Die Elektromobilität steht oft im Zentrum emotionaler Debatten. Martin Roemheld, der ab Jahreswechsel die E-Mobilitäts-Sparte des Energiekonzerns EnBW leiten wird, äußert sich nun zu den gängigen Vorurteilen. Er betont, dass unterschiedliche Ladetarife notwendig sind und die Infrastruktur in Deutschland bereits gut ausgebaut ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Unterschiedliche Ladetarife sind notwendig, um den Bedürfnissen der Verbraucher gerecht zu werden.
- Das Laden von Elektrofahrzeugen ist nicht direkt mit dem Tanken von Verbrennern vergleichbar.
- Die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist bereits gut entwickelt.
- Vorurteile und „Stammtischparolen“ zur Elektromobilität lassen sich entkräften.
- Elektrofahrzeuge erreichen schnell relevante Reichweiten.
Warum Ladetarife variieren müssen
Martin Roemheld, der künftige Chef der E-Mobilitäts-Sparte bei EnBW, sieht in unterschiedlichen Ladetarifen keine Hürde, sondern eine Notwendigkeit. Er erklärt, dass Verbraucher verschiedene Bedürfnisse haben. Manche laden ihr Elektrofahrzeug hauptsächlich zu Hause, andere sind auf öffentliche Ladepunkte angewiesen. Ein einheitlicher Tarif würde diesen unterschiedlichen Nutzungsmustern nicht gerecht werden.
„In der Tankwelt war das einfacher: Da kann keiner zu Hause tanken“, sagt Roemheld. Diese Analogie verdeutlicht, dass die Nutzung der Ladeinfrastruktur bei Elektroautos wesentlich flexibler ist als das Tanken traditioneller Fahrzeuge. Daher müssen auch die Bezahlmodelle entsprechend angepasst werden.
Faktencheck: Laden vs. Tanken
- Tanken: Fast ausschließlich an öffentlichen Tankstellen möglich.
- Laden: Sowohl zu Hause (Wallbox), am Arbeitsplatz als auch an öffentlichen Ladesäulen möglich.
- Kostenstruktur: Beim Tanken oft ein Litertarif, beim Laden komplexe Modelle basierend auf Zeit, kWh oder Mischformen.
Kein Vergleich zum Literpreis
Roemheld warnt davor, das Laden von Elektroautos mit dem Literpreis für Benzin oder Diesel vergleichen zu wollen. Diese Vorstellung sei nicht mehr zeitgemäß. Er betont, dass ein direkter Vergleich, wie „ein Liter kostet für alle 1,50 Euro“, bei der Elektromobilität nicht funktioniert. Stattdessen schlägt er vor, Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen, wie sie bereits im Mobilfunkmarkt üblich sind.
„Die Vorstellung, ein Liter kostet für alle 1,50 Euro, greift nicht mehr“, erklärt Roemheld. „Da kann ja auch jeder schauen, was zum eigenen Bedarf am besten passt.“
Diese Transparenz könnte den Verbrauchern helfen, den für sie optimalen Tarif zu finden und die Kosten besser zu kalkulieren. Es geht darum, eine größere Auswahl und Flexibilität zu bieten, die den vielfältigen Nutzungsgewohnheiten entgegenkommt.
Emotionale Debatten und Fakten
Die Diskussion um Elektromobilität ist oft von Emotionen geprägt. Roemheld kritisiert, dass die Debatte „oft zu wenig rational und viel zu emotional geführt“ wird. Er möchte mit Fakten Vorurteile abbauen. Ein häufiges Argument gegen Elektroautos ist die Sorge um die Reichweite und die Ladezeit. Moderne Elektrofahrzeuge können jedoch in wenigen Minuten genug Strom aufnehmen, um mehrere Hundert Kilometer weit zu fahren.
Die Technologie hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Aktuelle Modelle bieten Reichweiten, die für den Alltag und auch längere Fahrten ausreichend sind. Die Ladeleistungen an Schnellladepunkten ermöglichen es, die Batterien in kurzer Zeit wieder aufzuladen.
Hintergrund: Martin Roemheld
Martin Roemheld (52) übernimmt zum Jahreswechsel die Leitung der E-Mobilitäts-Sparte bei EnBW. Zuvor war der Maschinenbauingenieur unter anderem Produktleiter beim Ladeanbieter BP Pulse und Head of E-Mobility Services bei Volkswagen. Seine Erfahrung in verschiedenen Bereichen der Elektromobilität macht ihn zu einem wichtigen Akteur in der Branche.
Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland
Ein weiterer Kritikpunkt, der oft geäußert wird, betrifft den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Roemheld hält dem entgegen, dass die Infrastruktur in Deutschland bereits „gut ausgebaut“ ist. Insbesondere EnBW engagiert sich stark in diesem Bereich und bietet ein breites Netz an öffentlichen Schnellladepunkten an.
Dies ist besonders wichtig für Menschen, die keine eigene Lademöglichkeit zu Hause haben, beispielsweise Bewohner von Mietwohnungen ohne private Garage oder Stellplatz. Durch den Ausbau von öffentlichen Schnellladepunkten wird die Elektromobilität auch für diese Gruppe praktikabel.
EnBW als Marktführer
EnBW ist nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Dieser Vorsprung soll trotz wachsenden Wettbewerbs gesichert werden. Roemheld sieht den großen Markt als Chance für viele Wettbewerber.
„Stammtischparolen können wir abräumen“
Roemheld ist überzeugt, dass viele der gängigen „Stammtischparolen“ zur Elektromobilität durch Fakten und eine verbesserte Aufklärung entkräftet werden können. Dazu gehören die Themen Reichweite, Ladezeit, Kosten und die Verfügbarkeit von Ladepunkten.
Die Branche arbeitet kontinuierlich daran, die Technologie zu verbessern und die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu erhöhen. Mit einer zunehmend dichteren Ladeinfrastruktur und transparenten Tarifmodellen soll die Elektromobilität für eine breitere Masse attraktiver werden.
- Reichweitenangst: Moderne E-Autos bieten über 400 km Reichweite, oft mehr.
- Ladezeiten: Schnellladestationen ermöglichen Ladungen für hunderte Kilometer in wenigen Minuten.
- Kosten: Langfristig können E-Autos durch geringere Betriebskosten überzeugen, besonders bei Lademöglichkeiten zu Hause.
Der Wechsel von Roemheld zu EnBW ist für ihn ein Ansporn, den bestehenden Vorsprung des Unternehmens weiter auszubauen und sich in einem wachsenden Wettbewerbsumfeld zu behaupten. Er sieht den Markt als groß genug für eine relevante Anzahl an Wettbewerbern, was letztlich den Verbrauchern zugutekommt.





