Der ADAC hat in einem umfangreichen Wintertest 14 familientaugliche Elektroautos auf ihre Langstreckentauglichkeit bei kalten Temperaturen und hohen Geschwindigkeiten geprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass moderne E-Autos auch unter diesen anspruchsvollen Bedingungen gute Leistungen erbringen, aber der Stromverbrauch deutlich über den WLTP-Angaben liegt.
Wichtige Erkenntnisse
- Moderne E-Autos sind wintertauglich für Langstrecken.
- Der Verbrauch steigt im Winter um durchschnittlich 57 Prozent über WLTP.
- Audi A6 Avant e-tron und Tesla Model Y führen das Feld an.
- 800-Volt-Systeme bieten oft höhere Ladeleistungen.
- SUVs verbrauchen im Allgemeinen mehr Strom als Kombis.
Herausforderung Winter: München nach Berlin
Der ADAC simulierte im Testlabor Elektromobilität in Landsberg am Lech eine 582 Kilometer lange Autobahnfahrt von München nach Berlin. Die Prüfstandstemperatur wurde auf 0 Grad Celsius eingestellt, um realistische Winterbedingungen abzubilden. Die reine Fahrzeit betrug 5 Stunden und 15 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h entspricht.
Die Heizung im Innenraum war so eingestellt, dass sie auf Kopfhöhe des Fahrers konstant zwischen 20 und 23 Grad Celsius hielt. Dies ist ein wichtiger Faktor, da die Heizleistung bei Elektroautos den Verbrauch stark beeinflusst.
Faktencheck Wintertest
- Strecke: München Hbf nach Berlin Hbf (582 km)
- Temperatur: 0° C
- Durchschnittsgeschwindigkeit: 111 km/h
- Heizung: 20-23° C im Innenraum
- Testfeld: 14 familientaugliche Elektroautos
Das Testfeld: Familienfreundliche E-Autos
Für den Test wählte der ADAC 14 Elektroautos aus, die im Kriterium „Familie“ mindestens die Note „befriedigend“ erreichten und eine WLTP-Reichweite von mindestens 500 Kilometern aufweisen. Das Preisspektrum reichte dabei von etwa 43.900 Euro für den Skoda Elroq bis zu 86.811 Euro für den Mercedes-Benz EQE SUV 350+.
Im Testfeld waren Modelle wie der Audi A6 Avant e-tron, der BMW i5 Touring, der Hyundai Ioniq 5, das Tesla Model Y und der VW ID.7 Tourer vertreten. Diese Auswahl zeigt die wachsende Vielfalt an alltags- und familientauglichen Elektroautos auf dem Markt.
Ablauf des Tests und Ladeverhalten
Die Fahrzeuge starteten mit einem zu 100 Prozent geladenen Akku. Eine Akkuheizung wurde zu Beginn nicht aktiviert, um einen typischen Kaltstart zu simulieren. Geladen wurde erst, wenn das Fahrzeug die Geschwindigkeit von 130 km/h nicht mehr halten konnte.
Anschließend wurde an einem 300 kW Lader für 20 Minuten nachgeladen, um die in dieser Zeit aufgenommene Energiemenge zu messen. Diese Methode weicht von der Praxis ab, wo Fahrer Ladestopps oft schon bei einem Batteriestand von etwa 10 Prozent planen.
„Die Batteriekonditionierung blieb im ADAC-Test abgeschaltet, um die Reichweite nicht zu beeinträchtigen. Der ADAC argumentiert, dass die Batterien von der Fahrt ohnehin bereits warm genug seien.“
WLTP-Messung vs. Realität
Der WLTP-Zyklus ermittelt Verbrauchs- und Reichweitenwerte bei 23° C und einem Fahrprofil mit geringem Autobahnanteil. Der ADAC-Wintertest bei 0° C und hohem Autobahnanteil zeigt, wie stark die realen Werte davon abweichen können. Der durchschnittliche Mehrverbrauch lag bei 57 Prozent.
Die besten und schlechtesten Ergebnisse
Der Audi A6 Avant e-tron schnitt im Gesamtergebnis am besten ab und erhielt die Note „gut“. Er erreichte eine sehr gute Reichweite von 441 Kilometern bei einem Verbrauch von 23,2 kWh/100 km. In 20 Minuten konnte er Strom für beeindruckende 300 Kilometer nachladen.
Dicht gefolgt wurde der Audi vom Tesla Model Y, das ebenfalls mit „gut“ bewertet wurde. Das Tesla Model Y zeigte sich mit nur 22,2 kWh/100 km als das effizienteste Elektroauto im Test, trotz Allradantrieb. Es hatte zudem die geringste Abweichung zum WLTP-Verbrauch mit 40 Prozent.
Im Mittelfeld platzierten sich zehn weitere Fahrzeuge mit der Gesamtnote „befriedigend“. Lediglich der Volvo EX90 und der BYD Sealion 7 erhielten ein „ausreichend“ aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs. Der BYD Sealion 7 verbrauchte sogar 35,3 kWh/100 km.
Preis-Leistung und Effizienz
Beim Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugte der Skoda Elroq. Er bietet fast die gleiche Langstreckenleistung und Platz wie ein Porsche Macan, jedoch zum halben Preis.
Der Test belegt, dass höhere Preise nicht zwingend eine bessere Leistung bedeuten. Auch günstigere Modelle können im Wintertest überzeugen.
Ladeleistung und 800-Volt-Systeme
Es zeigte sich, dass Elektroautos mit einer 800-Volt-Architektur in der Regel eine höhere Ladeleistung bieten. Der Audi A6 Avant e-tron (800 Volt) und der Smart #5 (800 Volt) luden in 20 Minuten Strom für 300 km bzw. 264 km nach.
Eine Ausnahme bildet der VW ID.7 Tourer Pro, ein 400-Volt-Auto, das in 20 Minuten ebenfalls Strom für über 200 Kilometer nachladen konnte. Dies zeigt, dass auch 400-Volt-Systeme durch gute Ingenieursleistung konkurrenzfähig sein können.
Fazit des ADAC: Wintertauglichkeit und Verbrauchsabweichungen
Der ADAC-Test bestätigt, dass moderne Elektroautos grundsätzlich für Langstreckenfahrten im Winter geeignet sind. Die Skepsis bezüglich Reichweite und Ladeleistung wird durch die Testergebnisse weitgehend entkräftet.
Allerdings weichen die tatsächlichen Verbräuche bei 0° C und Autobahntempo erheblich von den WLTP-Angaben ab. Im Durchschnitt lag der Mehrverbrauch bei 57 Prozent. Der Hyundai Ioniq 5 zeigte mit 69 Prozent die stärkste Abweichung, während das Tesla Model Y mit 40 Prozent am besten abschnitt.
Der ADAC fordert daher eine zusätzliche Verbrauchsangabe, die die Leistung außerhalb des Schönwetterbereichs abbildet, um Verbrauchern eine realistischere Einschätzung zu ermöglichen.
Verbrauch im Winter vs. WLTP
- Durchschnittlicher Mehrverbrauch: 57 %
- Höchste Abweichung: Hyundai Ioniq 5 (69 %)
- Geringste Abweichung: Tesla Model Y (40 %)
SUV vs. Kombi: Ein alter Hut bleibt aktuell
Ein weiteres Ergebnis des Tests bestätigt eine physikalische Grundregel: Kombis verbrauchen weiterhin weniger Energie als SUVs. Modelle wie der BYD Sealion 7, Mercedes-Benz EQE SUV und Volvo EX90 überschritten die Marke von 30 kWh pro 100 km deutlich, was auf ihren höheren Luftwiderstand und ihr Gewicht zurückzuführen ist.
Insgesamt zeigt der Test, dass die Entwicklung von Elektroautos stetig voranschreitet. Zukünftige Modelle mit 800-Volt-Technologie versprechen weitere Verbesserungen bei Ladezeiten und Effizienz.





