Die Entwicklung von Batteriespeichersystemen (BESS) in Kalifornien steht vor neuen Herausforderungen. Entwickler setzen zunehmend auf sogenannte Tolling-Verträge, um stabile Einnahmen und die Finanzierung von Projekten zu sichern. Diese Veränderung ist eine direkte Reaktion auf sinkende Markterlöse und das Bedürfnis nach mehr Planbarkeit in einem dynamischen Energiemarkt.
Wichtige Erkenntnisse
- Tolling-Verträge sind entscheidend für die Finanzierung von Batteriespeicherprojekten in Kalifornien.
- Sinkende Markterlöse zwingen Entwickler zu langfristigen, festen Preisvereinbarungen.
- Die Dauer und Komplexität des Netzanschlussprozesses erhöht die Projektkosten und -risiken erheblich.
- Investoren erwarten zweistellige Renditen für Batteriespeicheranlagen.
- EsVolta erweitert seine Kreditfazilität zur Finanzierung wachsender Entwicklungspipelines.
Tolling-Verträge sichern Finanzierung
Im kalifornischen Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) werden Tolling-Verträge immer wichtiger. Diese Verträge, bei denen Energieversorger über die gesamte Vertragslaufzeit einen festen Preis zahlen, bieten Entwicklern wie esVolta die nötige Sicherheit für die Projektfinanzierung. Randolph Mann, CEO von esVolta, betont die Notwendigkeit berechenbarer Einnahmen, um die erforderliche Finanzierung und Rendite zu gewährleisten.
„Wenn wir ein Projekt zusammenstellen, geht es darum sicherzustellen, dass wir einen ausreichend vorhersehbaren Einnahmestrom haben, um die erforderliche Finanzierung und Rendite zu unterstützen“, erklärt Mann. „In Kalifornien sehen das zunehmend wie Tolling-Verträge aus, bei denen der Versorger Ihnen über die Dauer des Vertrags einen festen Preis zahlt.“
Faktencheck: Tolling-Verträge
- Definition: Ein Tolling-Vertrag ist eine Vereinbarung, bei der ein Kunde (oft ein Energieversorger) eine feste Gebühr für die Nutzung einer Anlage (z.B. eines Batteriespeichers) über einen bestimmten Zeitraum zahlt, unabhängig davon, wie oft oder intensiv die Anlage tatsächlich genutzt wird.
- Vorteil für Entwickler: Bietet stabile, vorhersehbare Einnahmen, was für die Sicherung von Projektfinanzierungen unerlässlich ist.
- Vorteil für Versorger: Sichert langfristig Kapazitäten und trägt zur Netzstabilität bei.
Ressourcenverfügbarkeit allein nicht ausreichend
Obwohl Verträge zur Ressourcenverfügbarkeit (RA-Verträge) eine gewisse Einnahmestabilität bieten, reichen sie laut Mann allein nicht aus, um die Wirtschaftlichkeit eines Projekts zu sichern. Typische RA-Verträge laufen über zehn Jahre oder länger und liegen im hohen einstelligen Bereich (Dollar pro Kilowattmonat). Diese Beträge decken jedoch nicht die gesamten Kapital- und Betriebskosten, die für die Realisierung eines Projekts erforderlich sind.
„Was wir typischerweise betrachten, sind RA-Verträge von mehr als 10 Jahren, und diese würden im hohen einstelligen Bereich [Dollar pro Kilowattmonat] liegen, aber das wird nicht ausreichen, um das gesamte Kapital und die Einnahmen für ein Projekt zu decken“, so Randolph Mann.
Investoren erwarten für BESS-Anlagen zweistellige Renditen. Der Umfang der vertraglich gesicherten Einnahmen wirkt sich direkt auf die akzeptablen Renditen aus. Je mehr Einnahmen vertraglich festgelegt sind, desto geringer ist das Risiko für die Anlage, was auch niedrigere Renditeerwartungen ermöglicht.
Herausforderungen im Netzanschlussverfahren
Das Netzanschlussverfahren in Kalifornien ist langwierig und unvorhersehbar. Dies wirkt sich erheblich auf die Projektökonomie aus, da es die Entwicklungszeiträume verlängert und das gebundene Kapital erhöht. Eine längere Dauer des Anschluss- oder Genehmigungsprozesses bedeutet, dass mehr Kapital über einen längeren Zeitraum gebunden ist, was das Risiko für dieses Kapital erhöht.
„Wenn Ihr Netzanschlussverfahren länger dauert oder Ihr Genehmigungsverfahren länger dauert, bedeutet das, dass Sie über einen längeren Zeitraum mehr Kapital gebunden haben und mehr Risiko für dieses Kapital tragen. Daher müssen Sie die Preise entsprechend kalkulieren, um dieses gefährdete Kapital wieder hereinzuholen“, erklärt Mann.
Hintergrund: Kaliforniens Energiemarkt
Kalifornien ist ein Vorreiter bei der Integration erneuerbarer Energien und der Entwicklung von Batteriespeichern. Der Bundesstaat hat ehrgeizige Ziele für die Dekarbonisierung und den Ausbau von Speicherkapazitäten. Gleichzeitig ist der Markt komplex und stark reguliert, was für Entwickler spezielle Herausforderungen mit sich bringt. Der California Independent System Operator (CAISO) ist für den Betrieb des Stromnetzes und die Verwaltung des Marktes zuständig.
Kalifornien als schwieriger Standort
Trotz des vielversprechenden RA-Marktes stellt Kalifornien einzigartige Entwicklungsherausforderungen dar. Mann beschreibt den Bundesstaat als einen schwierigen Ort für die Entwicklung, Standortwahl und Genehmigung von Projekten. Die Warteschlange für den Netzanschluss ist lang, teuer und riskant.
Eine Verkürzung der Warteschlange für den Netzanschluss und eine Vorhersehbarkeit des Prüfprozesses würden den Entwicklern erheblich zugutekommen. Diese Maßnahmen könnten die Kosten senken und die Effizienz der Projektumsetzung steigern.
Wachsender Kapitalbedarf für Entwicklung
esVolta hat im Juni 2026 eine erweiterte Kreditfazilität abgeschlossen, angeführt von der Investmentbank Nomura Securities International. Diese Fazilität soll die wachsende Entwicklungspipeline des Unternehmens unterstützen, die mittlerweile über 30 GWh an Projekten in fünf Märkten umfasst.
Der Bedarf an mehr Entwicklungskapital ist laut Mann auf die steigende Nachfrage in allen Märkten zurückzuführen, in denen esVolta tätig ist. Energieversorger in diesen Märkten kämpfen mit Kapazitätsengpässen und sehen BESS als eine wichtige Lösung.
- 30 GWh: Über diese Kapazität an Projekten verfügt esVolta in seiner Entwicklungspipeline.
- 5 Märkte: In so vielen Märkten ist esVolta derzeit aktiv.
- Steigende Nachfrage: Versorger suchen aktiv nach BESS-Lösungen.
„Die Entwicklungskosten und die Entwicklungsdauer steigen. Sie benötigen also mehr Kapital, um die Entwicklung in diesem Portfolio zu finanzieren“, sagt Mann. Die Fazilität unterstützt primär Anzahlungen für den Netzanschluss, Stromabnahmeverträge (PPA) und Ausrüstungen mit langer Lieferzeit.
Fokus auf netzgekoppelte Projekte
Angesprochen auf Mikrogrid-Modelle als mögliche Lösung für die Finanzierungsherausforderungen in Kalifornien, betont Mann den Fokus von esVolta auf netzgekoppelte Projekte. Die Speichersysteme werden direkt an das Stromnetz angeschlossen, um den größten Nutzen für das Netz und die Verbraucher zu erzielen.
„Der Grund, warum wir unsere Speicheranlagen direkt an das Netz anschließen, ist, dass sie dort den größten Nutzen für das Netz und die Verbraucher haben können“, erklärt Mann. Wenn Speicher hinter dem Zähler platziert und ausschließlich für einen bestimmten Kunden genutzt werden, geht ein Teil der Funktionalität der Anlage verloren.
Diese strategische Entscheidung unterstreicht die Überzeugung von esVolta, dass großflächige, netzintegrierte Batteriespeicher eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung und Dekarbonisierung der Stromnetze spielen. Die Herausforderungen in Kalifornien sind groß, aber mit angepassten Vertragsmodellen und einem klaren Fokus auf netzgekoppelte Lösungen sehen Entwickler wie esVolta weiterhin großes Potenzial.





