Neura Robotics, ein deutsches Unternehmen für kognitive Robotik, hat die Forschung und Entwicklung seines Humanoiden 4NE-1 nach Zürich verlegt. Dieser strategische Schritt positioniert das Unternehmen in unmittelbarer Nähe zur ETH Zürich, einem führenden Zentrum für Robotik und Künstliche Intelligenz in Europa.
Wichtige Punkte
- Neura Robotics verlegt gesamte F&E für Humanoiden 4NE-1 nach Zürich.
- Zürich wird zum Zentrum für 'Physical AI', Sensorik und kognitive Fähigkeiten.
- Produktion und Montage bleiben am Hauptsitz in Metzingen, Deutschland.
- Der Standort Zürich umfasst eine Fläche von 1.800 Quadratmetern.
- Die Nähe zur ETH Zürich ist entscheidend für den Zugang zu Talenten.
Zürich als europäisches Zentrum für Robotik
Die Entscheidung von Neura Robotics unterstreicht die wachsende Bedeutung Zürichs als Knotenpunkt für fortschrittliche Robotik und verkörperte Künstliche Intelligenz (AI). Die Stadt zieht zunehmend Start-ups und Forschungslabore an, die von der Expertise der ETH Zürich profitieren. Diese Entwicklung festigt Zürichs Ruf als europäisches "Robotics Valley".
Das neue Entwicklungszentrum von Neura Robotics befindet sich im Zürcher Seefeld-Quartier. Es umfasst eine Fläche von 1.800 Quadratmetern. Davon sind bereits 800 Quadratmeter in Betrieb, der Rest folgt im Jahr 2026. Diese Expansion ist ein klares Bekenntnis zum Standort Schweiz.
Faktencheck
- 1.800 m²: Gesamtfläche des neuen Entwicklungszentrums in Zürich.
- 800 m²: Bereits belegte Fläche.
- 2026: Fertigstellung der restlichen Fläche.
- 4NE-1: Name des Humanoiden-Roboters von Neura Robotics.
Trennung von Gehirn und Körper
Die strategische Ausrichtung von Neura Robotics sieht eine klare Trennung vor: Die Entwicklung des "Gehirns" des Roboters – also die Software für "Physical AI", Sensorik und kognitive Fähigkeiten – findet künftig in Zürich statt. Die Produktion und Montage des Roboterkörpers verbleiben hingegen am Hauptsitz des Unternehmens in Metzingen, Deutschland.
"Mit Zürich stärken wir die Entwicklung unseres Humanoiden 4NE-1, von Physical AI und Sensorik bis hin zu kognitiven Fähigkeiten", erklärte David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics. "Dieser Schritt ermöglicht es uns, die besten Talente an einem Ort zu bündeln."
Diese Aufteilung ermöglicht es Neura Robotics, sich auf die jeweiligen Stärken der Standorte zu konzentrieren. Deutschland bleibt ein wichtiger Produktionsstandort, während die Schweiz zum Epizentrum für hochmoderne Forschung und Entwicklung wird.
Hintergrundinformationen
Die "Physical AI" befasst sich mit der Fähigkeit von Robotern, ihre Umgebung wahrzunehmen, zu verstehen und physisch mit ihr zu interagieren. Dies umfasst Aspekte wie Navigation, Objekterkennung, Greifen und Manipulation. Zürich ist aufgrund seiner Forschungseinrichtungen wie der ETH Zürich ein idealer Standort für diese Art der Entwicklung.
Globale Strategie und regionale Stärken
Neura Robotics verfolgt eine aggressive Dezentralisierungsstrategie, um regionale Stärken optimal zu nutzen. Die Schweiz ist dabei ein wichtiger Baustein in diesem globalen Netzwerk:
- Deutschland: Hauptsitz und primäre Montage.
- China: Expansion mit zwei Tochtergesellschaften. Im Februar 2025 wurde Noah Robotics in Foshan gegründet, um die F&E im Bereich Wahrnehmung zu stärken. Im September folgte eine größere Tochtergesellschaft in Hangzhou mit einem Investitionsvolumen von 45 Millionen Euro.
- Indien: Eine Fertigungspartnerschaft mit Sona Comstar zielt darauf ab, die Produktion für asiatische Märkte zu skalieren.
- Schweiz: Nun das Zentrum für hochrangige F&E und Intelligenzentwicklung.
Diese internationale Aufstellung ermöglicht es Neura Robotics, flexibel auf die Anforderungen des globalen Marktes zu reagieren und gleichzeitig auf spezialisiertes Wissen und Ressourcen zuzugreifen.
Zürichs Anziehungskraft für KI-Talente
Die Präsenz der ETH Zürich ist ein Hauptgrund für die Attraktivität der Region. Die Hochschule ist weltweit bekannt für ihre Forschung in Robotik und Künstlicher Intelligenz. Absolventen der ETH haben bereits wichtige Beiträge zur Entwicklung von Robotersystemen geleistet, wie dem vierbeinigen Roboter ANYmal.
Die Nähe zu solchen Bildungseinrichtungen sichert Neura Robotics den Zugang zu hochqualifizierten Ingenieuren und Forschern. Im Bereich der "verkörperten AI" sind Fachkräfte, die die Lücke zwischen maschinellem Lernen und mechanischer Steuerung schließen können, besonders gefragt.
Wachsendes Ökosystem für humanoide Robotik in der Schweiz
Neura Robotics ist nicht das einzige Unternehmen, das die Vorteile des Zürcher Ökosystems erkennt. Auch andere Akteure tragen zur Stärkung der Region bei:
- Flexion: Ein von ETH-Absolventen gegründetes Start-up, das kürzlich mit einer Finanzierung von 50 Millionen US-Dollar an die Öffentlichkeit trat. Flexion entwickelt eine Softwareplattform für Roboter und testet Algorithmen in der Umgebung Zürichs.
- Disney Research Zurich: Dieses Labor ist führend in der Entwicklung von Charakterrobotik. Es war maßgeblich an der Entwicklung des neuen Olaf-Roboters beteiligt und schuf das "Newton"-Simulationsframework für Balance und emotionale Animationen.
- Hexagon: Der schwedische Technologiekonzern mit starken Schweizer Wurzeln im Bereich Präzisionsmessung (über Leica Geosystems) hat kürzlich den industriellen Humanoiden AEON vorgestellt. Auch Hexagon nutzt die Kombination aus Präzisionstechnik und Computer Vision-Expertise der Region.
Diese Konzentration von Forschung, Start-ups und etablierten Unternehmen schafft ein dynamisches Umfeld, das Innovationen im Bereich der humanoiden Robotik vorantreibt.
Wichtige Zahlen und Fakten
- 50 Millionen US-Dollar: Finanzierung für das Zürcher Start-up Flexion.
- 45 Millionen Euro: Investition in die chinesische Tochtergesellschaft in Hangzhou.
- Die Schweiz gilt als "Robotics Valley" Europas.
Die Zukunft der Robotik in Europa
Die Verlagerung der F&E von Neura Robotics nach Zürich zeigt eine Reifung des europäischen Robotik-Ökosystems. Anstatt alle Bereiche unter einem Dach zu vereinen, entwickeln sich spezialisierte Cluster:
- Deutsche Industrialisierung: Fokus auf Produktion und Ingenieurkunst.
- Chinesische Lieferketten: Skalierung und Massenfertigung.
- Schweizer kognitive F&E: Schwerpunkt auf fortschrittlicher AI und Softwareentwicklung.
Diese Aufteilung ermöglicht eine effizientere Nutzung von Ressourcen und Fachwissen. Es signalisiert eine neue Ära der Zusammenarbeit und Spezialisierung innerhalb der globalen Robotik-Branche. Die Entscheidung von Neura Robotics ist ein klares Zeichen für das Vertrauen in die Innovationskraft und das Talentpotenzial der Schweiz.





