Der deutsche Straßenverkehr verbraucht weiterhin einen erheblichen Teil der Gesamtenergie des Landes. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass im Jahr 2024 rund 22,2 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs auf den Straßenverkehr entfielen. Dies entspricht etwa 2134 Petajoule.
Trotz politischer Initiativen und technologischer Fortschritte ist seit 2021 keine nennenswerte Reduktion dieses Wertes zu verzeichnen. Die Branche steht vor der Herausforderung, ambitionierte Klimaziele zu erreichen, während der tatsächliche Verbrauch auf hohem Niveau stagniert.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Straßenverkehr macht 22,2% des deutschen Endenergieverbrauchs aus.
- Seit 2021 stagniert der Energieverbrauch im Straßenverkehr.
- 97,5% des Verbrauchs im Verkehrssektor stammen aus fossilen Kraftstoffen.
- Stromanteil im Verkehr liegt bei nur etwa 2,5 Prozent.
- Wachsende Verkehrsleistung kompensiert Effizienzgewinne.
Energieverbrauch im Straßenverkehr konstant hoch
Im Jahr 2024 verursachte der Straßenverkehr in Deutschland 155 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Dies entspricht 21,4 Prozent der gesamten deutschen CO₂-Emissionen. Diese Werte sind seit 2021 weitgehend unverändert geblieben. Damit liegt der Verbrauch zwar noch 11,0 Prozent unter dem Höchststand von 2019, dem Jahr vor der COVID-19-Pandemie, aber ein weiterer Rückgang bleibt aus.
Die privaten Haushalte sind für den größten Anteil dieses Verbrauchs verantwortlich. Sie entfielen auf 58,0 Prozent der 2134 Petajoule, was 1238 Petajoule entspricht. Die Wirtschaft verursachte die restlichen 42,0 Prozent oder 896 Petajoule.
Faktencheck
- 22,2% des deutschen Endenergieverbrauchs entfallen auf den Straßenverkehr.
- 155 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen verursacht der Straßenverkehr jährlich.
- 58,0% des Energieverbrauchs im Straßenverkehr gehen auf private Haushalte zurück.
Warum Effizienzgewinne nicht greifen
Politische Maßnahmen wie die CO₂-Bepreisung, Flottengrenzwerte und die Förderung der Elektromobilität sollen den Energieverbrauch senken. Auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zielt darauf ab. Doch diese Maßnahmen zeigen im Straßenverkehr noch nicht die gewünschte Wirkung.
Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Umweltbundesamtes erklären diese Stagnation mit einer wachsenden Verkehrsleistung. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr steigen die gefahrenen Kilometer auf der Straße weiter an. Dies führt dazu, dass die Effizienzgewinne durch sparsamere Motoren und leichtere Fahrzeuge wieder aufgehoben werden.
Hintergrund: Rebound-Effekte
Ein sogenannter Rebound-Effekt tritt auf, wenn Einsparungen durch effizientere Technologien zu einer Verhaltensänderung führen, die einen Teil der Einsparungen wieder aufhebt. Wer beispielsweise durch ein sparsameres Elektroauto Geld spart, neigt dazu, mehr zu fahren. Dies mindert die Gesamteinsparungen erheblich.
Ein weiterer Trend, der die spezifischen Verbrauchsvorteile reduziert, ist die Zunahme von schwereren Fahrzeugen wie SUVs. Diese Fahrzeuge verbrauchen trotz technischer Verbesserungen mehr Energie als kleinere Modelle.
Geringer Stromanteil im Verkehrssektor
Ein Hauptgrund für die Stagnation ist der langsame Wandel beim Antriebsmix. Im gesamten Verkehrssektor stammten im Jahr 2024 laut Umweltbundesamt rund 97,5 Prozent des Endenergieverbrauchs aus fossilen Kraftstoffen wie Benzin, Diesel und Kerosin. Der Anteil von Strom lag bei lediglich etwa 2,5 Prozent.
„Obwohl die Zahl zugelassener Elektrofahrzeuge dynamisch wächst, startet sie von einem niedrigen Ausgangsniveau.“
Dieser geringe Stromanteil bedeutet, dass selbst die deutlichen Effizienzvorteile von Elektrofahrzeugen, die pro Kilometer deutlich weniger Endenergie benötigen, in der Gesamtbilanz des Straßenverkehrs kaum ins Gewicht fallen. Elektromotoren sind effizienter und nutzen Rekuperation, um Energie zurückzugewinnen, doch der hohe Bestand an konventionell angetriebenen Pkw und Nutzfahrzeugen bremst eine schnelle Flottenerneuerung.
Strukturelle Änderungen sind notwendig
Im Jahr 2020 war der Energieverbrauch im gesamten Verkehr pandemiebedingt um 18,4 Prozent gegenüber 2019 zurückgegangen. Nach dem Wiederanstieg stabilisierte sich der Verbrauch ab 2021 bei rund 2100 Petajoule. Dies ist zwar deutlich unter dem Rekordwert, aber ohne weitere Abwärtsbewegung.
Die Fachbehörden weisen darauf hin, dass die bisherigen politischen Instrumente zwar die Emissionen pro Fahrzeug und Kilometer senken, aber die grundlegenden Verkehrs- und Siedlungsstrukturen kaum verändern. Der gesamtdeutsche Primärenergieverbrauch sank derweil laut der AG Energiebilanzen, einem Zusammenschluss von Energieerzeugern und Forschungsinstituten, auf das Niveau der frühen 70er-Jahre. Der Verkehr hält jedoch seinen relativen Anteil.
Wichtige Zahlen
- 2,5% beträgt der Stromanteil am Endenergieverbrauch im Verkehrssektor.
- 11,0% unter dem Höchststand von 2019 liegt der aktuelle Verbrauch.
- Der Energieverbrauch ist seit 2021 auf einem konstanten Niveau.
Um der Stagnation beim Energieverbrauch entgegenzuwirken, sind aus Sicht von DLR und Umweltbundesamt strukturelle Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören:
- Eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.
- Ein schnellerer Umbau der Fahrzeugflotte.
- Ordnungsrechtliche Eingriffe wie Tempolimits oder Citymaut.
Für solche umfassenden Maßnahmen fehlen derzeit noch die politischen Mehrheiten. Die Debatte über die Zukunft des deutschen Straßenverkehrs und die Erreichung der Klimaziele bleibt daher eine zentrale Herausforderung für Politik und Gesellschaft.





