In Hillsboro, Oregon, wird ein innovatives Batteriespeichersystem (BESS) mit 31 MW/62 MWh installiert. Dieses System soll das Aligned Data Center Campus schneller ans Netz bringen. Es ist das erste seiner Art, das speziell für die Beschleunigung der Netzanbindung großer Rechenzentren entwickelt wurde. Das Projekt, eine Zusammenarbeit zwischen Calibrant Energy und Aligned Data Centers, zeigt neue Wege auf, wie Rechenzentren die Stabilität des Stromnetzes unterstützen können, anstatt es zu belasten.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein 31 MW/62 MWh Batteriespeichersystem wird in Oregon installiert.
- Es beschleunigt die Netzanbindung eines großen Rechenzentrums.
- Das System macht das Rechenzentrum zu einem flexiblen Netzteilnehmer.
- Die Kosten tragen Aligned und Calibrant, nicht die Stromkunden.
- Tesla liefert die Batterietechnologie.
Beschleunigung der Netzanbindung durch BESS
Das Rechenzentrum von Aligned Data Centers in Hillsboro, Oregon, war bereits gebaut, wartete jedoch auf den Anschluss an das Versorgungsnetz. Diese Wartezeit hätte sich ohne das Batteriespeichersystem (BESS) über Jahre hinziehen können. Calibrant Energy, das Unternehmen, das das BESS implementiert, betont, dass das System die Netzengpässe nicht primär durch physische Leitungen, sondern durch die hohe Last des Rechenzentrums während Spitzenzeiten mindert.
Matt Barnes, CCO von Calibrant Energy, erklärte, dass das BESS die Möglichkeit schafft, dem Kunden schneller Strom zur Verfügung zu stellen. Es verwandelt das Rechenzentrum von einem potenziellen Problem für das Netz in einen flexiblen Netzteilnehmer. Das Rechenzentrum erhielt bereits Anfang des Jahres eine erste Stromversorgung, und das BESS wird nun den vollständigen Hochlauf auf die volle Leistung ermöglichen.
Fakten zum Projekt
- Kapazität: 31 MW / 62 MWh
- Standort: Hillsboro, Oregon, USA
- Partner: Calibrant Energy (Implementierung), Aligned Data Centers (Betreiber des Rechenzentrums)
- Technologie: Tesla Batteriespeichersysteme
- Ziel: Beschleunigte Netzanbindung und Netzstabilisierung
Das Dispatchable Standby Generation (DSG) Programm
Das Batteriespeichersystem wird über das „Dispatchable Standby Generation“ (DSG) Programm von Portland General Electric (PGE) eingesetzt. Dieses Programm erlaubt es PGE, während kritischer Netzperioden auf bestimmte Ressourcen zurückzugreifen. In solchen Situationen agiert PGE als Disponent und nutzt die flexible Kapazität der DSG-Anlagen, um die Zuverlässigkeit der Stromversorgung zu gewährleisten, ohne das Netz zusätzlich zu belasten.
Laut Calibrant Energy hilft das Projekt Aligned Data Centers, sein Rechenzentrum von einer potenziellen Netzbelastung in einen dynamischen Netzbestandteil umzuwandeln. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Kosten für dieses Projekt vollständig von Aligned und Calibrant getragen werden. Die Stromkunden müssen dafür keine zusätzlichen Gebühren zahlen.
„Es wird die gesamten Netzkosten senken, indem die Fixkosten des Netzes über mehr Stunden im Jahr verteilt werden. Es ist eines der ersten Projekte, das auf diese Weise durchgeführt wird.“
Die Anwendungsfälle für das BESS werden sich voraussichtlich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Es wird nicht nur das Spitzenlastmanagement für PGE übernehmen.
Front-of-Meter (FTM) statt Behind-the-Meter (BTM)
Das BESS befindet sich am selben Standort wie das Rechenzentrum, wurde jedoch „Front-of-Meter“ (FTM) anstatt „Behind-the-Meter“ (BTM) angeschlossen. Dies mag ungewöhnlich erscheinen, wenn ein BESS direkt neben einem großen Industrieverbraucher installiert wird.
Barnes erklärte, dass die Entscheidung zwischen BTM und FTM während der Planungsphase mehrmals wechselte. Die Priorität lag auf der Geschwindigkeit der Umsetzung. In diesem Fall erwies sich FTM als die sinnvollere Option. Der physische Unterschied zwischen den beiden Installationsarten betrug lediglich wenige Meter.
FTM vs. BTM
Front-of-Meter (FTM): Energiespeichersysteme, die direkt an das Stromnetz angeschlossen sind und Energie in das Netz einspeisen oder daraus beziehen können. Sie können dem Netzbetreiber zur Verfügung stehen, um die Netzstabilität zu unterstützen.
Behind-the-Meter (BTM): Energiespeichersysteme, die auf der Verbraucherseite des Stromzählers installiert sind und primär dazu dienen, den Eigenverbrauch zu optimieren oder die Lastspitzen des jeweiligen Verbrauchers zu glätten. Sie speisen in der Regel nicht direkt in das öffentliche Netz ein.
Normalerweise ist der BTM-Anschluss schneller, da er weniger umfangreiche Netzstudien erfordert. Ein BTM-Projekt speist keinen Strom ins Netz ein, sodass nur Last- und Nicht-Last-Szenarien modelliert werden müssen. Doch in diesem speziellen Fall konnte PGE die Studien für ein FTM-Projekt genauso schnell abschließen. Zudem ermöglichte ein FTM-Projekt eine etwas einfachere technische Umsetzung.
Technologie und Zusammenarbeit
Die Batterietechnologie für das BESS wird von Tesla geliefert. Ergänzt wird sie durch lokal gefertigte Tier-1-Transformatoren. Diese Komponentenwahl stellt sicher, dass das Projekt die Anforderungen an den lokalen Wertschöpfungsanteil erfüllt, was für die Inanspruchnahme von Investitionssteuergutschriften (ITC) für Energiespeicher wichtig ist.
„Das Entscheidende bei diesem Projekt war, schnell voranzukommen. Daher war es wichtig, eine inländische Lieferkette mit gesicherter Versorgung zu haben“, sagte Barnes.
Barnes hob auch die zunehmende Reife der BESS-Technologie hervor. Vor fünf Jahren hätten Rechenzentren die Installation großer Batteriespeicher auf ihren Anlagen nicht zugelassen. Heute gilt die Technologie als ausreichend ausgereift und akzeptiert.
Die Bedeutung der Kooperation
Der Erfolg des Projekts basiert maßgeblich auf der engen Zusammenarbeit zwischen Calibrant Energy, Aligned Data Centers und PGE. In einem Webinar sprachen Vertreter aller drei Organisationen über die Bedeutung dieser Kooperation und die Offenheit für neue Lösungsansätze.
„So etwas wurde noch nie zuvor gemacht. Wir haben das gemeistert, indem wir Partner hatten, die bereit waren, gemeinsam durch Unsicherheiten zu arbeiten, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und gemeinsam schrittweise Verpflichtungen einzugehen, die nicht zu 100 % unterschriebene Dokumente erforderten. Das war entscheidend“, betonte Barnes.
Angesichts des enormen Lastwachstums im Netz sind neue und unkonventionelle Lösungen notwendig. Es bleibt nicht genug Zeit, um alles auf die traditionelle Weise zu erledigen.
Politische Unterstützung und Zukunftsaussichten
Wenige Tage nach der Projektankündigung sandte US-Energieminister Chris Wright einen Brief an die Federal Energy Regulatory Commission (FERC). Darin forderte er die Regulierungsbehörde auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Netzanbindung großer Lasten, einschließlich Rechenzentren, zu beschleunigen.
Ein wichtiger Punkt in Wrights Schreiben war, dass die Netzanbindungsstudien für große Lasten, die sich als abschaltbar bereit erklären, sowie für Hybridanlagen, die sowohl abschaltbar als auch zuschaltbar sind, beschleunigt werden sollten. Barnes merkte an, dass nicht alle diesem Prinzip zustimmen, es aber eine wichtige Position für die öffentliche Diskussion sei.
„Kombiniert man das mit unserem Projekt, sieht man klare Rückenwinde für eine solche Lösung“, so Barnes. Das Projekt in Oregon könnte somit ein wegweisendes Beispiel für zukünftige Netzanbindungslösungen für große Energieverbraucher wie Rechenzentren sein.
Die Entwicklungen in diesem Bereich werden auch auf dem Energy Storage Summit USA diskutiert, der vom 24. bis 25. März 2026 in Dallas, Texas, stattfindet. Dort werden Themen wie Herausforderungen bei der Beschaffung, Prognosen des Strombedarfs und das Management der BESS-Lieferkette behandelt.





