Der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters kann sich finanziell lohnen. Viele Haushalte zahlen unnötig hohe Preise, besonders wenn sie sich in der Grundversorgung befinden. Ein gezielter Vergleich und die richtige Tarifwahl können die Energiekosten deutlich senken.
Wichtige Erkenntnisse
- Vergleichsportale sind nützlich, aber Filter müssen angepasst werden.
- Fixpreistarife bieten mehr Sicherheit als dynamische Tarife.
- Preisgarantien schützen oft nicht vor allen Preiserhöhungen.
- Bonus-Tarife erfordern meist jährliche Wechsel.
- Online-Tarife sind oft günstiger, erfordern aber Eigeninitiative.
Gezielte Nutzung von Vergleichsportalen
Vergleichsportale im Internet bieten einen guten Überblick über zahlreiche Energieangebote. Sie sind ein wichtiges Werkzeug, um den besten Tarif zu finden. Allerdings sind die voreingestellten Filter auf diesen Portalen oft nicht im Sinne der Verbraucher.
Es ist entscheidend, diese Einstellungen anzupassen. Zum Beispiel sollte der Bonus bei der Berechnung der Jahreskosten nicht berücksichtigt werden, um eine realistische Einschätzung zu erhalten. Auch die Option „direkte Wechselmöglichkeit“ sollte deaktiviert werden, da sie die Auswahl unnötig einschränkt.
Wichtige Filter-Einstellungen
- Bonus bei Jahreskosten NICHT einrechnen lassen.
- „Direkte Wechselmöglichkeit“ DEAKTIVIEREN.
- NUR Fixpreistarife anzeigen lassen (außer bei spezieller Ausstattung).
- „Hohe Kundenempfehlungsquote“ DEAKTIVIEREN.
- NUR einen Tarif pro Anbieter anzeigen lassen.
Vergleichsportale finanzieren sich über Provisionen und Werbung. Sie fungieren als Vermittler, garantieren aber nicht immer die Richtigkeit der angezeigten Daten. Verbraucher sollten daher die Preise und Konditionen immer direkt auf der Internetseite des Anbieters überprüfen, bevor sie einen Vertrag abschließen.
Vertragslaufzeit und Preisgarantien
Bei der Wahl eines neuen Tarifs spielt die Vertragslaufzeit eine wichtige Rolle. Eine Laufzeit von etwa einem Jahr, idealerweise in Kombination mit einer Preisgarantie, bietet eine gute Balance zwischen Flexibilität und Preissicherheit. Kurze Laufzeiten ermöglichen zwar häufigere Wechsel, können aber auch zu früheren Kündigungen durch den Anbieter führen.
„Ein Tarif mit Preisgarantie kann vor unvorhergesehenen Preissprüngen schützen, insbesondere wenn er ein akzeptables Preisniveau bietet.“
Es ist wichtig zu verstehen, dass Preisgarantien oft eingeschränkt sind. Viele Garantien decken gesetzlich regulierte Preisbestandteile wie Netzentgelte, Steuern, Abgaben oder Umlagen nicht ab. Das bedeutet, dass der Anbieter die Preise auch bei einer Preisgarantie erhöhen kann, wenn sich diese Komponenten ändern.
Umfang von Preisgarantien
Bis zu 70 Prozent des Gesamtpreises können von Preisgarantien ausgeschlossen sein, sowohl bei Strom als auch bei Gas. Dies betrifft vor allem gesetzlich festgelegte Bestandteile. Die Garantie schützt aber immer vor steigenden Beschaffungskosten, die der Energieanbieter selbst verantwortet.
In der aktuellen Marktlage, die als entspannt gilt, sind Preiserhöhungen auch ohne Preisgarantie nicht einfach hinzunehmen. Verbraucher haben in der Regel ein Sonderkündigungsrecht, wenn sich die Preise ändern. Dies bietet zusätzliche Sicherheit.
Bonus-Tarife und dynamische Preise
Bonus-Tarife locken oft mit attraktiven Ersparnissen im ersten Vertragsjahr. Diese Ersparnis geht jedoch häufig ausschließlich auf den Bonus zurück. Im zweiten Vertragsjahr sind diese Tarife dann meist deutlich teurer. Wer sich für einen Bonus-Tarif entscheidet, sollte sich daher auf einen erneuten Wechsel nach zwölf Monaten einstellen.
Beim Tarifvergleich ist es ratsam, den Bonus nicht in die Berechnung der Jahreskosten einfließen zu lassen. So erhalten Sie eine klarere Vorstellung von den tatsächlichen Kosten über die gesamte Laufzeit.
Fixpreistarife gegenüber dynamischen Tarifen
In den Vergleichsportalen tauchen zunehmend „Flextarife“ oder „dynamische Stromtarife“ auf. Diese Tarife haben keinen festen Arbeitspreis; stattdessen ändert sich der Preis monatlich oder sogar viertelstündlich, abhängig von den Strombörsenpreisen. Haushalte können hier von niedrigen Preisen profitieren, tragen aber auch das Risiko steigender Preise.
Dynamische Tarife sind hauptsächlich für Haushalte sinnvoll, die ihren Stromverbrauch aktiv steuern können, etwa durch eine Wallbox für E-Autos, eine Wärmepumpe oder einen Batteriespeicher, oft in Verbindung mit einem intelligenten Messsystem (Smart Meter). Für die meisten anderen Haushalte ist ein Festpreistarif die sicherere Wahl.
Online-Tarife und Messstellenbetrieb
Online-Tarife dominieren mittlerweile die Liste der günstigsten Angebote auf Vergleichsportalen. Bei diesen Tarifen erfolgt der gesamte Kontakt mit dem Anbieter in der Regel digital, per E-Mail oder über ein Kundenportal. Persönlicher Service oder telefonische Beratung sind oft nicht vorgesehen. Auch Preiserhöhungen werden ausschließlich elektronisch mitgeteilt.
Wählen Sie einen Online-Tarif nur, wenn Sie Ihre E-Mails regelmäßig prüfen und auf persönlichen Kontakt verzichten können. Falls ein Online-Tarif attraktiv erscheint, aber Sie persönlichen Service bevorzugen, kann eine direkte Anfrage beim Anbieter manchmal zu einem maßgeschneiderten Angebot führen.
Zusätzliche Rechnung für digitale Stromzähler
Haushalte mit digitalen Stromzählern, sogenannten modernen Messeinrichtungen oder Smart Metern, können eine zusätzliche Rechnung für den Betrieb der Messstelle erhalten. Der Stromanbieter entscheidet, ob er einen All-Inclusive-Vertrag anbietet, der diese Kosten abdeckt, oder ob er nur den Strom liefert.
Ein einfacher digitaler Zähler kostet maximal 25 Euro pro Jahr. Für intelligente Messsysteme liegen die Kosten für den reinen Messstellenbetrieb bei 40 bis 50 Euro jährlich. Der Messstellenbetreiber ist oft der regionale Netzbetreiber, kann aber auch ein unabhängiges Unternehmen sein. Die meisten Stromlieferanten bieten weiterhin All-Inclusive-Verträge an.
Ökostrom und Ökogas: Umweltnutzen kritisch hinterfragen
Die Entscheidung für Ökostromtarife wird oft mit einem Beitrag zur Energiewende gleichgesetzt. Tatsächlich wird der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland hauptsächlich über das Erneuerbare-Energien-Gesetz finanziert. Der Bezug von Ökostrom, der oft aus dem Ausland stammt, hat meist nur einen geringen direkten Nutzen für die nationale Energiewende.
Wer dennoch Tarife mit nachweisbarem Zusatznutzen für das Klima finden möchte, kann sich an Labels wie „ok-power“ und „Grüner Strom Label“ orientieren. Bei Ökogas und Klimagas sind die Umweltvorteile ebenfalls begrenzt und es gibt keine vergleichbaren Labels.
Vorsicht vor Prämien und Bündelangeboten
Manche Energieanbieter locken mit Bündelangeboten, die neben dem Strom- oder Gastarif zusätzliche Produkte wie Grills, Smartphones oder Zeitschriftenabos umfassen. Solche Prämien können verlockend wirken, doch in vielen Fällen zahlen Verbraucher durch einen höheren Grundpreis letztlich mehr, als wenn sie Energie und Prämie separat kaufen würden.
Ein Abo, das Teil eines Bündelangebots ist, kann zudem eine Kostenfalle darstellen und über die Laufzeit des Energievertrags hinausgehen. Eine genaue Prüfung solcher Angebote ist daher unerlässlich.
Anzahl der Abschläge und Anbieterrecherche
Die meisten Anbieter verlangen 12 monatliche Abschläge. Einige bieten jedoch nur 11 Abschläge an, was zu einem höheren monatlichen Betrag führt. Im Falle einer Anbieterinsolvenz entsteht bei 11 Abschlägen ein unnötig hohes Guthaben, dessen Rückerstattung schwierig sein kann. Für Haushalte mit geringem monatlichem Budget sind 12 Abschläge vorteilhafter.
Bevor Sie einen neuen Vertrag abschließen, ist eine gründliche Recherche über den potenziellen Energieanbieter ratsam. Achten Sie auf Kundenbewertungen und Berichte über häufige Probleme wie nicht erstellte Rechnungen, nicht ausgezahlte Boni oder drastische Preiserhöhungen.
- Quellen für Anbieterrecherche:
- Internetseiten der Anbieter (Klarheit der Produktbeschreibung, Kontaktmöglichkeiten)
- Veröffentlichungen von Verbraucherzentralen (Urteile, Abmahnungen)
- Kurze Internetrecherche nach Erfahrungsberichten
- Bewertungen in Vergleichsportalen
Ein schlechter erster Eindruck auf der Anbieterwebseite oder viele negative Kundenbewertungen sollten ein Warnsignal sein. Ein reibungsloser Wechsel beginnt mit der Wahl eines kundenfreundlichen und zuverlässigen Anbieters.





