Tausende ehemalige Postbank-Kunden erhalten derzeit Forderungsschreiben wegen angeblicher Altschulden. Ein Rechtsanwalt aus Hürth bei Köln verschickt diese Briefe und droht mit gerichtlichen Schritten. Doch aktuelle Gerichtsurteile zeigen: Viele dieser Forderungen sind verjährt, verwirkt oder schlichtweg unbegründet. Verbraucherzentralen raten dringend, solche Schreiben nicht vorschnell zu begleichen.
Wichtige Erkenntnisse
- Anwalt fordert Altschulden von ehemaligen Postbank-Kunden.
- Gerichte haben Forderungen bereits als verjährt oder unbegründet abgewiesen.
- Nicht unter Druck setzen lassen und keine voreiligen Zahlungen leisten.
- Rechtliche Prüfung durch Verbraucherzentrale oder Anwalt ist ratsam.
- Keine Ratenzahlungen vereinbaren, da dies als Schuldanerkenntnis gewertet werden kann.
Hintergrund der umstrittenen Forderungen
Ein Anwalt hat Berichten zufolge rund 770.000 Altforderungen von der Postbank erworben. Dabei handelt es sich um Restschulden aus Krediten oder Kontoüberziehungen, die teilweise schon Jahre zurückliegen. Obwohl die Zusammenarbeit zwischen dem Anwalt und der Postbank inzwischen beendet ist, versucht der Anwalt weiterhin, diese Forderungen einzutreiben. Er verschickt Mahnschreiben und droht Empfängern mit Klagen.
Diese Praxis hat bei vielen ehemaligen Postbank-Kunden für Verunsicherung gesorgt. Viele fühlen sich unter Druck gesetzt, da in den Schreiben oft kurzfristige Zahlungsfristen gesetzt und gerichtliche Schritte angedroht werden. Gleichzeitig wird eine kostenpflichtige Ratenzahlung angeboten, deren genaue Konditionen oft intransparent bleiben.
Wussten Sie schon?
Die Verjährungsfrist für viele Forderungen beträgt in Deutschland drei Jahre, wenn sie nicht ordnungsgemäß gemahnt wurden. Dies gilt auch für bestimmte Bankforderungen.
Gerichtsurteile stärken Verbraucher
Mehrere Gerichtsentscheidungen, darunter Urteile des Oberlandesgerichts Braunschweig und des Oberlandesgerichts Frankfurt, haben die Position der Verbraucher gestärkt. In bekannten Fällen wurden Klagen des Anwalts abgewiesen.
"In einigen Fällen urteilte das Gericht, dass die Forderungen auf Rückzahlung verjährt seien. Denn wurde die Forderung nicht korrekt angemahnt, verjährt sie bereits nach 3 Jahren."
Dies ist ein entscheidender Punkt. Wenn die Postbank oder der Anwalt die Forderungen nicht innerhalb der gesetzlichen Fristen korrekt angemahnt haben, können sie verjährt sein. Eine verjährte Forderung kann rechtlich nicht mehr durchgesetzt werden, auch wenn sie ursprünglich berechtigt war.
Weitere Gründe für Klageabweisungen
Neben der Verjährung gab es weitere Gründe für die Abweisung von Klagen. Gerichte stellten fest, dass es teilweise an ausreichenden Beweisen für die Existenz oder Höhe der Forderungen mangelte. In anderen Fällen wurde bemängelt, dass die Abtretungsanzeige – das Dokument, das den Übergang der Forderung von der Postbank an den Anwalt belegt – nicht von der Postbank selbst, sondern vom Anwalt verfasst wurde.
Solche Mängel in der Dokumentation können dazu führen, dass eine Forderung vor Gericht keinen Bestand hat. Für Betroffene bedeutet dies, dass es sich lohnt, genau hinzusehen und die Schreiben nicht ungeprüft zu akzeptieren.
Was ist eine Abtretung?
Eine Abtretung ist die Übertragung einer Forderung von einem Gläubiger (hier: Postbank) auf einen anderen (hier: Anwalt). Der neue Gläubiger hat dann das Recht, die Forderung einzuziehen. Eine Abtretung muss dem Schuldner in der Regel angezeigt werden.
So reagieren Sie richtig auf Forderungsschreiben
Wenn Sie ein solches Schreiben erhalten, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und besonnen zu handeln. Zahlen Sie die geforderte Summe nicht sofort. Lassen Sie das Schreiben stattdessen juristisch prüfen.
Die Verbraucherzentralen bieten hierfür Beratungen an. Sie können prüfen, ob die Forderung berechtigt, verjährt oder anderweitig angreifbar ist. Auch ein erfahrener Rechtsanwalt kann Ihnen dabei helfen, Ihre Rechte zu wahren.
Vorsicht bei Ratenzahlungen
Ein häufiger Fehler ist die Vereinbarung einer Ratenzahlung. Dies kann als Anerkennung der Forderung gewertet werden, selbst wenn diese unberechtigt oder verjährt ist. Haben Sie einmal eine Forderung anerkannt, wird es deutlich schwieriger, sich dagegen zu wehren.
Vermeiden Sie es auch, mit der Kanzlei des Anwalts direkt Kontakt aufzunehmen, um zu verhandeln. Lassen Sie sich lieber von unabhängiger Stelle beraten, bevor Sie Schritte unternehmen.
- Nicht sofort zahlen: Prüfen Sie die Forderung sorgfältig.
- Beratung einholen: Kontaktieren Sie eine Verbraucherzentrale oder einen Anwalt.
- Keine Ratenzahlung: Dies könnte als Schuldanerkenntnis missverstanden werden.
- Interaktive Briefvorlage nutzen: Verbraucherzentralen bieten oft Vorlagen zur Abwehr unberechtigter Forderungen an.
Was tun bei Mahn- oder Vollstreckungsbescheiden?
Sollten Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid, einen Vollstreckungsbescheid oder sogar eine Klageschrift erhalten, ist sofortiges Handeln erforderlich. Ignorieren Sie solche Dokumente keinesfalls.
Wenden Sie sich umgehend an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt. Es gibt Fristen, innerhalb derer Sie Widerspruch einlegen müssen. Versäumen Sie diese Fristen, kann die Forderung rechtskräftig werden, selbst wenn sie ursprünglich unberechtigt war.
Kostenloser Inkasso-Check
Viele Verbraucherzentralen bieten einen kostenlosen Inkasso-Check an. Dort können Sie Inkassoforderungen überprüfen lassen, um festzustellen, ob Sie überhaupt zahlen müssen und ob die Höhe der Kosten gerechtfertigt ist.
Umgang mit Schufa-Einträgen
Wurde aufgrund einer unberechtigten Forderung ein Schufa-Eintrag veranlasst, ist dies rechtswidrig. Sie haben das Recht, Ihre Schufa-Daten abzufragen und unberechtigte Einträge korrigieren zu lassen. Die Kosten für die Korrektur muss der Kläger tragen, der die unberechtigten Forderungen geltend gemacht hat.
Dies ist ein wichtiger Schutzmechanismus für Verbraucher, da negative Schufa-Einträge erhebliche Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit und damit auf alltägliche Geschäfte wie Mietverträge oder Handyverträge haben können.
Es ist entscheidend, dass möglichst viele Betroffene über ihre Rechte Bescheid wissen. Informieren Sie auch Freunde, Familie und Bekannte über diese Problematik. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich gegen solche Forderungen wehren können und zahlen aus Angst oder Unwissenheit.





