BMW kündigt eine umfassende Neuausrichtung an, um die Profitabilität zu steigern. Das Unternehmen plant die Einführung eines vollelektrischen Einstiegsmodells für Europa bis 2028 und eine deutliche Reduzierung der Managementebenen. Diese Maßnahmen sollen die EBIT-Marge der Autosparte bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts auf 8 bis 10 Prozent bringen.
Wichtige Punkte
- BMW strebt bis 2028 eine EBIT-Marge von 3 bis 5 Prozent an, langfristig 8 bis 10 Prozent.
- Ein vollelektrisches Einstiegsmodell für Europa ist ab 2028 geplant.
- Der BMW 2er Active Tourer wird keinen Nachfolger erhalten.
- Die Zahl der Managementpositionen soll bis Mitte 2027 um 20 Prozent sinken.
- Schwäche auf dem chinesischen Markt ist ein Hauptproblem, Lokalisierung soll Abhilfe schaffen.
- KI-Agenten sollen interne Prozesse in nahezu allen Unternehmensbereichen beschleunigen.
Neuausrichtung für höhere Profitabilität
Der Münchner Automobilhersteller BMW hat auf seinem Capital Market Day eine weitreichende Strategie zur Steigerung der Profitabilität vorgestellt. Ziel ist es, die EBIT-Marge der Autosparte bis 2028 auf 3 bis 5 Prozent zu erhöhen. Langfristig, bis zum Beginn der 2030er Jahre, soll der Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent erreicht werden. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern lediglich mit einer Marge von 1 bis 3 Prozent, eine Prognose, die im Juni bereits von 4 bis 6 Prozent gesenkt wurde.
Milan Nedeljković, Mitglied des Vorstands, betonte die Dringlichkeit der Situation. Er erklärte, dass BMW „erste Maßnahmen zur Neupositionierung definiert“ habe und diese „mit hohem Tempo“ umsetzen werde. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Vereinfachung des Modellprogramms. Die Anzahl der Modellvarianten soll reduziert werden, um sich auf margenstarke Fahrzeuge zu konzentrieren.
Faktencheck: Margenziele
- Aktuelle Prognose (2024): 1 bis 3 Prozent EBIT-Marge
- Mittelfristiges Ziel (2028): 3 bis 5 Prozent EBIT-Marge
- Langfristiges Ziel (Anfang 2030er): 8 bis 10 Prozent EBIT-Marge
Modellportfolio und Managementstrukturen werden gestrafft
Die Straffung des Modellprogramms fordert bereits erste Opfer. Der BMW 2er Active Tourer wird keinen Nachfolger erhalten und nach dem Auslaufen der aktuellen Generation eingestellt. Dieser kompakte Van war in Europa ein beliebtes Familienfahrzeug. Kunden könnten künftig auf den BMW X1, größere SUV-Modelle oder technisch verwandte Fahrzeuge der Marke MINI ausweichen. BMW hat noch nicht bekannt gegeben, welche weiteren Modelle oder Karosserievarianten möglicherweise gestrichen werden.
Parallel zur Modellbereinigung plant BMW eine umfassende Umstrukturierung seiner Managementebenen. Die Anzahl der Bereiche und der zugehörigen Führungspositionen soll bis Mitte 2027 um 20 Prozent reduziert werden. Eine ähnliche Reduzierung ist auch auf nachgelagerten Organisationsebenen vorgesehen. Konkrete Zahlen zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion wurden jedoch nicht genannt.
„Wir haben erste Maßnahmen zur Neupositionierung definiert und werden diese mit hohem Tempo umsetzen.“
Herausforderung China und Lokalisierungsstrategie
Ein wesentlicher Faktor für die aktuelle Ergebnisschwäche ist die anhaltende Schwäche auf dem chinesischen Markt. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Auslieferungen von BMW in China um 20,4 Prozent, nachdem bereits 2025 ein Rückgang von 12,5 Prozent verzeichnet wurde. Chinesische Hersteller wie BYD, Xiaomi und Nio üben mit vergleichbarer Technologie zu niedrigeren Preisen zunehmend Druck auf europäische Premiummarken aus.
Obwohl sich die Märkte in Europa und den USA positiv entwickelten, konnten sie den Einbruch in China nicht vollständig kompensieren. BMW reagiert darauf mit einer verstärkten Lokalisierungsstrategie. Bis 2030 sollen mindestens 95 Prozent der in China verkauften Fahrzeuge auch dort gefertigt werden. Aktuell liegt dieser Anteil knapp unter 90 Prozent. Der verstärkte Einsatz lokal beschaffter Bauteile soll die Teilekosten laut Analystenschätzungen um 20 bis 30 Prozent senken. Zukünftig sollen vorrangig margenstarke Modelle importiert werden. Zudem prüft BMW den Export von in China gefertigten Fahrzeugen nach Südostasien.
Hintergrund: Der chinesische Automarkt
China ist der größte Automarkt der Welt und entscheidend für den Erfolg vieler internationaler Hersteller. Die starke Konkurrenz durch lokale Marken, insbesondere im Bereich der Elektrofahrzeuge, zwingt etablierte westliche Unternehmen zu strategischen Anpassungen.
Neue Modelle und Elektromobilität im Fokus
Neben der Konsolidierung setzt BMW auch auf die Einführung neuer Modelle. Für den US-Markt ist ein Sports Activity Vehicle oberhalb des BMW X7 geplant. Im Jahr 2027 wird das erste Modell der Marke BMW ALPINA erscheinen. Besonders relevant für den europäischen Markt ist die Ankündigung eines vollelektrischen Einstiegsmodells auf Basis der Neuen Klasse, das für 2028 geplant ist. Dieses Modell soll das Kompaktsegment zusammen mit der Elektropalette von MINI stärken und zur Verbesserung der CO₂-Bilanz der Flotte in der EU beitragen.
Details wie Modellname, Maße, Preis und konkretes Produktionswerk wurden noch nicht genannt. Als mögliche Fertigungsstandorte werden die Werke in Regensburg und München gehandelt, da beide auf die Produktion von Neue-Klasse-Modellen vorbereitet werden.
KI-Agenten und Vertriebsstrategie
BMW plant den Einsatz sogenannter agentischer KI in nahezu allen Unternehmensbereichen. Dabei handelt es sich nicht um einfache Chatbots, sondern um spezialisierte Software-Agenten, die eigenständig Arbeitsschritte planen, Daten aus verschiedenen Systemen nutzen und komplexe Prozesse über mehrere Stationen hinweg ausführen können. In der Fahrzeugentwicklung sollen sie technische Anforderungen analysieren und Tests anstoßen. Im Einkauf könnten sie Ausschreibungen und Lieferantenangebote vergleichen, während in der Produktion Sensor- und Bilddaten in Echtzeit ausgewertet werden sollen.
Für Crashsimulationen kooperiert BMW mit Mistral AI an sogenannten Large Industry Models, die auf branchenspezifischen Sicherheitsdaten trainiert werden. Der Konzern verfügt nach eigenen Angaben über mehr als ein Petabyte an historischen Crashsimulationsdaten.
Im Vertrieb plant BMW für Europa ab Mitte 2027 die Umstellung auf ein Agenturmodell. Bei diesem Modell übernimmt der Hersteller eine stärkere Kontrolle über Preise und die direkte Kundenschnittstelle. In China soll mit dem chinesischen iX3 ein von Momenta entwickeltes L2++-Fahrerassistenzsystem eingeführt werden.
BMW und KI
- Einsatz von agentischer KI in nahezu allen Unternehmensbereichen.
- Zusammenarbeit mit Mistral AI für Large Industry Models in Crashsimulationen.
- Über 1 Petabyte historische Crashsimulationsdaten vorhanden.
Investitionen und Ausblick
Die Erreichung des 2028er Margenziels hängt maßgeblich davon ab, wie schnell BMW seine Verluste in China begrenzen und die Produktion der Neuen Klasse in ausreichenden Stückzahlen hochfahren kann. Die Rückkehr zur langfristigen Marge von 8 bis 10 Prozent zu Beginn der 2030er Jahre setzt darüber hinaus dauerhaft höhere Preise, eine bessere Auslastung der Produktionskapazitäten und eine nachhaltige Stabilisierung des chinesischen Marktes voraus.
BMW investiert rund 2 Milliarden Euro in deutsche Produktionsanlagen, darunter etwa 1 Milliarde Euro für ein Batteriewerk. Im Wettbewerb mit Mercedes-Benz, Volkswagen, Tesla und chinesischen Herstellern setzt BMW auf eine Kombination aus Premiumpreisen, regionaler Flexibilität und einer breiteren Antriebsstrategie, die sowohl Elektrofahrzeuge als auch Verbrenner umfasst, um verschiedene Marktbedürfnisse zu bedienen.





