Ein neues Unternehmen namens Generative Bionics ist in Italien gestartet. Es hat 70 Millionen Euro an Finanzmitteln erhalten. Das Unternehmen will humanoide Roboter für die Industrie entwickeln. Diese Roboter sollen menschliche Arbeit in Fabriken und in der Logistik unterstützen.
Wichtigste Punkte
- Generative Bionics, ein Spin-off des Italienischen Instituts für Technologie (IIT), hat 70 Millionen Euro Startkapital erhalten.
- Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung von humanoider Robotik für industrielle Anwendungen.
- Die Technologie basiert auf über 20 Jahren Forschung, insbesondere dem iCub-Projekt des IIT.
- Zu den Investoren gehört auch Tether, ein Unternehmen für digitale Vermögenswerte.
- Der erste vollständige humanoide Roboter soll Anfang 2026 auf der CES vorgestellt werden.
Italienischer Vorstoß in der Robotik
Generative Bionics ist ein neues Gesicht auf dem europäischen Markt für humanoide Robotik. Das Unternehmen wurde aus dem renommierten Italienischen Institut für Technologie (IIT) ausgegründet. Die gesammelten 70 Millionen Euro sind eine der größten Startfinanzierungen für ein Deep-Tech-Robotikunternehmen in Europa. Dies zeigt, dass Italien seine langjährige Expertise in der Robotikforschung nun kommerziell nutzen will.
Die Finanzierungsrunde wurde vom Artificial Intelligence Fund von CDP Venture Capital angeführt. Weitere strategische Investoren sind AMD Ventures, der Energiekonzern Eni Next, der Industrieholding Duferco und, besonders bemerkenswert, das Digital-Asset-Unternehmen Tether.
Faktencheck
- 70 Millionen Euro: Eine der größten Seed-Finanzierungen für ein europäisches Deep-Tech-Robotikunternehmen.
- 20 Jahre Forschung: Die Basis der Technologie sind zwei Jahrzehnte akademischer Arbeit am IIT.
- 70 Ingenieure: Das Startteam besteht bereits aus einer großen Anzahl erfahrener Ingenieure vom IIT.
Von der Forschung zur industriellen Anwendung
Obwohl Generative Bionics neu am Markt ist, ist die zugrunde liegende Technologie bewährt. Das Unternehmen baut auf dem iCub-Projekt des IIT auf. iCub ist eine kinderhohe Open-Source-Humanoide-Plattform, die seit 2004 weltweit in Forschungslaboren eingesetzt wird.
Generative Bionics entwickelt jedoch keine reinen Forschungswerkzeuge. Das Ziel ist es, „Physische KI“ in Industrieumgebungen einzusetzen. Das Unternehmen möchte die manuellen Fähigkeiten und das kognitive Wissen menschlicher Arbeit digitalisieren und in übertragbare Fähigkeiten umwandeln.
„Unsere Mission ist es, menschliche Arbeit zu digitalisieren und zu verstärken. Wir übersetzen das manuelle Geschick und die kognitive Expertise von 'Made in Italy' in kodifizierte, übertragbare Fähigkeiten.“
CEO des Startups ist Daniele Pucci. Er war zuvor Leiter der Abteilung für Künstliche und Mechanische Intelligenz am IIT. Pucci ist auch der Entwickler des iRonCub, eines Forschungsroboters mit Jetantrieb. Obwohl die kommerzielle Strategie auf industrielle Aufgaben in Fertigung und Logistik ausgerichtet ist, deutet diese experimentelle Herkunft auf ein hohes technisches Potenzial hin.
Das iCub-Projekt als Grundlage
Das iCub-Projekt ist seit vielen Jahren ein Eckpfeiler der Humanoiden-Forschung. Es hat Forschern weltweit geholfen, neue Konzepte in der Robotik zu entwickeln. Generative Bionics nutzt diese lange Erfahrung, um robuste und intelligente Roboter für den praktischen Einsatz zu bauen.
Hintergrund: Das IIT
Das Italienische Institut für Technologie (IIT) ist ein führendes Forschungszentrum in Italien. Es ist bekannt für seine Arbeit in Robotik, Künstlicher Intelligenz und Materialwissenschaften. Viele innovative Technologien haben hier ihren Ursprung gefunden.
Die Rolle von Tether
Die Beteiligung von Tether, einem großen Emittenten von Stablecoins, ist besonders bemerkenswert. Tether investiert zunehmend in innovative Technologien. Diese Investition folgt Berichten, dass Tether eine große Finanzierungsrunde bei Neura Robotics, einem deutschen Robotikunternehmen, anführen wollte. Obwohl das Neura-Geschäft Gerüchten zufolge Milliarden umfasste, bestätigt die Investition in Generative Bionics Tethers Strategie, ein breites Portfolio im Robotiksektor aufzubauen.
„Humanoide Robotik und Physische KI stellen eine leistungsstarke Entwicklung dar, wie Intelligenz und Fähigkeiten in der realen Welt funktionieren.“
Diese Investition unterstreicht das wachsende Interesse von Finanzunternehmen an der Robotikbranche. Sie sehen darin ein großes Potenzial für zukünftiges Wachstum und Innovation.
Wettbewerb auf dem europäischen Markt
Generative Bionics tritt in einen europäischen Markt ein, der immer dichter wird. Die italienische Marke muss sich gegen starke Konkurrenz aus Frankreich und Deutschland behaupten. Erst kürzlich stellte das Pariser Startup UMA sein Team aus ehemaligen Ingenieuren von Tesla und Google DeepMind vor. UMA will bis 2026 universelle Roboter entwickeln.
In Deutschland drängt Neura Robotics mit seinem 4NE-1 Humanoiden und Partnerschaften wie mit Schaeffler auf den Markt. Auch German Agile Robotics präsentierte kürzlich seinen Agile ONE. Der Fokus von Generative Bionics liegt jedoch auf der „Physischen KI“. Hierbei ist die KI nicht nur eine Software, sondern wird durch sensorimotorische Erfahrungen geformt.
Was ist Physische KI?
Das Unternehmen behauptet, dass seine Roboter ein verteiltes Netzwerk von taktilen Sensoren (Haut) nutzen werden. Diese Sensoren stammen aus der iCub-Forschung. Sie ermöglichen ein semantisches Grounding. Das bedeutet, der Roboter versteht das Konzept von „zerbrechlich“ nicht nur als Textetikett, sondern als physikalische Empfindung von Kraft und Nachgiebigkeit.
Der Weg nach vorn
Die 70 Millionen Euro werden verwendet, um das Team zu erweitern und eine erste Produktionsanlage zu bauen. Generative Bionics hat einen klaren Fahrplan. Phase eins zielt auf Sektoren mit hoher Arbeitsintensität ab, wie die Schwerindustrie und die Automobilbranche. Dort herrscht ein akuter Arbeitskräftemangel.
Bei Erfolg ist geplant, später in den Gesundheits- und Dienstleistungssektor zu expandieren. Industrielle Einsatzverträge sollen bereits Anfang 2026 bekannt gegeben werden. Generative Bionics will schnell beweisen, dass akademische Exzellenz zu einem industriellen Erfolg führen kann. Das Unternehmen zeigt, wie Forschungsergebnisse direkt in die Praxis umgesetzt werden können, um reale Probleme zu lösen.
- Skalierung des Teams: Mehr Ingenieure für Entwicklung und Produktion.
- Produktionsanlage: Aufbau einer eigenen Fertigungsstätte.
- Pragmatische Roadmap: Start in der Schwerindustrie, später Expansion.





