Der deutsche Automobilhersteller Audi hat seine Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert. Trotz einer leichten Steigerung des operativen Ergebnisses im ersten Halbjahr 2026 belasten vor allem das schwache China-Geschäft und US-Zölle die Gesamtbilanz. Die Umsatzziele wurden um bis zu fünf Milliarden Euro reduziert.
Wichtige Erkenntnisse
- Audi erwartet nun einen Jahresumsatz von 58 bis 63 Milliarden Euro, statt der ursprünglich geplanten 63 bis 68 Milliarden Euro.
- Die operative Marge wird von 6-8 Prozent auf 5-7 Prozent gesenkt.
- Auslieferungen in China sanken um 19 Prozent, der Finanzbeitrag brach um 74 Prozent ein.
- In Deutschland stieg die Nachfrage nach Elektroautos um 23 Prozent, Plug-in-Hybride legten um 147 Prozent zu.
- Audi plant strukturelle Anpassungen und setzt auf neue Modelle wie den Q9 SUV und den A2 e-tron.
Umsatz und Marge unter Druck
Audi hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von 32,573 auf 29,177 Milliarden Euro verzeichnet. Dies entspricht einem Minus von gut zehn Prozent. Trotzdem konnte das operative Ergebnis leicht von 1,087 auf 1,122 Millionen Euro gesteigert werden.
Die operative Umsatzrendite verbesserte sich von 3,3 auf 3,8 Prozent. Gründe hierfür waren eine strikte Kostendisziplin, geringere Rückstellungen für die CO₂-Regulierung und rückläufige Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen.
Zahlen im Überblick
- Konzernumsatz: Von 32,573 Mrd. Euro auf 29,177 Mrd. Euro (-10,4%)
- Operatives Ergebnis: Von 1,087 Mrd. Euro auf 1,122 Mrd. Euro (+3,2%)
- Operative Umsatzrendite: Von 3,3% auf 3,8%
- Netto-Cashflow: Von 904 Mio. Euro auf 1,885 Mrd. Euro (+108,5%)
Der Netto-Cashflow zeigte einen deutlichen Anstieg von 904 Millionen Euro auf 1,885 Milliarden Euro. Dies ist primär auf eine positive Entwicklung des Working Capitals zurückzuführen. Der Vorjahreswert war durch den Erwerb von Anteilen an der Sauber Holding AG belastet.
China-Geschäft bricht ein
Die größten Herausforderungen für Audi liegen in China und Nordamerika. Weltweit lieferte Audi 727.245 Fahrzeuge aus, was einem Rückgang von etwa 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (783.531 Fahrzeuge) entspricht.
In China, einschließlich Hongkong, sanken die Auslieferungen um rund 19 Prozent auf 232.227 Fahrzeuge. Der Finanzbeitrag aus dem China-Geschäft brach sogar von 279 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro ein, ein massives Minus von 74 Prozent.
„Ohne China lagen die weltweiten Auslieferungen nahezu auf Vorjahresniveau“, betonte Audi in seiner Halbjahresmeldung.
Audi nennt den intensiven Wettbewerb mit lokalen Herstellern, geringere Erlöse aus dem Teilegeschäft für die lokale Produktion und geopolitische Unsicherheiten als Gründe für diese Entwicklung. Auch in Nordamerika gingen die Auslieferungen um knapp 17 Prozent auf 82.187 Fahrzeuge zurück, hier belasten insbesondere US-Zölle das Geschäft.
Starkes Wachstum in Europa, besonders bei E-Autos
Abseits der Problemregionen China und Nordamerika zeigte sich in Europa ein positiver Trend. In Deutschland stiegen die Auslieferungen um gut 4 Prozent auf rund 108.000 Fahrzeuge. Europa ohne Deutschland verzeichnete ein Plus von knapp 6 Prozent.
Besonders erfreulich entwickelte sich die Nachfrage in Südeuropa: Spanien verzeichnete ein Plus von 21 Prozent, Italien von 17 Prozent und Großbritannien von 10 Prozent. Dies zeigt, dass die Marke Audi in vielen europäischen Märkten weiterhin stark ist.
E-Mobilität auf dem Vormarsch
Die Elektromobilität spielt eine immer größere Rolle. In Deutschland stiegen die Auslieferungen batterieelektrischer Modelle um 23 Prozent auf mehr als 25.000 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden legte die Nachfrage sogar um 147 Prozent zu. Auch in Westeuropa verzeichnete Audi ein Auftragsplus von 7 Prozent, bei PHEV-Modellen sogar von 117 Prozent.
Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Akzeptanz von Elektro- und Hybridfahrzeugen auf dem deutschen und westeuropäischen Markt. Audi reagiert auf diese Entwicklung mit der Einführung neuer elektrifizierter Modelle.
Neue Modelle und strategische Neuausrichtung
Audi plant die Einführung neuer Modelle, um das Produktportfolio zu stärken und auf spezifische Märkte zuzuschneiden. Der neue Audi A2 e-tron wird im Herbst 2026 als batterieelektrisches Einstiegsmodell vorgestellt. Dieses Modell soll den Zugang zur Elektromobilität für eine breitere Kundenschicht erleichtern.
Für den US-Markt ist das Full-Size-SUV Audi Q9 vorgesehen, das im vierten Quartal 2026 nach Nordamerika und Europa kommen soll. Dieses Fahrzeug ist speziell auf die Präferenzen amerikanischer Kunden zugeschnitten und soll dort die Marktposition stärken.
Jürgen Rittersberger, Finanzvorstand von Audi, betonte die Notwendigkeit einer Neuausrichtung: „Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen wir gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern unser Geschäftsmodell neu ausrichten und weitreichende strukturelle Verbesserungen realisieren.“
Herausforderungen an den deutschen Standorten
Die geopolitischen Rahmenbedingungen erhöhen den Handlungsdruck auf Audi. Im Werk Neckarsulm wurde die Produktionskapazität bereits auf 225.000 Fahrzeuge pro Jahr reduziert, was etwa 75.000 Fahrzeuge weniger sind als in früheren Jahren. Berichte über eine mögliche Schließung des Werks nach 2030 sorgten für Unruhe unter den Beschäftigten.
Der Audi-Betriebsrat fordert die konsequente Umsetzung der bestehenden Zukunftsvereinbarung, die eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 vorsieht. Knapp 3200 Beschäftigte in Neckarsulm und rund 800 Gewerkschafter der IG Metall protestierten gegen mögliche Sparpläne.
Der Betriebsrat in Ingolstadt erklärte seine Solidarität:
„Neckarsulm ist Teil der Audi-DNA – darüber wird nicht verhandelt.“Gleichzeitig positioniert sich Neckarsulm als künftiges Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Konkrete Entscheidungen zu einzelnen Standorten wurden nach der jüngsten VW-Aufsichtsratssitzung nicht bekannt.
Trotz der herausfordernden Gesamtlage gibt es Signale der Hoffnung für den Standort Neckarsulm, eine unmittelbare Schließung scheint abgewendet. Ob das stärkere Platform-Sharing innerhalb des VW-Konzerns, der Ausbau margenstarker Premium-E-Segmente und neue digitale Geschäftsmodelle den Konzern widerstandsfähiger machen, wird sich in der zweiten Jahreshälfte zeigen.





