Eric Jang, der bisherige Vizepräsident für KI bei 1X Technologies, hat das Unternehmen verlassen. Sein Weggang markiert einen bedeutenden Moment für das auf humanoide Robotik spezialisierte Unternehmen, das er maßgeblich mitgestaltet hat.
Wichtige Erkenntnisse
- Eric Jang, Vizepräsident für KI bei 1X Technologies, ist zurückgetreten.
- Er war maßgeblich an der Entwicklung des 1X World Model und der Umstellung auf Haushaltsroboter beteiligt.
- Jang verfolgte bei 1X eine "datenorientierte" Philosophie.
- Mohi Khansari wurde zum neuen Leiter des Robot Learning ernannt.
- Der Sektor der humanoiden Robotik erlebt derzeit viel Aufmerksamkeit und Spekulation.
Ein Pionier der humanoiden Robotik
Jang kam 2022 zu Halodi Robotics, dem Vorgänger von 1X Technologies. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Unternehmens. Ursprünglich ein spezialisierter Industrieakteur, entwickelte sich 1X unter seiner Führung zu einem wichtigen Wettbewerber im Bereich der allgemeinen Haushaltsandroiden.
Sein Abschied fällt in eine ereignisreiche Zeit für 1X. Erst vor Kurzem stellte das Unternehmen eine Weiterentwicklung seines 1X World Model (1XWM) vor. Dieses generative "kognitive Herzstück" ermöglicht es dem humanoiden Roboter NEO, Aufgaben zu simulieren und sich vorzustellen, bevor er sie ausführt.
"Das Unternehmen läuft auf Hochtouren", erklärte Jang in seiner Abschiedserklärung. Er betonte, dass 1X seine Kernaktivitäten erfolgreich in die SF Bay Area verlegt hat und NEO auf den Einsatz in Haushalten vorbereitet.
Faktencheck
- Jang begann 2022 als einziger Mitarbeiter in Kalifornien.
- Das Unternehmen hatte damals etwa 40 Mitarbeiter in Norwegen und zwei in Texas.
- 1X Technologies erhielt große Unterstützung von OpenAI und EQT.
- Die Bewertung von 1X liegt bei über 10 Milliarden US-Dollar.
Von der Garage zur globalen Bühne
Jangs Zeit bei 1X war geprägt von einer "datenorientierten" Philosophie. Diese stellte traditionelle Ansätze in der Robotik in Frage. Er startete mit seinem Team in einer Garage. Dies war ein bescheidener Beginn für ein Unternehmen, das später massive Unterstützung erhalten sollte.
Während seiner vierjährigen Leitung der KI-Abteilung überwachte Jang die Entwicklung mehrerer entscheidender technologischer Säulen:
- Redwood AI: Ein einheitliches, bordeigenes "Gehirn", das Wahrnehmung und Manipulation gemeinsam steuert.
- Ganzkörper-Mobilität: Ein Reinforcement-Learning-Kern, der NEO eine flüssige, menschenähnliche Beweglichkeit ermöglicht.
- Die Daten-Engine: Ein robustes System zum Sammeln von Daten von menschlichen Teleoperatoren, um autonome Richtlinien zu trainieren.
Hintergrund: Die Skepsis überwinden
"Als ich 2022 dazukam, waren die meisten Technologen und VCs skeptisch gegenüber Humanoiden", erinnerte sich Jang. "Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass Haushaltsroboter bald so alltäglich sein werden wie Klimaanlagen, Autos und ChatGPT."
Die "Magisches Objekt"-Strategie
Jang ist in der Branche für seinen Glauben bekannt, die "Magie" spezifischer KI-Durchbrüche zu nutzen. Bei Google Robotics, wo er sechs Jahre vor 1X tätig war, entwickelte er BC-Z. Dort setzte er auf die "Datenabsorptionsfähigkeiten" des überwachten Lernens.
Bei 1X war sein "magisches Objekt" die Integration von Videomodellen in die Robotik. Indem er die Videogenerierung als Weltmodell behandelte, half Jang 1X, die Notwendigkeit teurer, handbeschrifteter Roboterdokumente zu umgehen. Stattdessen nutzte er das riesige "gesunde Menschenverstand"-Wissen, das in internetweiten Videodatensätzen eingebettet ist.
Dieser Ansatz ermöglichte es NEO, sich auf neue Aufgaben wie das Bedienen eines Toilettensitzes oder das Bügeln eines Hemdes zu verallgemeinern, ohne spezifisches Training. Dies zeigt die Anpassungsfähigkeit des Systems.
Auswirkungen und Spekulationen in der Branche
Der Abgang hat Wellen in der Robotik-Community geschlagen. Benjamin Bolte, Gründer des inzwischen aufgelösten K-Scale Labs, bezeichnete Jang als eine von zwei Personen – neben Elon Musk – die "Humanoide im Silicon Valley zu einer Sache gemacht haben". Bolte lobte Jangs "hochüberzeugte" Entscheidung, eine stabile Rolle bei Google für ein damals obskures norwegisches Startup aufzugeben. Er nannte es den Schritt eines "unabhängigen Denkers".
Doch der Abschied ist nicht ohne kritische Stimmen. Einige Beobachter, darunter Eren Chen von Booster Robotics, vermuten, dass der Weggang mit "unrealistischen Erwartungen" und dem intensiven "Hype" im humanoiden Sektor zusammenhängen könnte. 1X sah sich kürzlich Kritik von Tech-Persönlichkeiten wie Marques Brownlee ausgesetzt, der den NEO-Launch des Unternehmens als "Traumverkauf" bezeichnete, da er stark auf menschliche Teleoperation angewiesen sei.
Was kommt als Nächstes für Jang und 1X?
Jang plant, sich mehrere Monate Zeit zu nehmen, um "seinen Becher zu leeren" und eine neue Perspektive auf die sich schnell entwickelnde KI-Landschaft zu gewinnen. Eine Reise nach China im März soll das dortige Robotik-Ökosystem erkunden.
Für 1X scheint der Führungswechsel bereits im Gange. Zeitgleich mit Jangs Abgang ernannte 1X Mohi Khansari offiziell zum neuen Leiter des Robot Learning. Khansari ist ein erfahrener Robotiker mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung. Zuvor war er ein angesehener KI-Ingenieur bei 1X und Gründungsmitglied der Imitationslern-Initiative bei Google X's Everyday Robots.
Khansari ist der Hauptarchitekt hinter Redwood AI, dem Vision-Language-Transformer, der NEOs mobile Manipulation antreibt. Bernt Børnich, CEO von 1X, beschrieb Khansari als einen "seltenen Erbauer", der die Lücke zwischen akademischer Forschung und der Bereitstellung produktionsreifer Fähigkeiten schließen kann. Dies deutet darauf hin, dass Jang der Visionär war, der 1X im Silicon Valley etablierte, während Khansari die Aufgabe hat, das "Endspiel" zu meistern: die Verfeinerung der Intelligenz, die NEO von beeindruckenden Demos zu sicherer, alltäglicher Unterstützung zu Hause führt.
Wie Jang in seinen Schlussbemerkungen feststellte: "Der nächste Abschnitt meiner Lebenssequenz wird ein wichtiger sein." Das Gleiche lässt sich wohl auch über das Unternehmen sagen, das er mit aufgebaut hat.





