Kalifornien bietet Entwicklern von Energiespeichersystemen deutliche finanzielle Vorteile bei den Anschlusskosten an das Stromnetz. Dies geht aus Aussagen eines führenden Managers von Rev Renewables hervor. Im Vergleich zu anderen großen US-Märkten sind die anfänglichen Kosten in Kalifornien niedriger, und Entwickler können zudem mit Rückerstattungen für Netzausbaukosten rechnen, die anderswo nicht üblich sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Kalifornien hat die niedrigsten Anschlusskosten für Batteriespeicher in den USA.
- Entwickler in Kalifornien erhalten Rückerstattungen für Netzausbaukosten.
- Andere Märkte wie PJM und MISO bieten diese Rückerstattungen nicht.
- Künstliche Intelligenz (KI) senkt Kosten und beschleunigt Entwicklungsprozesse.
- CAISO hat das Warteschlangenmanagement für Netzanschlüsse optimiert.
Kostenvorteile im kalifornischen Netz
Die Diskussion fand während des US Solar & Storage Finance Events 2026 in Garden Grove, Kalifornien, statt. Sandeep Arora, Senior Vice President bei Rev Renewables, erklärte die spezifischen Vorteile. Für ein Batteriespeichersystem (BESS) mit 250 Megawatt (MW) Leistung und vier Stunden Speicherdauer fallen in Kalifornien etwa 750.000 US-Dollar an anfänglichen Kosten für die Aufnahme in die Warteschlange von CAISO (California Independent System Operator) an. Diese Warteschlange, bekannt als Cluster 16, öffnet am 1. Oktober und schließt am 15. Oktober 2026.
Arora betonte, dass CAISO sein Vorgehen beim Warteschlangenmanagement geändert hat. „Vorbei sind die Zeiten, in denen CAISO jedes einzelne Projekt studierte, das in den Warteschlangenprozess eintrat. Jetzt heißt es: 'Wie viel Platz habe ich an jedem Standort?' und bis zu 150 % davon werden untersucht.“ Diese gezieltere Prüfung optimiert den Prozess und reduziert unnötige Analysen.
Fakten zum Anschluss
- Anfangskosten Kalifornien: ca. 750.000 US-Dollar für ein 250-MW-Batteriesystem.
- Rückerstattung: 10 Millionen US-Dollar für Netzausbaukosten bei einem 20-Millionen-US-Dollar-Projekt.
- MISO-Kosten: Über 1,5 Millionen US-Dollar für ähnliche Projekte.
Rückerstattungen als entscheidender Faktor
Der größte finanzielle Vorteil für kalifornische Entwickler zeigt sich, sobald Projekte den Anschlusszyklus durchlaufen haben. Arora nannte ein Beispiel für ein 250-MW-Projekt mit Gesamtkosten von 20 Millionen US-Dollar für den Netzanschluss. Diese Kosten teilen sich gleichmäßig auf Netzausbau und Anlagen des Anschlusskunden auf.
„In Kalifornien bekommt man, sobald man das Projekt gebaut hat, sein Geld zurück. Man erhält die Rückerstattung für diese 10 Millionen US-Dollar Netzausbaukosten“, sagte Arora. „Das bekommt man in PJM nicht. Das bekommt man in MISO größtenteils auch nicht.“
Diese Rückerstattung der Netzausbaukosten stellt einen erheblichen Vorteil dar. Sie minimiert das finanzielle Risiko für die Entwickler. In anderen Märkten bleiben diese Kosten oft beim Entwickler hängen, was die Projektrentabilität stark beeinflusst.
Vergleich mit anderen US-Märkten
Projekte ähnlicher Größe in anderen Märkten sehen sich deutlich höheren Vorabkosten und größeren finanziellen Risiken gegenüber. Arora erklärte: „Ein Projekt ähnlicher Größe in MISO würde über 1,5 Millionen US-Dollar kosten, und man könnte schnell eine Million Dollar verlieren, wenn man die Studien der ersten Phase durchläuft.“
Der Electric Reliability Council of Texas (ERCOT) arbeitet anders. Dort sind die Kosten weitgehend sozialisiert, was bedeutet, dass sie auf alle Netznutzer umgelegt werden. Allerdings fehlt ERCOT ein Kapazitätsmarkt, was die Einnahmemöglichkeiten für Speicherbetreiber einschränkt.
Hintergrund: Netzbetreiber in den USA
CAISO (California Independent System Operator): Reguliert den Großhandelsstrommarkt in Kalifornien und ist für die Netzplanung zuständig.
PJM Interconnection: Betreibt das Übertragungsnetz und den Strommarkt in 13 Bundesstaaten im Osten der USA und im District of Columbia.
MISO (Midcontinent Independent System Operator): Verwaltet den Stromfluss in 15 zentralen US-Bundesstaaten und der kanadischen Provinz Manitoba.
ERCOT (Electric Reliability Council of Texas): Betreibt das Stromnetz in den meisten Teilen von Texas, ist aber vom nationalen US-Netz isoliert.
Künstliche Intelligenz revolutioniert Projektentwicklung
Künstliche Intelligenz (KI) wird bereits in verschiedenen Aspekten der Projektentwicklung und der Anschlussverfahren eingesetzt. Arora berichtete von spürbaren Kosten- und Zeiteinsparungen. Sein Team nutzt KI, um Modelle zu erstellen, die früher teuer von externen Beratern entwickelt werden mussten.
„Mein Team nutzt KI. Dinge, für die wir früher Modellierungsarbeiten durchführten – viele ISOs, RTOs kommen mit neuen Anforderungen: 'Liefern Sie mir dieses PSAT-Modell.' Wir nutzen KI intern, um diese Modelle viel schneller und viel billiger zu entwickeln. Wir haben früher 50.000 US-Dollar pro Modell an Berater gezahlt, und einiges davon wird jetzt intern mit KI erledigt“, so Arora.
Auch die Netzbetreiber selbst setzen KI-Tools ein. Schon bei der Bearbeitung von Anschlussanträgen wird KI eingesetzt, um zu prüfen, ob Anträge die Prüfungen bestehen oder scheitern würden. Dies ist ein wichtiger Kontrollpunkt mit begrenzter Zeit für Korrekturen.
„Auch auf der Lastflussseite, der Leistungsflussseite, Dinge, deren Erstellung mehrere Tage, Wochen dauern würde – KI wird eingesetzt, um diese Modelle viel schneller zu erstellen“, sagte Arora. Er betonte jedoch die weiterhin notwendige menschliche Aufsicht. Die Technologie dient als Werkzeug, nicht als vollständiger Ersatz für menschliches Fachwissen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Über die individuelle Projektentwicklung hinaus berücksichtigen die Netzbetreiber bei ihrer Übertragungsplanung netzverbessernde Technologien und Automatisierung. Arora äußerte den Wunsch, dass in den nächsten Jahren mehr Anschlusskapazität verfügbar wird, anstatt auf große Übertragungsleitungen warten zu müssen, deren Bau über zehn Jahre dauert.
Die Nachfrage ist jedoch enorm. Kevin Imboden von EdgeconneX wies darauf hin, dass ERCOT derzeit mit 500 Gigawatt (GW) an Anschlussanfragen konfrontiert ist. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf an effizienteren und schnelleren Anschlussverfahren sowie an Investitionen in die Netzinfrastruktur. KI und optimierte Prozesse könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten, um den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Speicherkapazitäten zu beschleunigen.





