Die britische Motorradmarke Norton, bekannt für ihre reiche Rennsportgeschichte, feiert mit der Einführung des Superbikes Manx R ein beeindruckendes Comeback. Nach einer turbulenten Zeit unter neuer indischer Eigentümerschaft durch TVS präsentiert sich die Manx R als modernes Hochleistungsbike, das das Erbe ihrer legendären Vorgängerin würdigt und gleichzeitig neue Maßstäbe setzen will.
Wichtige Fakten
- Die Norton Manx R leistet 206 PS bei 11.500 U/min.
- Das Motorrad wiegt 204 kg fahrbereit.
- Der 1200-cm³-V4-Motor basiert auf einer Aprilia-Entwicklung.
- Ausstattung umfasst Highend-Bremsen von Brembo und umfassende Assistenzsysteme.
- Ein Preis von über 25.000 Euro wird erwartet.
Ein Erbe neu definiert
Der Name Manx ist Motorrad-Enthusiasten weltweit ein Begriff. Zwischen 1947 und 1963 dominierte die ursprüngliche Norton Manx die Rennstrecken und holte zahlreiche Siege. Nach der Insolvenz im Jahr 2020 übernahm der indische Motorradhersteller TVS die Marke. TVS investierte über 200 Millionen Pfund in ein neues Werk in Solihull, England. Norton soll sich als Premiummarke neu positionieren.
Die Manx R ist das Spitzenmodell der neuen Produktpalette. Sie steht neben den 600er-Reiseenduros Atlas und Atlas GT sowie dem Naked Bike Manx. Die Entwicklung dauerte fünf Jahre. Das Ziel war, Nortons Rennsport-Tradition mit moderner Technologie zu verbinden.
Hintergrund der Marke Norton
Norton Motorcycles wurde 1898 in Birmingham, England, gegründet. Die Marke ist bekannt für ihre Rennsport-Erfolge, insbesondere bei der Isle of Man TT. Nach verschiedenen Eigentümerwechseln und finanziellen Schwierigkeiten wurde Norton 2020 von TVS übernommen. Dies markierte einen Neuanfang für die traditionsreiche Marke.
Motor und Leistung: Kraftvoll und Drehmomentstark
Das Herzstück der Manx R ist ein weiterentwickelter 1200-cm³-V4-Motor. Dieser Motor basiert auf einem 72-Grad-V4-Aggregat, das bereits vor der Insolvenz existierte. Die Ursprünge des Motors reichen bis zu Aprilias 65-Grad-V4-Motor zurück, der in der Aprilia V4 RR beeindruckende Leistungen auf der Isle of Man TT zeigte. Das Entwicklungsteam hat sich den bekannten Problemen der früheren Modelle angenommen und Verbesserungen vorgenommen.
Leistung der Manx R
- 206 PS bei 11.500 U/min
- 130 Nm Drehmoment bei 9000 U/min
- Leergewicht: 204 kg
- Leistungsgewicht: unter 1 kg pro PS
Obwohl die Manx R mit 206 PS leicht hinter den leistungsstärksten Superbikes aus Japan, Italien und Deutschland liegt, die oft 218 bis 220 PS erreichen, punktet sie mit einem höheren Drehmoment. Die Entwickler haben den Motor bewusst auf ein starkes Drehmoment im Bereich von 5000 bis 10.000 U/min ausgelegt. Dies soll der Manx R auf der Rennstrecke Vorteile verschaffen.
"Wir haben den Motor nicht auf maximale Spitzenleistung, sondern auf möglichst viel Drehmoment abgestimmt, um ein breites nutzbares Band zu schaffen."
Design und Ausstattung: Modern trifft Funktion
Optisch präsentiert sich die Manx R modern und schnittig. Die Vollverkleidung geht nahtlos in den Tank über und verleiht dem Motorrad eine geschlossene, aerodynamische Form. Die Frontpartie erinnert an die Ducati Panigale, verzichtet jedoch auf Winglets. LED-Scheinwerfer mit integrierten Blinkern sind Standard. Viele Bauteile bestehen aus Kohlefaserlaminat, darunter der Vorderradkotflügel, Teile der Verkleidung und die Felgen. Dies reduziert das Gewicht und verbessert die Performance.
Die Fußrastenanlage aus gefrästem Aluminium wirkt sehr edel. Ein Endtopf im herkömmlichen Sinne fehlt; die Abgase entweichen aus einem Under-engine-Exhaust. Ein variables Ventil passt den Sound je nach Motordrehzahl an.
Fahrerlebnis und Ergonomie
Die Manx R ist als reiner Einsitzer konzipiert, ein Soziussitz fehlt. Der Fahrer findet auf dem bestickten Ledersitz ein großzügiges Platzangebot. Das Heck ist sehr kurz und integriert das Rücklicht geschickt. Eine Besonderheit ist die Einarmschwinge, ein Designmerkmal, das selbst Ducati bei der Panigale zugunsten einer Zweiarmschwinge aufgegeben hat, um Gewicht und Kosten zu sparen. Der Kennzeichenträger ist an einem Ausleger der Schwinge befestigt, was den Blick auf den breiten 200er-Hinterreifen freigibt, aber bei Nässe den Rücken des Fahrers verschmutzen kann.
Im Cockpit dominiert ein acht Zoll großer TFT-Touchscreen mit voller Smartphone-Kompatibilität. Die Lenkerstummel sind tief positioniert, was eine sportliche Sitzhaltung erzwingt. Bei einem Probesitzen auf der Intermot in Köln zeigte sich, dass die Rückspiegel vor allem die Unterarme des Fahrers sichtbar machen, was möglicherweise überdacht werden sollte.
Fahrwerk und Assistenzsysteme: High-End-Technik
Bei den Bremsen setzt Norton auf Komponenten von Brembo. Hypure-Vierkolbenbremssättel und 330-mm-Bremsscheiben am Vorderrad sollen für maximale Verzögerung sorgen. Das Fahrwerk bietet je nach Variante unterschiedliche Ausstattungen: Eine Version verfügt über ein semi-aktives Fahrwerk mit Marzocchi-Komponenten, während andere Modelle manuell einstellbare Upside-down-Gabeln und Federbeine haben.
Die Manx R geizt nicht bei den elektronischen Assistenzsystemen. Dazu gehören:
- Kurven-ABS
- Motorbremsmomentregelung
- Schlupfregelung
- Launch-Kontrolle
- Stoppie- und Wheelie-Kontrolle
- Berganfahrhilfe
- Bidirektionaler Quickshifter
Das Motorrad soll drei fixe und zwei frei konfigurierbare Fahrmodi bieten, um den Fahrer an verschiedene Bedingungen anzupassen.
Preis und Marktpositionierung
Norton hat den Preis für die Manx R noch nicht bekannt gegeben. Angesichts der hochwertigen Komponenten und der exklusiven Positionierung wird jedoch ein Preis von über 25.000 Euro erwartet. Norton plant, seine Modellpalette ab 2026 auch in Deutschland anzubieten. Dafür muss jedoch ein Händlernetz aufgebaut werden.
Die Manx R tritt in einem hart umkämpften Superbike-Segment an, das derzeit nur geringe Verkaufszahlen verzeichnet. Die Konkurrenz ist stark und etabliert. Norton setzt auf seine Historie, die Exklusivität und die technologische Ausstattung, um sich in diesem Markt zu behaupten.





