Millionen Menschen nutzen täglich Apps auf ihren Smartphones und Tablets. Viele dieser Anwendungen scheinen kostenlos zu sein. Doch oft zahlen Nutzer einen Preis, der nicht in Euro angegeben wird: Ihre persönlichen Daten. Diese Daten können zu umfangreichen Nutzerprofilen führen, die professionell vermarktet werden.
Wichtige Erkenntnisse
- Kostenlose Apps finanzieren sich oft durch die Nutzung und den Verkauf persönlicher Daten.
- Apps fordern häufig Zugriffe auf sensible Daten wie Standort, Kontakte oder Fotos.
- Nutzer können Berechtigungen einschränken, um den Datenzugriff zu kontrollieren.
- Abofallen in Apps nutzen WAP-Billing für unerwünschte monatliche Abbuchungen.
- Verbraucher sollten bei unberechtigten Rechnungen umgehend Widerspruch einlegen und Drittanbietersperren einrichten.
Was sind Apps und welche Daten sammeln sie?
Apps sind kleine Softwareprogramme, die auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets laufen. Der Begriff ist eine Kurzform von „Application Software“. Sie erleichtern den Alltag, indem sie Funktionen für Navigation, Kommunikation, Einkaufen oder Sport bieten. Heruntergeladen werden sie meist über offizielle App-Stores wie den Google Play Store oder den Apple App Store.
Nach der Installation fordern Apps oft Zugriff auf verschiedene Dienste und Daten des Geräts. Dazu gehören das Adressbuch, E-Mails, Fotos oder die Standortfunktion. Für Nutzer ist nicht immer klar, warum eine Koch-App Zugriff auf den Standort benötigt oder ein Spiel die Kontaktliste abrufen möchte.
Faktencheck: Datenzugriffe
- Standortdaten: Ermöglichen detaillierte Bewegungsprofile.
- Adressbuch: Zugriff auf alle Kontakte.
- Fotos/Medien: Zugriff auf gespeicherte Bilder und Videos.
- Kamera/Mikrofon: Kann für Video- und Audioaufnahmen genutzt werden.
Die ständige Übermittlung von Standortdaten beispielsweise erlaubt es Unternehmen, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen. Diese Profile zeigen, wo eine Person lebt, arbeitet, einkauft oder ihre Freizeit verbringt. Aus diesen Informationen entstehen umfassende Nutzerprofile, die anschließend vermarktet und verkauft werden. Dies kann zu gezielten Werbeattacken führen, die auf die individuellen Gewohnheiten zugeschnitten sind.
Datenschutz: So kontrollieren Sie App-Berechtigungen
Es ist wichtig, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten. Seit Android Version 6.0 und bei Apple/iOS-Modellen können Nutzer die Berechtigungen von Apps detailliert verwalten. Dies geschieht entweder direkt bei der ersten Nutzung der App oder nachträglich in den Geräteeinstellungen.
Bei Apple-Geräten finden sich diese Einstellungen unter „Einstellungen/Datenschutz“. Dort lässt sich festlegen, welche Apps auf Standortdaten, Fotos und andere Informationen zugreifen dürfen. Android-Nutzer finden die entsprechenden Optionen im Menüpunkt „Apps“.
„Verbraucherzentralen empfehlen, den Zugriff auf Daten zu begrenzen und nur zu erlauben, wenn dies unerlässlich für die Funktionalität ist – wie etwa bei einer Navigations-App und der dann notwendigen Ortungsfunktion.“
Es ist ratsam, den Zugriff nur dann zu erlauben, wenn die App tatsächlich genutzt wird, und unnötige Berechtigungen zu deaktivieren. Wenn eine App ohne ersichtlichen Grund viele Berechtigungen fordert, sollten Nutzer überlegen, ob sie diese App wirklich benötigen.
Tipps zum Schutz Ihrer Daten
- Offizielle Stores nutzen: Laden Sie Apps nur aus dem Google Play Store oder Apple App Store herunter. Das reduziert das Risiko von Viren und Malware.
- Berechtigungen einschränken: Beschränken Sie App-Zugriffe bei der Installation oder nachträglich in den Einstellungen.
- Standortzugriff deaktivieren: Schalten Sie den Standortzugriff aus, wenn Sie ihn nicht benötigen.
- Zugriff bei Nutzung: Erlauben Sie Apps den Datenzugriff nur, wenn Sie die App aktiv verwenden.
Kostenlose Apps: Der Preis sind Ihre Daten
Viele Apps werden als „kostenlos“ beworben, doch dies bedeutet nicht, dass keine Gegenleistung erwartet wird. Oft bezahlen Nutzer nicht mit Geld, sondern mit ihren personenbezogenen Daten. Der Anbieter verwendet diese Daten und wertet das Nutzungsverhalten auf dem Gerät aus. Diese Informationen können dann durch den Verkauf passgenauer Werbeplätze oder den direkten Verkauf der Daten monetarisiert werden. Viele Nutzer sind sich dieses Mechanismus nicht bewusst.
Seit dem 1. Januar 2022 gibt es eine wichtige Neuerung im Verbraucherschutz. Wenn eine kostenfreie Leistung gegen Bereitstellung personenbezogener Daten erfolgt, muss der Anbieter darüber informieren, dass der Nutzer mit seinen persönlichen Daten bezahlt. Diese Form der Bezahlung wird einer entgeltlichen Leistung im Verbraucherschutz gleichgestellt. Das bedeutet, Anbieter müssen verbraucherschützende Informationspflichten einhalten und klar benennen, dass eine Leistung mit Daten bezahlt wird. Dies gilt nicht, wenn die Daten ausschließlich zur Vertragserfüllung genutzt werden.
Abofallen in Apps: Unerwartete Kosten
Eine besonders perfide Masche sind Abofallen, die oft in beliebten Apps auftauchen. Hierbei werden Werbebanner eingeblendet. Ein Klick darauf scheint zunächst folgenlos zu sein. Doch ohne weitere Nachfrage oder Bestätigung werden dem Nutzer mit der nächsten Mobilfunkrechnung Beträge zwischen 3 und 60 Euro pro Monat berechnet. Dieses Verfahren ist als WAP-Billing bekannt.
WAP-Billing wird häufig missbraucht. Über eine manipulierte Internetseite wird die Rufnummer des Nutzers an ein werbendes Unternehmen übermittelt. Dieses veranlasst dann die Abrechnung über die Mobilfunkrechnung. Die Anbieter behaupten oft, durch den Klick auf das Werbebanner sei ein Vertrag zustande gekommen.
Rechtlich hält diese Behauptung jedoch nicht stand. Ein Vertrag im Internet ist nur wirksam, wenn der Nutzer einen Button mit der eindeutigen Beschriftung „zahlungspflichtig bestellen“ oder einem vergleichbaren Wortlaut anklickt. Da die Anbieter jedoch bereits abgerechnet haben, gestalten sich Widerspruch und Rückforderung oft schwierig. Eine effektive Schutzmaßnahme ist die Einrichtung einer Drittanbietersperre bei Ihrem Mobilfunkanbieter.
Vorgehen gegen unberechtigte Rechnungen
Wer eine unberechtigte Abbuchung auf der Mobilfunkrechnung entdeckt, sollte schnell handeln. Hier sind sechs wichtige Schritte:
- Widerspruch einlegen: Schreiben Sie Ihrem Mobilfunkanbieter, dass Sie den Abo-Posten bestreiten und kürzen Sie den Rechnungsbetrag entsprechend.
- Lastschrift zurückziehen: Wenn per Lastschrift bezahlt wurde, können Sie den Betrag über Ihre Bank zurückfordern. Dies ist meist innerhalb von acht Wochen möglich.
- Sperrung verhindern: Überweisen Sie den unstreitigen Teil der Rechnung umgehend, um eine Sperrung Ihres Anschlusses zu vermeiden.
- Abo-Anbieter informieren: Teilen Sie dem auf der Rechnung ausgewiesenen Abo-Anbieter nachweisbar (z.B. per Einwurfeinschreiben) mit, dass Sie die Forderung nicht anerkennen und den Vertrag hilfsweise widerrufen.
- Abo kündigen: Stoppen Sie das Abo direkt beim Anbieter, um zukünftige Abbuchungen zu verhindern.
- Widerspruch gegen Mahnbescheid: Sollten Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid erhalten, legen Sie innerhalb von zwei Wochen schriftlich Widerspruch bei dem zuständigen Gericht ein. Begründen Sie Ihren Widerspruch.
Alternativen zu den großen App Stores
Neben dem Google Play Store und dem Apple App Store gibt es weitere Plattformen für Apps. Dazu gehört der Galaxy Store von Samsung. Eine interessante Alternative ist auch F-Droid, ein von einer ehrenamtlichen Community betriebener Store, der sich auf Open-Source-Anwendungen konzentriert. Diese Alternativen können zusätzliche Optionen bieten, wobei das Datenschutzniveau auch hier genau geprüft werden sollte.





