Die Motorradwelt blickt gespannt auf das Jahr 2026. Hersteller präsentieren eine Vielzahl neuer Modelle, die von Einsteiger-Enduros bis zu leistungsstarken Superbikes reichen. Fachmessen wie die Eicma in Mailand und die Intermot in Köln gaben erste Einblicke in die kommenden Trends und Innovationen. Besonders auffällig ist die Rückkehr etablierter Marken mit frischen Konzepten sowie der Aufstieg chinesischer Hersteller.
Wichtige Erkenntnisse
- BMW setzt mit der F 450 GS auf die A2-Einsteigerklasse.
- Chinesische Hersteller wie CFMoto drängen mit hochwertigen Modellen auf den Markt.
- Ducati überarbeitet die Monster und Hypermotard V2 mit neuen Motoren und Monocoque-Chassis.
- KTM präsentiert die 990 RC R als Sportmotorrad und die 1390 Super Adventure R als Flaggschiff-Reiseenduro.
- Norton kehrt mit dem PS-starken Superbike Manx R zurück.
- Royal Enfield bleibt dem Retro-Stil treu und legt die Bullet 650 neu auf.
- Suzuki überrascht mit dem Crossover-Bike SV-7 GX, das einen bewährten V2-Motor nutzt.
BMW F 450 GS: Der Einstieg in die Abenteuerwelt
BMW Motorrad erweitert sein Enduro-Angebot mit der neuen F 450 GS. Dieses Modell zielt auf die beliebte A2-Führerscheinklasse ab und soll an den Erfolg der größeren GS-Modelle anknüpfen. Optisch orientiert sich die F 450 GS stark an der R 1300 GS und bringt ein modernes Erscheinungsbild mit.
Angetrieben wird die kleine GS von einem neuen 420-cm³-Reihenzweizylinder-Motor. Dieser Motor leistet exakt 48 PS, was dem A2-Limit entspricht. Das Leergewicht beträgt 178 kg. BMW stattet die F 450 GS mit einer für diese Klasse umfangreichen Assistenzsysteme aus, darunter Kurven-ABS und ein 6,5-Zoll-TFT-Display.
Faktencheck BMW F 450 GS
- Motor: 420 cm³ Reihenzweizylinder
- Leistung: 48 PS
- Leergewicht: 178 kg
- Preis: Ab 7.220 Euro
Für Offroad-Enthusiasten sind Kreuzspeichenräder optional erhältlich, kosten aber 1.082 Euro Aufpreis. Trotzdem bleibt es bei einem 19-Zoll-Vorderrad, während viele Enduristen einen 21-Zöller bevorzugen.
CFMoto 1000 MT-X: Chinesische Power im Enduro-Segment
Der chinesische Hersteller CFMoto zeigt eine beeindruckende Produktentwicklung. Nach der 800er-Version folgt nun die 1000 MT-X als Reiseenduro für das kommende Jahr. Ihr Rally-Design bleibt modern und spricht viele Motorradfahrer an.
Der V2-Motor, ursprünglich von KTM entwickelt, wurde auf 946 cm³ vergrößert. Er leistet in der CFMoto 113 PS und bietet ein Drehmoment von 105 Nm. Mit einem Leergewicht von 222 kg liegt die 1000 MT-X im akzeptablen Bereich für eine Reiseenduro. Das Fahrwerk stammt von KYB und bietet mit 230 mm Federweg vorn und hinten gute Offroad-Eigenschaften. Die Sitzhöhe von 870 mm ist jedoch beachtlich.
Hintergrund: Chinesische Motorradhersteller
Chinesische Motorradhersteller wie CFMoto haben in den letzten Jahren erheblich an Qualität und Innovation gewonnen. Sie bieten zunehmend wettbewerbsfähige Modelle an, die oft mit attraktiven Preisen punkten und eine breite Palette von Segmenten abdecken, von Naked Bikes bis zu Reiseenduros.
CFMoto stattet die 1000 MT-X serienmäßig mit einer umfangreichen Ausstattung aus. Der genaue Preis ist noch nicht bekannt, wird aber voraussichtlich unter 10.000 Euro liegen.
Ducati: Tradition trifft Innovation bei Monster und Hypermotard
Ducati überarbeitet zwei seiner ikonischen Modelle: die Monster und die Hypermotard V2. Die Monster, lange Zeit das meistverkaufte Modell der Marke, soll mit der komplett überarbeiteten Version an frühere Erfolge anknüpfen.
Die neue Monster erhält den 890-cm³-V2-Motor mit variabler Ventilsteuerung aus der Panigale V2. Dieser Motor ist 5,9 kg leichter und kostengünstiger in der Herstellung, obwohl er auf die traditionelle Desmodromik verzichtet. Die Leistung bleibt bei 111 PS, bei einem Leergewicht von nur 175 kg. Optisch bleibt sie mit dem markanten Tank und der runden Heckabdeckung sofort als Monster erkennbar, verfügt aber nun über eine Monocoque-Struktur anstelle des Gitterrohrrahmens. Die neue Monster startet bei 12.890 Euro.
Ducati Hypermotard V2: Fahrspaß für Driftspezialisten
Die Hypermotard V2 wurde für 2026 komplett neu konstruiert und bleibt eine der wenigen Supermotos auf dem Markt. Auch sie setzt auf eine Monocoque-Konstruktion statt eines Stahl-Gitterrohrrahmens.
Der 890-cm³-V2-Motor leistet 120 PS, sechs PS mehr als der bisherige 937-cm³-Motor. Lange Federwege der KYB-Fahrwerkskomponenten und ein geringes Trockengewicht von 180 kg (13 kg weniger als das Vorgängermodell) sind charakteristisch für diese Supermoto. Die SP-Variante mit Öhlins-Fahrwerk wiegt sogar nur 177 kg trocken. Die Hypermotard V2 beginnt bei 15.690 Euro, die SP-Version bei 19.990 Euro.
Kawasaki KLE 500: Die Einsteiger-Enduro mit großem Auftritt
Kawasaki präsentiert die KLE 500, eine Enduro, die optisch mehr Hubraum suggeriert, als sie tatsächlich besitzt. Hinter der Rally-Verkleidung arbeitet der bewährte 451-cm³-Reihenzweizylinder mit 45 PS.
Die KLE 500 ist für Geländeeinsätze gut gerüstet, mit 210 mm Federweg vorn und 200 mm hinten. Ein 21-Zoll-Vorderrad und Endurobereifung unterstreichen diesen Anspruch. Trotz ihres sportlichen Rally-Looks und dem dreifach verstellbaren Windschild ist das Leergewicht von 195 kg ein Faktor. Der günstige Preis von 6.495 Euro für die Basisversion und 7.295 Euro für die besser ausgestattete SE-Version könnte sie in der A2-Einsteigerklasse sehr attraktiv machen.
KTM: Sportlichkeit und Abenteuer neu definiert
KTM kehrt mit einem vollverkleideten Sportmotorrad, der 990 RC R, zurück ins Programm. Die Winglets verleihen ihr ein sportliches Aussehen. Mit 130 PS bei 9.500 U/min legt sie den Fokus nicht nur auf maximale Spitzenleistung, sondern auch auf Landstraßentauglichkeit.
Der Reihenzweizylinder-Motor mit 947 cm³ Hubraum liefert 103 Nm Drehmoment bereits bei 6.750 U/min. Mit einem fast vollen 15,7-Liter-Tank wiegt sie 195 kg. Das Fahrwerk von WP ist vollständig einstellbar. KTM stattet die 990 RC R mit einem umfassenden Elektronikpaket aus, inklusive Kurven-ABS und Launch-Control. Ein neues 8,8-Zoll-TFT-Display mit Touchscreen-Funktion feiert Premiere. Die 990 RC R ist ab 15.490 Euro erhältlich.
KTM 1390 Super Adventure R: Das Reise-Flaggschiff
Nach einer einjährigen Verzögerung präsentiert KTM stolz die 1390 Super Adventure R. Dieses Reise-Flaggschiff bietet beeindruckende 173 PS, die selbst auf der Straße eine ausgeklügelte Elektronik erfordern.
Mit 240 mm Federweg vorn und hinten ist sie auch für Geländeeinsätze konzipiert. Der 1350 cm³ große V2-Motor liefert 145 Nm Drehmoment und hat keine Probleme mit dem 248 kg schweren Motorrad bei vollem 23-Liter-Tank. Die R-Version mit einer Sitzhöhe von 88 cm ist eher für größere Fahrer geeignet. Die S-Version ist straßenorientierter und bietet Gussfelgen sowie ein 19-Zoll-Vorderrad. Die Preise beginnen bei 21.399 Euro für die 1390 Super Adventure R, 20.990 Euro für die S-Version und 22.990 Euro für die S Evo.
Norton Manx R: Die Rückkehr einer Legende
Norton, eine der ältesten Motorradmarken, meldet sich mit dem Superbike Manx R zurück. Nach einer erneuten Insolvenz vor fünf Jahren übernahm die indische Marke TVS die Rechte und baute ein neues Werk in England.
Der V4-Motor basiert auf dem Vorgängermodell und leistet nun 206 PS aus 1200 cm³ Hubraum. Das Gewicht beträgt 204 kg, das Drehmoment beeindruckt mit 130 Nm. Optisch präsentiert sich die Manx R aggressiv und modern, mit glatten Flächen und einer in den Tank übergehenden Verkleidung. Sie bietet ein semi-aktives Fahrwerk, Brembo-Hypure-Bremssättel, ein 8-Zoll-TFT-Display und umfangreiche Elektronik. Der Preis wurde noch nicht bekannt gegeben.
Royal Enfield Bullet 650: Zeitloser Retro-Charme
Royal Enfield setzt seinen Expansionskurs fort und präsentiert die neue Bullet 650. Die Bullet 500 hält den Weltrekord in der Produktionszeit, sie wurde 87 Jahre lang gebaut.
Die neue Bullet 650 wird vom bekannten luft-/ölgekühlten 650er-Reihenzweizylinder-Motor angetrieben, der 48 PS leistet. Das Retro-Bike mit seinen barocken Kotflügeln, dem tropfenförmigen Tank und der dick gepolsterten Sitzbank wiegt 243 kg. Kunden erwarten hier keine extreme Dynamik, sondern das Genießen des Drehmoments beim Cruisen. Die Bullet 650 wird in Deutschland voraussichtlich für 7.340 Euro angeboten.
Suzuki SV-7 GX: Crossover mit bewährtem Herz
Suzuki überrascht mit der SV-7 GX, einem Crossover-Bike auf Basis der SV 650. Dieses Modell beweist, dass ein 26 Jahre alter V2-Motor immer noch relevant sein kann. Der 645 cm³ große Motor leistet 73 PS und verspricht weiterhin Fahrspaß.
Das Design ist an die GSX-S 1000 GX angelehnt und wirkt frisch. Der Fahrer sitzt aufrecht und wird von einer Verkleidung mit einstellbarem Windschild geschützt. Eine Sitzhöhe von 79 mm macht das Motorrad auch für kleinere Fahrer zugänglich, und das Leergewicht von 211 kg ist handhabbar. Rundum-LED-Beleuchtung und ein TFT-Display mit Smartphone-Konnektivität erfüllen moderne Ansprüche. Der Preis steht noch nicht fest, wird aber hoffentlich im vierstelligen Bereich bleiben.
„Die Motorradbranche zeigt 2026 eine beeindruckende Vielfalt und Innovationskraft. Von neuen Einsteiger-Modellen bis zu High-End-Superbikes ist für jeden etwas dabei. Besonders spannend ist die Entwicklung chinesischer Hersteller, die mit Qualität und Preis punkten.“
Marktentwicklung im Überblick
- Steigende Bedeutung der A2-Klasse (bis 500 cm³)
- Zunehmende Präsenz chinesischer Marken
- Fokus auf Elektronik und Assistenzsysteme in allen Segmenten
- Weiterhin starker Trend zu Retro-Modellen





