Das japanische Unternehmen XELA Robotics hat einen wichtigen Schritt in der Robotik vollzogen. Es hat seine uSkin® 3D-Tastsensoren erfolgreich in die anthropomorphe Roboterhand Tesollo DG-5F integriert. Diese Entwicklung verleiht Robotern einen menschenähnlichen Tastsinn, der für komplexere Aufgaben entscheidend ist.
Wichtige Erkenntnisse
- XELA Robotics integriert uSkin® 3D-Tastsensoren in die Tesollo DG-5F Roboterhand.
- Die Sensoren ermöglichen 3-Achsen-Krafterkennung, wichtig für das Greifen und Halten von Objekten.
- XELA plant, die Sensorpunkte bis 2026 um 40% zu verkleinern, um die taktile Dichte zu erhöhen.
- Diese Technologie könnte die Automatisierung von Aufgaben revolutionieren, die Präzision erfordern.
- Das Geschäftsmodell basiert auf der Bereitstellung von 'Haut' für bestehende Roboterhände.
Ein neuer Tastsinn für Roboter
Die Integration der XELA-Sensoren in die Tesollo DG-5F Hand ist ein Durchbruch. Sie ermöglicht es Robotern, Objekte nicht nur zu halten, sondern auch deren Orientierung und Bewegung zu spüren. Dies ist ein entscheidender Fortschritt für die Robotik, da viele industrielle Anwendungen einen feinfühligen Umgang mit Objekten erfordern.
Die Sensoren von XELA sind weich und porös. Sie werden an den Fingerspitzen, den Phalangen und der Handfläche der Tesollo-Hand angebracht. Jede Fingerspitze verfügt über 12 Sensorpunkte. Diese Punkte sind auf einer Fläche von etwa 21 mm x 26 mm verteilt. Sie können Kräfte in drei Achsen erkennen: normale Kraft und Scherkräfte.
„Der Mangel an Sensibilität verhindert, dass die Automatisierung skaliert. Derzeit können viele Aktivitäten nicht vollständig automatisiert werden, weil Roboter Objekte nicht so sorgfältig und effizient handhaben können wie Menschen“, erklärte Alexander Schmitz, CEO von XELA Robotics.
Faktencheck
- Sensorpunkte pro Fingerspitze: 12
- Sensorfläche pro Fingerspitze: ca. 21mm x 26mm
- Erkannte Kräfte: 3-Achsen (normale und Scherkräfte)
- Geplante Verkleinerung der Sensorpunkte: von 4mm x 4mm auf 2.5mm x 2.5mm bis Q2 2026
- Erkennungsempfindlichkeit: bis zu 0,1 Grammkraft (ca. 1 mN)
Die Roadmap für 2026: Kleinere Sensoren, mehr Gefühl
XELA Robotics hat ehrgeizige Pläne für die Zukunft. Das Unternehmen will die Größe seiner einzelnen Sensorpunkte bis zum zweiten Quartal 2026 um fast 40% reduzieren. Die derzeitigen Sensorpunkte messen 4 mm x 4 mm. Ziel ist es, sie auf 2,5 mm x 2,5 mm zu verkleinern. Diese Miniaturisierung ermöglicht eine deutlich höhere Dichte an Sensoren auf einer Fingerspitze.
Eine höhere Sensordichte ist entscheidend. Sie erlaubt es Robotern, die Orientierung kleiner Objekte, wie Schrauben oder Muttern, ohne visuelle Hilfe zu erkennen. Dies ist eine Fähigkeit, die in der Industrie sehr gefragt ist. Experten wie Scott Walter sehen dies als großes Hindernis für den praktischen Einsatz von Robotern. XELA behauptet, dass ihre Sensoren Kräfte von nur 0,1 Grammkraft (etwa 1 mN) erkennen können. Zum Vergleich: Eine andere Roboterhand, die SharpaWave, gibt eine Empfindlichkeit von etwa 5 mN an. Diese Werte deuten darauf hin, dass XELA-Sensoren eine Empfindlichkeit erreichen könnten, die der menschlichen Fingerspitze ähnelt.
Hintergrund: Die Waseda-Verbindung
XELA Robotics ist eine Ausgründung der Waseda Universität in Tokio. Diese Universität ist ein Zentrum der japanischen Humanoiden-Robotik. Das Humanoid Robotics Institute der Waseda Universität liefert die theoretische Grundlage für die KyoHA-Allianz. Diese Allianz industrieller Giganten versucht, die Dominanz der USA und Chinas in diesem Sektor zu kontern. XELA operiert unabhängig von dieser Allianz, profitiert aber von der „Hardware-First“-Philosophie Japans.
Integration vs. Eigenentwicklung: Der XELA-Ansatz
XELA Robotics verfolgt einen sogenannten „horizontalen“ Ansatz in der Robotik-Lieferkette. Das Unternehmen entwickelt nicht die gesamte Roboterhand. Stattdessen bietet es eine „Haut“ an, die auf Greifer verschiedener Hersteller aufgebracht werden kann. Zu diesen Herstellern gehören Weiss Robotics, Robotiq und nun auch Tesollo.
Dieser Ansatz ist flexibel. Er ermöglicht es Hardware-Herstellern, ihre Roboterhände mit einem Tastsinn auszustatten, ohne selbst komplexe Sensorik entwickeln zu müssen. Viele Hersteller haben bereits die „Muskel“-Probleme (Antriebe) gelöst, kämpfen aber noch mit den „Nerven“ (Sensorik). XELA bietet hier eine fertige Lösung an. Das Unternehmen wird die Tesollo-Integration und seine Sensortechnologie auf der CES 2026 in Las Vegas im kommenden Januar demonstrieren. Kommerzielle Bestellungen für die Tesollo-Integration werden voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2026 möglich sein.
Vorteile des modularen Ansatzes
- Kosteneffizienz: Hersteller müssen keine eigene Sensorik entwickeln.
- Schnellere Markteinführung: Bestehende Hände können schnell aufgerüstet werden.
- Flexibilität: Die „Haut“ kann an verschiedene Greifermodelle angepasst werden.
- Spezialisierung: XELA kann sich voll auf die Entwicklung der Tastsensoren konzentrieren.
Die Fähigkeit, Objekte präzise zu fühlen, ist für viele Anwendungen unerlässlich. Denken Sie an das Greifen zerbrechlicher Gegenstände, das Montieren kleiner Bauteile oder das Erkennen von Materialfehlern. Mit der neuen Technologie von XELA Robotics rückt der Traum von Robotern, die so geschickt sind wie Menschen, einen Schritt näher. Dies könnte die Automatisierung in vielen Bereichen grundlegend verändern und neue Möglichkeiten für Industrie und Dienstleistung eröffnen.





