-Plattform von Stellantis, die eine 400-Volt-Architektur nutzt. Die Long-Range-Varianten sind mit stärkeren Elektromotoren (170 statt 157 Kilowatt) und einem 97-kWh-Akku ausgestattet. Sie bieten eine WLTP-Reichweite von 668 bis 700 Kilometern.
Die Standardversionen dieser Fahrzeuge, die einen 73-kWh-Akku nutzen und etwa 24 kWh weniger Kapazität haben, sind vom aktuellen Engpass nicht betroffen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung für potenzielle Käufer.
Hintergrund: STLA-Medium-Plattform
Die STLA-Medium-Plattform ist eine von vier modularen Elektroauto-Plattformen von Stellantis. Sie wurde entwickelt, um eine große Flexibilität bei der Produktion verschiedener Fahrzeugtypen zu ermöglichen und ist ein zentraler Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie des Konzerns.
Stellantis hat nicht genau beziffert, wie viele Fahrzeuge durch den Produktionsstopp ausfallen werden. Regionale Medienberichte schätzen für das Werk Sochaux eine Tagesleistung von über 1000 Fahrzeugen. Daraus ließe sich für den etwa einwöchigen Stillstand eine Größenordnung von rund 7000 Fahrzeugen ableiten. Stellantis hat diese Schätzung jedoch nicht bestätigt. Für das Werk Rennes liegen keine verlässlichen Produktionszahlen vor.
Der Anteil der Long-Range-Versionen an der gesamten Fertigung wurde vom Konzern ebenfalls nicht veröffentlicht, was eine genaue Einschätzung der Auswirkungen erschwert.
Der E-Auto-Markt wächst stark
Der Batterieengpass kommt zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach Elektroautos in Europa stark ansteigt. Laut dem europäischen Herstellerverband ACEA lag der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) in der EU in den ersten acht Monaten 2026 bei 21,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 15,8 Prozent.
Allein im August dieses Jahres stiegen die Neuzulassungen von BEVs um 62,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser starke Zuwachs zeigt den wachsenden Bedarf an Batterien und die Herausforderungen, die die Lieferketten bewältigen müssen.
- Marktanteil BEV EU (Jan-Aug 2026): 21,7 %
- Marktanteil BEV EU (Jan-Aug 2025): 15,8 %
- Wachstum BEV-Neuzulassungen August 2026: +62,7 %
Stellantis bezeichnete die Maßnahme als vorübergehend. Der Konzern möchte vermeiden, Fahrzeuge zu produzieren, deren Ausstattung nicht der aktuellen Kundennachfrage entspricht. Dies soll verhindern, dass ungewollte Lagerbestände bei den Händlern entstehen. Für Kunden in Deutschland und Europa könnten sich jedoch längere Lieferzeiten für die Long-Range-Versionen des E-3008, E-5008 und ë-C5 Aircross ergeben.
Neben den Werken in Sochaux und Rennes ist auch das Stellantis-Werk in Mulhouse vom 15. bis 30. Oktober geschlossen. Hier liegen jedoch andere, vom Konzern nicht näher erläuterte industrielle Gründe vor.





