Erektionsstörungen betreffen viele Männer und sind oft ein sensibles Thema. Zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel versprechen schnelle Abhilfe, insbesondere solche, die L-Arginin enthalten. Doch wie wirksam ist diese Aminosäure wirklich, und welche Risiken birgt die Selbstmedikation?
Wichtige Erkenntnisse
- Ärztlicher Rat ist bei Erektionsstörungen unerlässlich.
- L-Arginin kann bei leichten bis mittleren Störungen helfen, ist aber kein Wundermittel.
- Vorsicht vor Potenzmitteln aus dem Internet – sie sind oft gefährlich.
- Ein gesunder Lebensstil verbessert die Potenz und die Herzgesundheit.
L-Arginin: Die Versprechen und die Fakten
L-Arginin ist eine semi-essentielle Aminosäure. Das bedeutet, der Körper kann sie selbst bilden, jedoch reicht die Menge in bestimmten Situationen nicht immer aus. In der Werbung wird L-Arginin oft als „natürliches Potenzmittel“ angepriesen, das die Durchblutung steigern und die Erektionsfähigkeit verbessern soll. Solche Aussagen wecken bei vielen Männern große Hoffnungen.
Einige Studien zeigen positive Effekte von Arginin bei leichten und mittleren Erektionsstörungen. Allerdings sind diese Ergebnisse oft uneinheitlich. Häufig wird Arginin in Kombination mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Sildenafil oder Tadalafil oder mit Pflanzenstoffen untersucht. Auch die eingesetzten Dosen variieren stark, was eine klare Interpretation erschwert.
Faktencheck L-Arginin
- Der Körper bildet L-Arginin selbst.
- Eine ausgewogene Ernährung liefert täglich 5 bis 6 Gramm Arginin.
- Gute Quellen sind Nüsse, Hülsenfrüchte, Soja, Mais, Reis, Rind- und Schweinefleisch.
- Eine echte Unterversorgung ist selten.
Wichtig ist: Für L-Arginin in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die Werbung umgeht dies oft, indem sie andere zugesetzte Stoffe wie Selen und Zink bewirbt. Diese Mineralstoffe dürfen mit einem „Beitrag zum normalen Testosteronspiegel“ beziehungsweise „zur normalen Spermienbildung“ beworben werden, was indirekt auf Potenz und sexuelle Leistungsfähigkeit hindeutet.
Koffein und exotische Pflanzenstoffe
Viele L-Arginin-Produkte enthalten zusätzlich Koffein oder koffeinhaltige Pflanzen wie Guarana. Die Koffeinmenge kann der von ein bis zwei Tassen Kaffee entsprechen und hat eine bekanntermaßen durchblutungsfördernde Wirkung. Andere Produkte enthalten exotische Pflanzen wie Besenreifkraut oder Juckbohnen, die in der EU nicht als traditionelle Lebensmittel zugelassen sind. Auch vor dem angeblichen Testosteron-Booster Tribulus terrestris wird gewarnt.
Arginin und der Blutdruck: Ein Fall für den Arzt
Arginin wird auch als „Fitmacher fürs Herz“ beworben. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Stickstoffmonoxid im Körper. Stickstoffmonoxid wiederum weitet die Blutgefäße und kann den Blutdruck leicht senken. Studien hierzu verwendeten Dosen von 6 bis 8 Gramm Arginin pro Tag.
Wichtiger Hinweis
Ob eine erhöhte Arginin-Zufuhr das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tatsächlich senken kann, ist derzeit nicht ausreichend geklärt. Als Arzneimittel und unter ärztlicher Aufsicht kann L-Arginin bei bestimmten Gefäßerkrankungen hilfreich sein, jedoch fehlen aussagekräftige Studien zum Schutz von Herz und Kreislauf durch Nahrungsergänzungsmittel.
Wir raten dringend von einer alleinigen Selbstmedikation mit Arginin und/oder Citrullin bei Bluthochdruck ab. Bluthochdruck erfordert eine wirksame Therapie, die immer mit einem Arzt besprochen werden sollte. Nahrungsergänzungsmittel können einen schwachen Effekt haben, der aber nicht ausreichen muss, um den Blutdruck effektiv zu senken.
„Bei einer Erektionsstörung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, denn sie kann viele medizinische Ursachen haben, etwa eine bisher nicht entdeckte Herz-Kreislauf-Erkrankung.“
Risiken und Nebenwirkungen: Was Sie beachten müssen
Bevor Sie zu L-Arginin-Präparaten greifen, sollten Sie unbedingt einen Arzt konsultieren. Eine Erektionsschwäche kann ein wichtiges Anzeichen für eine zugrunde liegende Krankheit sein, beispielsweise für Verengungen der Blutgefäße des Herzens. Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Potenzschwäche sind mangelnde Bewegung, Übergewicht, Rauchen und erhöhte Cholesterinwerte. Oft führt bereits eine Änderung des Lebensstils zu einer deutlichen Verbesserung der Potenzstörung.
Nehmen Sie Arginin-Präparate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen niemals ohne ärztliche Kontrolle ein. Es kann zu Wechselwirkungen mit Blutdrucksenkern, Blutverdünnern und anderen Potenzmitteln kommen. Wenn Sie bereits einen Herzinfarkt hatten, sollten Sie ganz darauf verzichten.
Seriöse Hersteller von L-Arginin-Produkten weisen auf Warnhinweise für bestimmte Personengruppen hin. So sollten Sie das Produkt nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden, wenn Sie blutverdünnende Arzneimittel wie Marcumar einnehmen. Auch die Kombination mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. Amylnitrit) oder verschreibungspflichtigen Potenzmitteln wie Sildenafil erfordert eine ärztliche Absprache. Arginin kann zudem Allergien oder Asthma verschlimmern.
Gefahren durch Internet-Potenzmittel
Besondere Vorsicht ist bei Potenzmitteln aus dem Internet geboten. Neben scheinbar natürlichen Zutaten wie L-Arginin und Pflanzenextrakten enthalten diese Produkte leider häufig nicht deklarierte Arzneistoffe. Dazu gehören verschreibungspflichtige Substanzen wie die PDE-5-Hemmer Sildenafil oder Tadalafil oder nicht zugelassene, ähnlich aufgebaute chemische Substanzen wie Sulfoaildenafil.
Gefährliche Inhaltsstoffe online
Mehrere Lebensmittelüberwachungsämter raten dringend davon ab, Potenzmittel über das Internet zu bestellen. Diese Produkte können lebensgefährlich sein, da die genaue Zusammensetzung oft unbekannt ist und schwere Wechselwirkungen auftreten können.
Der Unterschied zwischen L-Arginin und Arginin
Der Buchstabe „L“ vor Nährstoffen wie Arginin oder Ascorbinsäure (Vitamin C) beschreibt die räumliche Anordnung der Moleküle. Neben den sogenannten „L-Formen“ (L für laevus/links) gibt es auch „D-Formen“ (D für dexter/rechts). Der Unterschied liegt in ihrem spiegelverkehrten Aufbau.
Für den menschlichen Stoffwechsel kann nur die L-Form von körpereigenen Enzymen erkannt und genutzt werden. Bei Glukose (Traubenzucker) ist es beispielsweise nur die D-Form. Da meist nur eine der beiden Formen natürlich vorkommt und für den Organismus nützlich ist, wird das „L“ oder „D“ oft weggelassen. Wenn Sie also „Arginin“ auf einem Nahrungsergänzungsmittel lesen, ist damit in der Regel die L-Form gemeint.
Ein gesunder Lebensstil ist die beste Medizin
Anstatt auf fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel zu vertrauen, sollten Sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Regelmäßige Bewegung und Sport sind verschreibungsfrei und nachweislich wirksam gegen Durchblutungsstörungen, die oft eine Ursache für Erektionsprobleme sind. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Rauchen tragen ebenfalls maßgeblich zur Verbesserung der Potenz und der allgemeinen Gesundheit bei.
Denken Sie daran: Ihre Gesundheit ist Ihr wichtigstes Gut. Suchen Sie bei gesundheitlichen Problemen immer den Rat eines Arztes, anstatt sich auf Selbstmedikation oder fragwürdige Produkte aus dem Internet zu verlassen.





