Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz hat Nordrhein-Westfalen ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, um die Sicherheit in Bussen und Bahnen zu erhöhen. Der Vorschlag, der vor dem heutigen Sicherheitsgipfel der Deutschen Bahn in Berlin präsentiert wurde, zielt darauf ab, sowohl Fahrgäste als auch Zugpersonal besser zu schützen. Zentrale Forderungen umfassen den Ausbau von Zweierteams bei Zugbegleitern und die Schaffung von Rechtssicherheit für den Einsatz von Bodycams im öffentlichen Nahverkehr.
Wichtige Punkte
- NRW fordert Ausbau von Zweierteams bei Zugbegleitern.
- Rechtssicherheit für Bodycams im ÖPNV soll geschaffen werden.
- Technik zur Alarmierung und Verfolgung von Tätern soll verbessert werden.
- Videoüberwachung soll effektiver eingesetzt werden.
- Einsatz von Sicherheitsteams soll ausgeweitet werden.
Hintergrund des Sicherheitsgipfels
Der Anlass für den Sicherheitsgipfel ist ein tragisches Ereignis Anfang Februar in Rheinland-Pfalz. Bei einer Ticketkontrolle kam es zu einem Angriff auf einen 36-jährigen Zugbegleiter der Deutschen Bahn. Er erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen. Dieser Vorfall hat eine breite Debatte über die Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr ausgelöst und die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen verdeutlicht. Die Deutsche Bahn hat daraufhin die Bundesregierung, die Bundespolizei, Vertreter der Bahnbranche, die Länder und Aufgabenträger für den Regionalverkehr sowie die Gewerkschaften zu diesem Gipfel eingeladen.
„Die Aggressivität und die Tonlage ist bei Auseinandersetzungen in Bussen und Bahnen härter geworden. Das empfinden viele Menschen so, und deshalb löst die Gewalttat in Rheinland-Pfalz auch so viele grundsätzliche Fragen aus. Die Fahrgäste fühlen sich in manchen Situationen subjektiv nicht sicher und wir müssen sie und unser Bahnpersonal besser schützen“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne).
Die Worte des NRW-Verkehrsministers unterstreichen das wachsende subjektive Bedrohungsgefühl, das viele Menschen beim Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfinden. Obwohl die Zahlen landesweit nur einen leichten Anstieg von Gewalttaten zeigen, hat sich die Wahrnehmung der Sicherheit verschlechtert.
Faktencheck: Gewalttaten
- Leichter, aber kein extremer Anstieg von Gewalttaten landesweit.
- Subjektives Bedrohungsgefühl der Fahrgäste ist gestiegen.
NRW-Maßnahmenpaket im Detail
Nordrhein-Westfalen hat ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt. Ein zentraler Punkt ist der Ausbau von Zweierteams bei Zugbegleitern. Dies soll die Präsenz des Personals erhöhen und deeskalierend wirken. Zudem soll die Bundesregierung Rechtssicherheit für das Tragen von Bodycams im ÖPNV schaffen. Bisher erfolgt der Einsatz dieser Kameras auf freiwilliger Basis, eine klare rechtliche Grundlage könnte ihre Akzeptanz und Wirksamkeit erhöhen.
Technologische Verbesserungen und Personaleinsatz
Die Technik zur Alarmierung und Verfolgung von Tätern soll ausgebaut werden. Dies beinhaltet schnellere Kommunikationswege und verbesserte Ortungssysteme. Auch die Videoüberwachung soll noch effektiver eingesetzt werden, um Vorfälle besser aufzuklären und präventiv zu wirken. Der Einsatz von Sicherheitsteams, die zum Schutz von Fahrgästen und Zugpersonal eingesetzt werden, soll ebenfalls ausgeweitet werden. Diese Teams können bei Bedarf schnell eingreifen und für Ordnung sorgen.
Hintergrund: Bodycams im ÖPNV
Bodycams sind kleine Kameras, die von Sicherheitspersonal oder Zugbegleitern am Körper getragen werden. Sie sollen der Dokumentation von Vorfällen dienen und eine deeskalierende Wirkung haben. Eine klare rechtliche Regelung ist entscheidend für ihren rechtssicheren Einsatz und die Akzeptanz bei allen Beteiligten, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz.
Der NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hatte sich im Vorfeld des Gipfels mit Vertretern der Deutschen Bahn, Aufgabenträgern, Verkehrsunternehmen und der Bundespolizei getroffen. Bei diesem Treffen herrschte Einigkeit darüber, dass Handlungsbedarf besteht, um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu verbessern. Die geforderte Rechtssicherheit für Bodycams ist dabei ein wichtiger Schritt, um den Einsatz dieser Technologie zu standardisieren und rechtlich abzusichern.
Die Rolle der Bundesregierung und der Bundespolizei
Der Sicherheitsgipfel in Berlin bringt alle relevanten Akteure an einen Tisch. Die Bundesregierung und die Bundespolizei spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Insbesondere die Schaffung von Rechtssicherheit für Bodycams erfordert eine bundesweite Regelung. Die Bundespolizei ist zudem für die Sicherheit in den Zügen und auf den Bahnhöfen zuständig und kann durch eine verstärkte Präsenz und den Einsatz moderner Technik zur Verbesserung der Situation beitragen.
- Zweierteams: Erhöhen die Sicherheit durch größere Personalpräsenz.
- Bodycams: Dienen der Beweissicherung und wirken deeskalierend.
- Technologie: Verbesserte Alarm- und Verfolgungssysteme für Täter.
- Videoüberwachung: Effektiverer Einsatz zur Prävention und Aufklärung.
- Sicherheitsteams: Ausweitung der Spezialteams zum Schutz.
Die Forderungen aus Nordrhein-Westfalen sind ein wichtiger Beitrag zur laufenden Debatte. Sie zeigen, dass die Länder aktiv an Lösungen mitwirken wollen, um die Sicherheit im öffentlichen Verkehr zu gewährleisten. Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Beschlüsse auf dem Sicherheitsgipfel gefasst werden und wie schnell die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden können.
Ausblick und weitere Schritte
Die Diskussion um die Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr wird auch nach dem Sicherheitsgipfel weitergehen. Die Deutsche Bahn hat sich verpflichtet, die Sicherheit ihrer Fahrgäste und Mitarbeiter zu verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Verkehrsunternehmen und Gewerkschaften ist dabei entscheidend. Nur durch gemeinsame Anstrengungen und eine konsequente Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen kann das Vertrauen der Fahrgäste in die Sicherheit des öffentlichen Verkehrs wieder gestärkt werden.
Die Aggressivität im öffentlichen Raum ist ein komplexes Problem, das nicht allein durch technische Maßnahmen gelöst werden kann. Es erfordert auch gesellschaftliche Debatten und präventive Ansätze, um die Ursachen von Gewalt zu bekämpfen. Der Sicherheitsgipfel ist ein wichtiger erster Schritt, um konkrete Verbesserungen auf den Weg zu bringen und das Reisen mit Bus und Bahn wieder sicherer zu machen.





