Volkswagen und Audi starten in Deutschland einen umfassenden Rückruf. Fast eine Million Fahrzeuge müssen wegen einer potenziell korrodierenden Befestigungsschraube am Lenkgetriebe in die Werkstätten. Weltweit sind sogar fast drei Millionen Fahrzeuge betroffen. Im schlimmsten Fall könnte dies zum Verlust der Lenkfähigkeit führen.
Wichtige Punkte
- Rückruf betrifft 954.000 Fahrzeuge in Deutschland (VW und Audi).
- Weltweit sind rund 2,86 Millionen Fahrzeuge betroffen.
- Ursache ist eine korrosionsanfällige Schraube am Lenkgetriebe.
- Im Extremfall kann die Lenkung ausfallen.
- Reparatur ist kostenlos und dauert etwa eine Stunde.
Umfang des Rückrufs und betroffene Modelle
Der Rückruf betrifft in Deutschland genau 954.387 Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Audi. Dies hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am 22. September 2026 bekannt gegeben. Die Maßnahme ist eine Vorsichtsmaßnahme, um die Sicherheit der Fahrzeuge zu gewährleisten.
Bei Volkswagen sind die Modelle Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy betroffen. Diese Fahrzeuge wurden zwischen dem 24. September 2013 und dem 1. Juli 2024 produziert. Allein in Deutschland handelt es sich um 895.832 Fahrzeuge dieser Modelle.
Audi ruft den Q3 zurück. Die betroffenen Fahrzeuge wurden zwischen dem 31. Oktober 2017 und dem 23. Mai 2024 hergestellt. Für Audi sind in Deutschland 58.555 Q3-Modelle Teil des Rückrufs.
Fakten im Überblick
- Gesamtzahl Deutschland: 954.387 Fahrzeuge
- Volkswagen Modelle: Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran, Caddy
- Audi Modell: Q3
- Produktionszeitraum VW: 24.09.2013 bis 01.07.2024
- Produktionszeitraum Audi: 31.10.2017 bis 23.05.2024
Die technische Ursache: Eine korrodierende Schraube
Die zentrale Ursache für den Rückruf ist eine spezielle Befestigungsschraube. Diese Schraube verbindet die Zahnstangenlenkung mit dem Vorderachsträger des Fahrzeugs. Sie ist die rechte der beiden Befestigungsschrauben.
Über die Lebensdauer eines Fahrzeugs kann Feuchtigkeit in den Bereich dieser Schraube eindringen. In Kombination mit Sauerstoff und Streusalzrückständen, die besonders im Winter auf den Straßen zu finden sind, kann sich an dieser Schraube Korrosion bilden. Diese Korrosion schwächt das Metall der Schraube.
Unter wiederholter hoher Belastung, wie sie beispielsweise beim langsamen Rangieren oder Einparken auftritt, kann der geschwächte Schraubenkopf abreißen. Dies führt nicht sofort zu einem vollständigen Ausfall der Lenkung, da das Lenkgetriebe noch an einem zweiten Punkt befestigt ist. Besteht die Belastung jedoch fort, kann auch das Gehäuse des Lenkgetriebes brechen, was zum vollständigen Verlust der Lenkfähigkeit führen würde.
„Im schlimmsten Fall kann die Lenkfähigkeit verloren gehen“, heißt es in den Mitteilungen zum Rückruf.
Mögliche Warnzeichen und Verhalten im Notfall
Weder das KBA noch die Hersteller nennen eindeutige, allgemeingültige Vorwarnzeichen. Es gibt jedoch theoretische Anzeichen, auf die Fahrer achten sollten. Dazu gehören ein ungewöhnliches Spiel in der Lenkung, ein verändertes Lenkgefühl oder Knack- und Schlaggeräusche aus dem Bereich der Vorderachse.
Sollten solche Symptome auftreten, ist es ratsam, das Fahrzeug nicht weiter zu bewegen. Stattdessen sollte es von einer Fachwerkstatt überprüft oder abgeschleppt werden. Die Sicherheit hat hier oberste Priorität.
Hintergrundinformationen
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ist die zentrale Behörde in Deutschland für Genehmigungen im Straßenverkehr. Es ist auch für die Überwachung von Rückrufen zuständig, um die Sicherheit der Fahrzeuge auf deutschen Straßen zu gewährleisten. Die Referenznummern für diese Aktionen sind 17016R für Volkswagen und 17014R für Audi.
Die Reparatur: Eine korrosionsbeständigere Lösung
In der Werkstatt wird die anfällige Schraube durch eine korrosionsresistentere Variante ersetzt. Für den parallel laufenden Rückruf in den USA beschreibt Volkswagen eine Schraube mit einer hoch korrosionsbeständigen Polymerbeschichtung. Ob genau dieselbe Ausführung auch in Deutschland zum Einsatz kommt, ist den KBA-Unterlagen nicht eindeutig zu entnehmen.
Konkrete technische Spezifikationen wie Werkstoff, Festigkeitsklasse oder Anzugsdrehmoment wurden für den deutschen Markt bisher nicht öffentlich genannt. Die Reparatur selbst dauert Medienberichten zufolge etwas mehr als eine Stunde und ist für die Fahrzeughalter kostenlos.
Volkswagen schätzt, dass nur bei etwa einem Prozent der einbestellten Fahrzeuge die Schraube bereits in gefährlicher Weise korrodiert sein dürfte. Die hohe Anzahl der zurückgerufenen Fahrzeuge erklärt sich durch die vorsorgliche Erfassung aller Fahrzeuge mit einer bestimmten Bauteil- und Produktionskonstellation. Bislang sind im Zusammenhang mit dem deutschen Rückruf keine Sach- oder Personenschäden bekannt.
Was betroffene Halter jetzt tun müssen
Grundsätzlich dürfen die betroffenen Fahrzeuge bis zum Werkstatttermin weiter bewegt werden. Dennoch empfiehlt Volkswagen, zeitnah einen Termin in einer Fachwerkstatt zu vereinbaren. Es wird auch geraten, unnötige Fahrten zu vermeiden und die Lenkung nicht durch häufiges Rangieren oder enge Wendemanöver übermäßig zu belasten.
Betroffene Halter werden in der Regel direkt vom Hersteller angeschrieben. Volkswagen und Audi nutzen dafür die Halteranschriften aus dem Zentralen Fahrzeugregister des KBA. Es kann jedoch zu Problemen kommen, wenn die Adresse im Register veraltet ist, das Fahrzeug verkauft, aber noch nicht umgemeldet wurde, oder wenn es sich um ein Importfahrzeug handelt.
So prüfen Sie Ihr Fahrzeug selbst
Falls Sie kein Schreiben erhalten, aber ein potenziell betroffenes Modell besitzen, sollten Sie selbst aktiv werden. Entscheidend für die Prüfung ist die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Diese finden Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld E. Oft ist sie auch durch die Windschutzscheibe sichtbar. Modell, Baujahr oder Erstzulassung reichen für eine eindeutige Identifizierung nicht aus.
- VW-Halter: Kontaktieren Sie die Volkswagen-Kundenbetreuung unter 0800 8655792436 (Rückrufcode 48VS).
- Audi-Q3-Halter: Kontaktieren Sie Audi unter 0800 28 347 378 423 (Rückrufcode 48LG).
- Alternativ kann jede autorisierte Vertragswerkstatt die FIN prüfen und einen Termin vereinbaren.
Bei Gebraucht- oder Importfahrzeugen sowie nach Halterwechseln bleibt die FIN unverändert. Verkäufer sollten neue Besitzer über einen offenen Rückruf informieren. Eine Nichtteilnahme an einem sicherheitsrelevanten Rückruf kann Konsequenzen haben. Das KBA kann die Zulassungsbehörde informieren, die eine Betriebsuntersagung aussprechen kann. Bei einem Unfall könnte die unterlassene Teilnahme zudem für Haftungs- und Versicherungsfragen relevant werden.





