Der Zugang zum Internet ist heute essenziell. Doch die Wahl des richtigen Anschlusses ist komplexer geworden. Der Begriff „Festnetz“ beschreibt längst nicht mehr nur das Telefon, sondern steht für den kabelgebundenen Internetzugang über Glasfaser, Kabel oder VDSL. Auch mobile Daten und Satelliteninternet bieten Alternativen. Verbraucher sollten die Unterschiede kennen, um die beste Lösung für ihre Bedürfnisse zu finden und mögliche Fallstricke zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse
- „Festnetz“ bezeichnet heute primär kabelgebundenen Internetzugang.
- Glasfaser bietet höchste Geschwindigkeiten, ist aber noch nicht flächendeckend verfügbar.
- VDSL ist weit verbreitet, Kabel-Internet punktet in Städten.
- Mobile Daten (LTE/5G) sind eine flexible Alternative, aber mit Einschränkungen beim Verbraucherschutz.
- Satelliteninternet schließt Lücken in abgelegenen Regionen, ist aber teuer.
Wie der Internetanschluss funktioniert
Ein funktionierender Internetzugang zu Hause erfordert mehrere Komponenten, die nahtlos zusammenarbeiten. Der Weg der Daten beginnt beim Internet Service Provider (ISP). Dies ist das Unternehmen, das den Internetzugang bereitstellt und dafür eine monatliche Gebühr erhebt.
Der Provider sendet Daten über verschiedene Übertragungswege. Dazu gehören Glasfaserkabel, Kupferdrähte (für VDSL), Koaxialkabel (für Kabel-Internet), aber auch Satelliten oder Mobilfunknetze. Die Wahl der Technologie hängt von der lokalen Infrastruktur und dem gewählten Tarif ab.
Faktencheck
Das Modem wandelt die vom ISP gesendeten Signale in digitale Daten um, die Ihr Router nutzen kann. Heute ist das Modem oft direkt in den Router integriert, was die Installation vereinfacht.
Die Daten erreichen das Zuhause über eine physische Leitung, die an eine Anschlussdose mündet. Je nach Anschlussart kann dies eine Glasfaserdose, eine Telefondose (TAE-Dose) oder eine Kabelanschlussdose sein. Der Router verteilt die Internetverbindung dann an alle angeschlossenen Geräte im Haushalt, sei es Computer, Smartphone oder Smart-Home-Geräte.
Die gängigsten Technologien im Überblick
In Deutschland dominieren drei leitungsgebundene Technologien den Markt: Glasfaser, VDSL und Kabel. Daneben gewinnen mobile Daten und Satelliteninternet an Bedeutung. Jede Methode hat spezifische Vor- und Nachteile.
Glasfaser: Die Zukunft der Konnektivität
Glasfaser gilt als die modernste und schnellste Technologie für Internetzugänge. Daten werden hierbei als Lichtsignale durch spezielle Kabel gesendet. Dies ermöglicht extrem hohe Geschwindigkeiten und geringe Latenzzeiten. Aktuell sind Download-Raten von bis zu 1.000 Mbit/s (1 Gbit/s) und ähnliche Upload-Geschwindigkeiten möglich, technisch sind sogar noch höhere Raten denkbar.
„Für alle, die schnelles und zuverlässiges Internet benötigen, ist Glasfaser die erste Wahl. Die Verfügbarkeit ist jedoch noch nicht überall gegeben.“
Trotz der technologischen Überlegenheit ist Glasfaser in Deutschland noch nicht flächendeckend verbreitet. Nur etwa 8,1 Prozent aller Internetanschlüsse nutzen diese Technologie. Wer auf Glasfaser setzt, sollte die lokale Verfügbarkeit prüfen.
VDSL: Der bewährte Standard
VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) nutzt die vorhandenen Kupfer-Telefonleitungen, um Internet bereitzustellen. Diese Technologie ist seit über 20 Jahren etabliert und in rund 95 Prozent der deutschen Haushalte verfügbar. VDSL bietet Download-Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s und Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 40 Mbit/s.
Die tatsächliche Geschwindigkeit kann jedoch durch Faktoren wie die Entfernung zur nächsten Verteilerstation und die Qualität der Kupferleitungen beeinflusst werden. VDSL ist eine solide Wahl für Haushalte mit durchschnittlicher Internetnutzung.
Kabel-Internet: Schnell und oft günstig
Kabel-Internet nutzt das gleiche Koaxialkabelnetzwerk wie das Kabelfernsehen. Diese Technologie ermöglicht ebenfalls hohe Geschwindigkeiten, oft bis zu 1.000 Mbit/s im Download und bis zu 240 Mbit/s im Upload. Ein großer Vorteil sind oft günstigere Tarife im Vergleich zu anderen Technologien.
Der Nachteil ist die Verfügbarkeit, die hauptsächlich auf städtische Gebiete beschränkt ist. Kabel-Internet eignet sich besonders für Homeoffice-Nutzer, Streamer und Familien mit hohem Datenverbrauch. Es ist ratsam, die Verfügbarkeit direkt beim Anbieter zu prüfen.
Historischer Kontext
Früher war der Internetanschluss über VDSL ein Zusatz zum Festnetztelefon. Mit der Einführung der Internettelefonie (IP-Telefonie) hat sich dies gewandelt. Heute ist das „Festnetztelefon“ technisch gesehen nur noch ein Dienst der Internetleitung, bei dem Sprachsignale in Daten umgewandelt und über das Internet übertragen werden.
Mobile Daten und Satelliteninternet als Alternativen
Neben den kabelgebundenen Optionen gewinnen mobile Daten über LTE (4G) und 5G sowie Satelliteninternet an Bedeutung, insbesondere in Regionen mit schlechter Breitbandinfrastruktur.
Mobile Daten: Flexibel, aber mit Tücken
Die modernen Mobilfunkstandards LTE und 5G bieten Übertragungsraten, die mit VDSL vergleichbar sind. Viele Anbieter offerieren mittlerweile Datenflatrates, was das mobile Surfen zu einer echten Alternative für den Heimanschluss macht. Es gibt zwei Hauptformen der Nutzung:
- Hybride Internettarife: Hierbei unterstützen mobile Daten den bestehenden VDSL- oder Kabelanschluss, wenn dessen Leistung nicht ausreicht. Der Router ist zusätzlich mit einer SIM-Karte ausgestattet. Dies garantiert oft stabilere Geschwindigkeiten.
- Vollständig mobile Daten: Bei dieser Variante wird der Internetanschluss ausschließlich über mobile Daten realisiert. Eine SIM-Karte wird in einen LTE- oder 5G-Router oder direkt in ein Endgerät eingesetzt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat klargestellt, dass Anbieter die Endgerätewahl hierbei nicht einschränken dürfen.
Die Nutzung vollständig mobiler Daten bietet Vorteile wie flexiblere Vertragslaufzeiten und ortsunabhängige Nutzung. Dies kann auch einen Umzug erleichtern. Allerdings ist Vorsicht geboten: Nicht alle Anbieter gestatten die ortsunabhängige Nutzung ihrer mobilfunkbasierten Anschlüsse. Zudem sollte vorab der Mobilfunkempfang am Nutzungsort geprüft werden, da es gerade im ländlichen Raum zu Engpässen kommen kann.
Wichtiger Hinweis zum Verbraucherschutz
Bei vollständig mobilfunkbasierten Internetanschlüssen können bestimmte Kundenschutzrechte aus dem Telekommunikationsgesetz (TKG) derzeit nicht durchgesetzt werden. Das betrifft beispielsweise das Recht auf Minderung oder außerordentliche Kündigung bei mangelhafter Geschwindigkeit oder Störungen, da die Bundesnetzagentur noch kein offizielles Nachweisverfahren für die Breitbandmessung im Mobilfunkbereich veröffentlicht hat.
Internet per Satellit: Für abgelegene Orte
Für extrem abgelegene Gebiete, in denen keine andere Breitbandversorgung möglich ist, bietet Satelliteninternet eine Lösung. Hierfür ist eine spezielle Satellitenanlage erforderlich, die Daten senden und empfangen kann. Anbieter stellen diese Anlagen oft zur Miete oder zum Kauf bereit.
Die Nachteile sind jedoch der hohe Installationsaufwand und die vergleichsweise hohen Kosten. Zudem können Latenzzeiten bei Satellitenverbindungen höher sein als bei kabelgebundenen Anschlüssen.
Fazit: Die richtige Wahl treffen
Die Entscheidung für den passenden Internetanschluss hängt stark von individuellen Bedürfnissen und der lokalen Verfügbarkeit ab. Glasfaser bietet die beste Leistung für anspruchsvolle Nutzer, während VDSL eine zuverlässige und weit verbreitete Option darstellt. Kabel-Internet ist eine schnelle und oft kostengünstige Wahl in urbanen Gebieten.
Mobile Daten bieten Flexibilität, erfordern aber eine sorgfältige Prüfung des Empfangs und der Verbraucherrechte. Satelliteninternet ist eine Notlösung für extrem schlecht versorgte Regionen. Verbraucher sollten stets die tatsächliche Verfügbarkeit und die Vertragsbedingungen genau prüfen, um Enttäuschungen zu vermeiden.





