Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ist im Jahr 2025 in Deutschland um 38,1 Prozent gestiegen. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes Destatis hervor. Insgesamt wurden 16.496 Unfälle mit Verletzten registriert, verglichen mit 11.944 im Vorjahr. Dieser Anstieg übertrifft die allgemeine Zunahme der Verkehrsunfälle deutlich, welche nur bei 2,3 Prozent lag.
Wichtige Erkenntnisse
- E-Scooter-Unfälle mit Verletzten stiegen 2025 um 38,1 Prozent.
- 38 Menschen starben bei E-Scooter-Unfällen, 33 davon waren E-Scooter-Fahrer.
- Falsche Fahrbahnnutzung und Alkohol sind die Hauptursachen.
- Über die Hälfte der Verunglückten war jünger als 25 Jahre.
- Unfallforscher fordern eine Mofa-Prüfbescheinigung und größere Räder.
Alarmierende Unfallstatistik und Todesfälle
Die aktuellen Statistiken zeigen ein besorgniserregendes Bild. Im Jahr 2025 kamen 38 Menschen bei E-Scooter-Unfällen ums Leben. Davon waren 33 Personen selbst auf einem E-Scooter unterwegs. Die Zahl der Todesopfer auf diesen Elektrokleinstfahrzeugen nimmt seit Jahren kontinuierlich zu: von 10 im Jahr 2022 über 21 (2023) und 27 (2024) auf nun 33 im Jahr 2025.
Neben den tödlichen Unfällen wurden 1.895 Personen schwer und 16.184 leicht verletzt. Der Anteil der E-Scooter-Unfälle an allen Unfällen mit Personenschaden stieg von 4,1 auf 5,5 Prozent.
Faktencheck: E-Scooter-Unfälle 2025
- Gesamtzahl der Unfälle mit Personenschaden: 16.496
- Todesfälle insgesamt: 38
- Todesfälle E-Scooter-Fahrer: 33
- Schwerverletzte: 1.895
- Leichtverletzte: 16.184
Hauptursachen: Fehlverhalten und Alkohol
Die Analyse der Unfallursachen zeigt klare Muster. Die häufigste Ursache ist mit 21,6 Prozent die falsche Benutzung von Fahrbahn oder Gehwegen. Viele Nutzer ignorieren die Regel, dass E-Scooter Radwege nutzen müssen und auf Gehwegen verboten sind.
Alkohol am Lenker ist die zweithäufigste Unfallursache und macht 10,9 Prozent aller Unfälle aus. Dies ist ein deutlich höherer Wert als bei Fahrradunfällen, wo Alkohol nur in 7,7 Prozent der Fälle eine Rolle spielt. Nicht angepasste Geschwindigkeit folgt an dritter Stelle mit 8,4 Prozent.
„Rund 60 Prozent der Alleinunfälle sind auf Kontrollverlust durch Sturz oder Balanceverlust nach dem Genuss von Alkohol zurückzuführen.“
Alleine unterwegs und trotzdem in Gefahr
Besonders auffällig ist die hohe Alleinunfallquote: 30,5 Prozent aller E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich ohne einen weiteren Unfallgegner. Fast die Hälfte der 33 tödlich verunglückten E-Scooter-Fahrer starb bei solchen Alleinunfällen. Die Björn Steiger Stiftung betont, dass Alkohol hier eine erhebliche Rolle spielt.
Technische Mängel und ihre Folgen
Die technischen Eigenschaften der E-Scooter tragen ebenfalls zur hohen Alleinunfallquote bei. Viele dieser Fahrzeuge sind mit kleinen 8-Zoll-Rädern ausgestattet. Diese kleinen Räder können bereits bei geringen Unebenheiten, Bordsteinkanten oder Straßeneinbauten zu einem Kontrollverlust führen. Eine Analyse der Björn Steiger Stiftung zeigt, dass 32 Prozent der schweren Alleinunfälle auf solche Hindernisse zurückzuführen waren.
Auch schlechte Bodenbeschaffenheit, etwa durch Sand, Splitt oder gelöste Pflastersteine, erhöht das Unfallrisiko erheblich. Crash-Simulationen der HTW Berlin verdeutlichen, dass Stürze bei 25 km/h deutlich höhere Belastungen verursachen als bei den derzeit erlaubten 20 km/h. Dies ist ein starkes Argument gegen eine mögliche Anhebung der Höchstgeschwindigkeit.
Hintergrund: Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung
E-Scooter fallen unter die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV). Diese Verordnung regelt unter anderem die maximale Geschwindigkeit von 20 km/h und die Nutzung von Radwegen. Gehwegen sind für E-Scooter tabu. Die aktuelle Diskussion dreht sich um eine Novellierung dieser Verordnung, um die Sicherheit zu verbessern.
Junge Nutzer in Großstädten besonders betroffen
Die Altersstruktur der Verunglückten zeigt, dass E-Scooter-Unfälle vor allem ein Problem junger Nutzer in Großstädten darstellen. Mehr als die Hälfte der Verunglückten (53,6 Prozent) war jünger als 25 Jahre. Sogar 83,7 Prozent waren jünger als 45 Jahre. Fast die Hälfte aller Unfälle ereignete sich in Städten mit über 100.000 Einwohnern.
Das Unfallgeschehen konzentriert sich zudem auf bestimmte Zeiten: Zwischen 18 und 6 Uhr sowie am Wochenende (Freitag bis Sonntag) sind die Unfallzahlen am höchsten. Ein weiteres Problem ist das Mitfahren von mehreren Personen auf einem E-Scooter, obwohl dies laut Straßenverkehrsordnung (StVO) verboten ist. Die Quote stieg hier von 4,7 Prozent im Vorjahr auf 5,5 Prozent.
Kollisionen mit Fußgängern und Radfahrern
Besonders kritisch ist das Verhalten von E-Scooter-Fahrern bei Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern. Bei Zusammenstößen mit Fußgängern trugen E-Scooter-Fahrer in 88,7 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Kollisionen mit Fahrrädern lag die Hauptschuldquote der E-Scooter-Fahrer bei 74,3 Prozent.
Forderungen nach strengeren Regeln
Unfallforscher, darunter die Björn Steiger Stiftung, bewerten die aktuelle Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung als unzureichend. Sie fordern eine Reihe von Maßnahmen, um die Sicherheit zu erhöhen:
- Mofa-Prüfbescheinigung: Die Einführung würde das Mindestalter automatisch auf 15 Jahre anheben und Grundkenntnisse der StVO sicherstellen.
- Mindestgröße für Räder: Verbindliche Mindestgrößen von 10 Zoll aufwärts sollen die Fahrstabilität verbessern.
- Begrenzung von Abstellflächen: Insbesondere in Bereichen mit hohem Alkoholkonsum sollen Abstellflächen reduziert werden.
- Verstärkte Kontrollen: Eine höhere Polizeipräsenz soll die Einhaltung der Regeln fördern.
Eine generelle Helmpflicht lehnen die Unfallforscher aufgrund der überwiegend leichten Kopfverletzungen ab. Stattdessen empfehlen sie gezielte Aufklärungskampagnen. Eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 25 km/h wird aus Sicherheitsgründen klar abgelehnt.
Die steigenden Unfallzahlen und die kontinuierliche Zunahme der Todesopfer zeigen, dass E-Scooter ein zunehmend problematischer Bereich im Straßenverkehr sind. Solange die Flotten und Nutzerzahlen weiter wachsen und Regelungslücken bestehen, dürfte sich dieser Trend fortsetzen.





