Die Grünen im Europaparlament zeigen sich bereit, einer umstrittenen Aufweichung des Verbrenner-Aus zuzustimmen. Diese Entscheidung ist an eine Bedingung geknüpft: Die Europäische Volkspartei (EVP) darf nicht mit rechtsextremen Fraktionen zusammenarbeiten. Dieser Schritt könnte weitreichende Folgen für die EU-Klimapolitik und die Zukunft der europäischen Autoindustrie haben.
Wichtige Punkte
- Grüne stimmen Verbrenner-Aufweichung unter Bedingung zu.
- EVP soll keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremen eingehen.
- EU-Kommission schlug Zulassung von Verbrennern nach 2035 vor.
- Grüne fordern Planungssicherheit für die Autoindustrie.
Ein überraschender Kurswechsel der Grünen
Die Grünen im Europaparlament, bekannt für ihre strikte Klimapolitik, haben eine bemerkenswerte Position bezogen. Sie würden dem Vorschlag der EU-Kommission zustimmen, der es ermöglicht, auch nach 2035 noch Verbrennungsmotoren in der EU zuzulassen. Dies steht im Gegensatz zu ihrer bisherigen Haltung, die ein vollständiges Aus für Verbrennungsmotoren vorsah.
Michael Bloss, der für die Grünen im Europaparlament das sogenannte „Autopaket“ verhandelt, betonte die zentrale Bedingung: „Es darf keine Zusammenarbeit, Chats oder Mehrheiten mit den drei extrem rechten Fraktionen im Europaparlament geben.“ Diese Forderung richtet sich direkt an die EVP, die in den letzten Wochen wegen angeblicher Kooperationen mit rechtsextremen Parteien in die Kritik geraten ist.
Hintergrund der Debatte
Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen hatte im Dezember einen Vorschlag unterbreitet, der eine Abkehr vom ursprünglich ausgehandelten Verbrenner-Aus darstellt. Dieser Vorschlag sieht vor, dass auch nach 2035 neue Autos mit Verbrennungsmotor zugelassen werden können, sofern sie ausschließlich mit klimaneutralen Kraftstoffen betrieben werden. Dies hatte bei Umweltschützern und Teilen der Industrie für große Kritik gesorgt.
Die Forderung nach politischer Stabilität
Bloss' Angebot an Manfred Weber, dem Vorsitzenden der EVP-Fraktion, zielt darauf ab, die demokratische Mitte zu stärken und weitere Abschwächungen beim Klimaschutz zu verhindern. „Wir bieten an, das Paket, so wie es vorgelegt worden ist, gemeinsam durchs Parlament und den Rat zu bringen“, erklärte Bloss. Dies soll Stabilität gewährleisten und eine gemeinsame Linie in der europäischen Politik fördern.
Die europäische Autoindustrie benötigt laut Bloss dringend Planungssicherheit. Unsicherheit bei den politischen Rahmenbedingungen könnte Investitionen bremsen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas gefährden. Bloss warnte eindringlich vor den Folgen einer Zusammenarbeit mit extrem rechten Parteien, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsplätze.
„Hunderttausende Arbeitsplätze und die Zukunft der europäischen Autoindustrie hängen an diesem Gesetz. Wer darüber mit der AfD verhandelt, spielt mit der Zukunft dieser Beschäftigten.“
Kritik an der EVP-Fraktion
Die EVP und ihr Vorsitzender Manfred Weber stehen seit einiger Zeit unter Beobachtung. Berichte deuten darauf hin, dass die EVP im Europäischen Parlament enger mit Vertreterinnen und Vertretern extremer rechter Parteien zusammengearbeitet hat als bisher bekannt. Eine gemeinsame Chatgruppe und ein persönliches Treffen zur Abstimmung eines Migrationsgesetzes wurden dabei genannt.
Diese Vorwürfe haben eine Debatte über die Integrität und die politischen Allianzen innerhalb des Europaparlaments ausgelöst. Die EVP ist derzeit die größte Fraktion und spielt eine entscheidende Rolle bei vielen Gesetzgebungsprozessen.
Faktencheck: Verbrenner-Aus
- Ursprünglicher Plan: Verbot des Verkaufs neuer Verbrenner-Fahrzeuge ab 2035.
- Neuer Vorschlag der Kommission: Zulassung von Verbrennern nach 2035, wenn sie ausschließlich mit e-Fuels betrieben werden.
- Die Grünen kritisierten diesen Vorschlag zunächst als „fatales Signal“.
Folgen für die Autoindustrie und den Klimaschutz
Die Diskussion um das Verbrenner-Aus hat weitreichende Implikationen für die europäische Automobilbranche. Eine klare politische Linie ist entscheidend für Investitionen in neue Technologien wie Batterien und Ladeinfrastruktur. Bloss kritisierte, dass die Unklarheit über die Zukunft des Verbrenners Investitionen blockiere und das Angebot bezahlbarer Elektroautos bremse.
Die europäische Autoindustrie fordert seit längerem eine Kurskorrektur bei den Klimazielen, um das Standortrisiko zu minimieren. Die Entscheidung der Grünen, unter bestimmten Umständen einer Aufweichung zuzustimmen, könnte als Versuch gewertet werden, einen Kompromiss zu finden, der sowohl Klimaschutz als auch industrielle Interessen berücksichtigt.
Zukunft der Mobilität in Europa
Die Debatte zeigt die Komplexität der europäischen Klimapolitik. Es geht nicht nur um Umweltziele, sondern auch um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Aspekte, wie den Erhalt von Arbeitsplätzen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die EVP auf das Angebot der Grünen eingeht und welche Auswirkungen dies auf die Zusammensetzung der Mehrheiten im Europaparlament haben wird.
Die Stärkung der demokratischen Mitte wird von vielen als entscheidend angesehen, um die Herausforderungen des Klimawandels und der industriellen Transformation zu meistern. Ein stabiler politischer Rahmen ist hierfür unerlässlich.




