Die Finanzierung von Batteriespeichersystemen (BESS) in Deutschland stand kürzlich im Mittelpunkt intensiver Diskussionen. Experten aus Banken, Entwicklungsunternehmen und Optimierern trafen sich in Berlin, um über die Herausforderungen und Chancen bei der Realisierung bankfähiger Projekte zu sprechen. Der deutsche Markt gilt hierbei als Vorreiter in Europa.
Wichtige Erkenntnisse
- Banken prüfen bei der Finanzierung von BESS-Projekten vor allem Zeitpläne, Netzanschlussbedingungen und die Qualität der Due-Diligence-Unterlagen.
- Standardisierte Verträge und Dokumente sind für BESS-Projekte noch nicht etabliert, anders als in der Windenergie.
- Ein hybrider Ansatz aus festen Verträgen und Marktexposition wird als zukunftsweisend angesehen.
- Die Finanzierung rein marktbasierter Projekte ist möglich, erfordert jedoch ein tiefes Verständnis der Risikobewertung durch die Kreditgeber.
- Portfoliofinanzierungen bieten Vorteile durch Risikostreuung und die Schaffung von Benchmarks.
Herausforderungen bei der Projektfinanzierung
Die Finanzierung von Batteriespeicherprojekten ist komplex. Marcus Starke, Senior Director bei NORD/LB, identifizierte drei Hauptrisiken, die Banken bei der Kreditvergabe berücksichtigen. Erstens sind die Zeitpläne oft sehr ambitioniert. Es geht nicht nur um den Netzanschluss, sondern auch um die Beschaffung und Integration aller Komponenten. Banken fordern hier Pufferzeiten.
Zweitens spielen Netzrestriktionen und flexible Anschlussvereinbarungen (FCA) eine entscheidende Rolle. Starke betonte, dass Angaben über das Fehlen von Netzrestriktionen genau geprüft werden müssen. Eine hundertprozentige Sicherheit ist hier essenziell. Fehlende Standardisierung bei Due-Diligence-Paketen erschwert zudem den Prozess.
Faktencheck: Finanzierungsrisiken
- Zeitplan: Oft zu optimistisch, benötigt Puffer.
- Netzanschluss: Restriktionen und FCA-Vereinbarungen sind kritisch.
- Due Diligence: Benötigt mehr Standardisierung.
Die Rolle des Risikomanagements
Marie-Sophie Braun, Head of Markets & Regulatory Affairs bei Kyon Energy, unterstreicht die Bedeutung der Risikobereitschaft des Projekteigentümers. Diese Bereitschaft beeinflusst maßgeblich Designparameter wie die Speicherdauer. Die Kombination aus Mautgebühren und vertraglich gesicherten Einnahmen ist ein zentrales Thema.
„Es hängt wirklich davon ab, ob der Kreditgeber das Risiko verstehen und bewerten kann. Man muss die Grundlagen des Assets betrachten, eine diversifizierte Einnahmestruktur haben und den richtigen Optimierer wählen, idealerweise jemanden mit Erfahrung.“ – Grace Kankindi, Aquila Clean Energy EMEA
Der hybride Ansatz: Festverträge und Marktchancen
In Kontinentaleuropa nimmt Deutschland eine führende Rolle bei der Entwicklung innovativer Finanzierungsmodelle ein. Coen Hutters, Spezialist für Energiewende bei Rabobank, hob hervor, dass andere Regionen, wie die nordischen Länder, diesem Beispiel folgen. Es herrscht Einigkeit darüber, dass hybride Ansätze die Zukunft sind. Diese Modelle kombinieren ein gewisses Maß an vertraglich gesicherten Einnahmen mit Spielraum für die Marktexposition.
Felix Stephan, Offtake Origin Manager, erklärte, dass eine höhere Marktexposition auch eine höhere interne Rendite (IRR) bedeuten kann. Kreditgeber bevorzugen es zudem, wenn Projekteigentümer selbst ein gewisses Risiko tragen, anstatt es vollständig über hundertprozentige Mautverträge auszulagern.
Kontext: Deutschland als Vorreiter
Deutschland hat sich in Europa als ein führender Markt für Batteriespeicher etabliert. Die schnelle Entwicklung und die Bereitschaft, neue Finanzierungsmodelle zu erproben, setzen Maßstäbe für andere Länder. Dies zeigt sich auch in der Diskussion um bankfähige Projekte.
Finanzierung rein marktbasierter Projekte
Grace Kankindi, stellvertretende Investmentleiterin bei Aquila Clean Energy EMEA, erläuterte die Voraussetzungen für die Finanzierung rein marktbasierter Projekte. Aquila hat in diesem Jahr das erste vollständig marktfinanzierte BESS-Projekt in Deutschland realisiert. Der Erfolg hängt davon ab, dass der Kreditgeber das Risiko genau verstehen und bewerten kann.
Wichtige Faktoren sind dabei die grundlegenden Asset-Daten, eine diversifizierte Einnahmenstruktur und die Wahl eines erfahrenen Optimierers. Kankindi äußerte die Hoffnung, dass dieses Projekt einen Präzedenzfall für weitere rein marktbasierte Finanzierungen schaffen wird.
Marcus Starke von NORD/LB räumte ein, dass die Liquidität von Kreditgebern bei Projekten mit vertraglich gesicherten Einnahmen deutlich höher ist. Er betonte jedoch, dass rein marktbasierte Modelle nicht grundsätzlich schlecht sind, sondern stark von der Struktur und der Sensitivitätsmodellierung abhängen. Eine Mischung verschiedener Ansätze im Markt sei generell positiv.
Vorteile von Portfoliofinanzierungen
Marie-Sophie Braun von Kyon Energy hob die Vorteile von Portfoliofinanzierungen hervor. Diese umfassen eine Mischung aus verschiedenen Abnehmern und Abnahme-Strukturen. Darüber hinaus ermöglichen sie die Schaffung von Benchmarks innerhalb des Portfolios, was für Banken attraktiv ist. Auch die Kombination verschiedener Vermarktungswege in einem einzigen Abnahmevertrag ist denkbar.
Grace Kankindi wies jedoch darauf hin, dass solche komplexen Strukturen bankfähig bleiben müssen. In Deutschland gibt es bisher nur wenige Beispiele für diese Art der Kombinationsfinanzierung. Die Diskussionen in Berlin zeigten, dass der deutsche Markt für Batteriespeicher trotz seiner Komplexität ein hohes Potenzial für Innovationen in der Finanzierung bietet.
Die Branche arbeitet aktiv daran, standardisierte Prozesse und flexible Finanzierungsmodelle zu entwickeln, um das Wachstum der Energiespeichertechnologien weiter voranzutreiben. Dies ist entscheidend für die Energiewende und die Stabilität der Stromnetze.





