Die Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten für Tages- und Festgeld ist für viele Sparer in Deutschland von großer Bedeutung. Während diese Anlageformen grundsätzlich als sicher gelten, gibt es wichtige Aspekte zu beachten, insbesondere im Hinblick auf die Einlagensicherung und die Nutzung von Vergleichsportalen. Verbraucher sollten genau prüfen, wo und wie sie ihr Geld anlegen, um Risiken zu minimieren und Betrug zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse
- Einlagen auf Tages- und Festgeldkonten sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person geschützt.
- Deutsche Einlagensicherungssysteme bieten in der Regel eine höhere Sicherheit als Systeme im EU-Ausland.
- Kommerzielle Vergleichsportale können irreführend sein; unabhängige Quellen wie die Stiftung Warentest sind vorzuziehen.
- Vorsicht ist geboten bei Neukundenangeboten mit befristet hohen Zinsen und bei unseriösen Vermittlern.
- Bei größeren Beträgen ist es ratsam, das Geld auf mehrere Banken zu verteilen.
Tagesgeld und Festgeld: Die Grundlagen verstehen
Tagesgeldkonten bieten Sparern Flexibilität: Das Geld ist jederzeit ohne Kündigungsfrist verfügbar. Banken können den Zinssatz täglich anpassen. Ein Vorteil gegenüber dem klassischen Sparbuch ist die Möglichkeit, mehr als 2.000 Euro monatlich abzuheben, ohne eine dreimonatige Kündigungsfrist einhalten zu müssen. Allerdings verlieren Tagesgelder an Wert, wenn der Zinssatz unter der Inflationsrate liegt.
Festgeld hingegen bindet das Kapital für eine feste Laufzeit, die von sechs Monaten bis zu fünf Jahren oder länger reichen kann. In der Regel sind die Zinsen bei längeren Laufzeiten höher, abhängig von der aktuellen Marktlage. Vor dem Ende der vereinbarten Laufzeit ist ein Zugriff auf das Geld meist nicht möglich. Sparbriefe funktionieren ähnlich wie Festgeldanlagen mit einem festen Zinssatz.
Faktencheck: Einlagen im Überblick
- Was ist geschützt? Guthaben auf Girokonten, Sparbüchern, Tagesgelder, Festgelder und Sparbriefe.
- Was ist nicht geschützt? Aktien, Anleihen, Zertifikate, Nachrangdarlehen und Genossenschaftsanteile.
- Standardschutz: 100.000 Euro pro Kontoinhaber.
- Sonderfälle: Bis zu 500.000 Euro bei besonderen Lebensereignissen (z.B. Hausverkauf, Heirat).
Vorsicht bei kommerziellen Vergleichsportalen
Viele Sparer nutzen Online-Vergleichsportale, um die besten Zinsen für Tages- und Festgeld zu finden. Doch diese Portale sind oft nicht unabhängig. Sie finanzieren sich über Werbeeinnahmen und Provisionen, sogenannte Affiliate-Links. Das bedeutet, ein Portal erhält Geld, wenn ein Nutzer über einen Link einen Vertrag abschließt. Diese Abhängigkeit kann die Objektivität der dargestellten Angebote beeinflussen.
Oft werden auf diesen Portalen Neukundenangebote prominent platziert. Diese locken mit hohen Zinsen, die jedoch nur befristet gelten. Nach Ablauf der Frist sinkt der Zinssatz auf das Niveau für Bestandskunden. Verbraucher sollten solche Angebote genau prüfen und die langfristigen Konditionen berücksichtigen.
"Kommerzielle Vergleichsportale sind oft nicht unabhängig. Sie finanzieren sich über Werbeeinnahmen und Provisionen, was die Objektivität der dargestellten Angebote beeinflussen kann."
Häufige Fallstricke bei Vergleichsportalen
- Werbefinanzierung: Portale sind an Provisionen gebunden und listen bevorzugt Partner.
- Risikoreiche Anzeigen: Werbung für hochriskante Geldanlagen kann neben sicheren Angeboten erscheinen.
- Ausländische Einlagensicherung: Angebote mit ausländischer Einlagensicherung stehen oft weit oben, obwohl diese nicht immer so sicher sind wie die deutsche.
- Gefälschte Bewertungen: Positive 5-Sterne-Bewertungen können gekauft oder manipuliert sein.
- Mangelnde Filter: Individuelle Präferenzen, wie die Suche nach Angeboten ohne Neukundenkonditionen, sind nicht immer ausreichend filterbar.
Besondere Vorsicht ist bei betrügerischen Webseiten geboten, die Festgeldangebote vermitteln. Diese Seiten wirken täuschend echt, aber eingezahlte Gelder landen direkt bei Kriminellen. Nach der Überweisung bricht der Kontakt oft ab. Verbraucherzentralen warnen regelmäßig vor solchen Betrugsmaschen.
Unabhängige Zinsvergleiche finden
Für einen wirklich unabhängigen Zinsvergleich empfiehlt sich die Nutzung von Finanztest, dem Finanzmagazin der Stiftung Warentest. Dort können Sparer individuelle Präferenzen über Filtermöglichkeiten einstellen. Wer beispielsweise Wert auf höchste Sicherheit legt, kann nach Angeboten mit deutscher Einlagensicherung filtern. Auch die Option, befristete Neukundenangebote auszuschließen, ist dort verfügbar.
Obwohl einzelne Testergebnisse und Vergleiche bei Finanztest kostenpflichtig sein können, arbeitet die Stiftung Warentest ohne Vermittlungsinteressen und ist somit unabhängig. Dies gewährleistet eine objektive Darstellung der Konditionen.
So eröffnen Sie ein Tages- oder Festgeldkonto
- Antrag ausfüllen: Online oder auf Papier, unterschreiben.
- Legitimation: Per Online-Ausweisfunktion, Video-Ident oder PostIdent in einer Postfiliale.
Sicherheit geht vor: Tipps für Tages- und Festgeld
Wer auf maximale Sicherheit Wert legt, sollte Anbieter wählen, die der gesetzlichen Einlagensicherung in Deutschland unterliegen. Dazu gehören Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen sowie Privatbanken mit deutscher Bankzulassung. Eine Übersicht seriöser Institute bietet die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken.
Es ist ratsam, den beworbenen Zinssatz direkt auf der Homepage der Bank zu überprüfen. Bei Unsicherheiten kann die Verbraucherzentrale eine vertrauenswürdige Anlaufstelle sein. Angebote, die den Abschluss von Investmentfonds oder anderen Produkten an die Kontoeröffnung koppeln, sollten gemieden werden, da hier oft hohe Kosten entstehen.
Weitere Sicherheitstipps
- Kündigungsfristen beachten: Bei automatisch verlängerndem Festgeld den Kündigungstermin notieren.
- Neukundenangebote: Die Befristung von hohen Zinsen einkalkulieren und die Zinssätze für Bestandskunden prüfen.
- Beträge streuen: Bei Anlagen über 100.000 Euro das Geld auf mehrere Banken verteilen, um den Einlagenschutz voll auszunutzen.
- Deutsche Staatsanleihen: Eine Alternative für größere Summen, oft mit höherer Rendite als Tages- oder Festgeld.
Zinsportale als Vermittler: Chancen und Risiken
Zinsportale erleichtern den Wechsel zwischen verschiedenen Banken und bieten Zugang zu einer Vielzahl von Angeboten, oft auch aus dem europäischen Ausland. Dabei eröffnen Sparer ein Konto beim Zinsportal, das dann das Geld treuhänderisch auf die ausgewählte Partnerbank transferiert. Ein eigenes Konto bei der Partnerbank ist nicht nötig.
Allerdings bergen diese Treuhandmodelle Risiken. Wenn das Zinsportal, beispielsweise die Raisin Bank (hinter Weltsparen), insolvent wird, während größere Beträge noch nicht auf die Partnerbanken verteilt wurden, kann ein Teil des Geldes ungesichert sein. Raisin gibt an, dass das Geld in der Regel weniger als 48 Stunden bei der Bank verbleibt. Um Risiken zu minimieren, empfiehlt das Unternehmen, Einzahlungen zeitlich gestaffelt vorzunehmen.
Ein weiteres potenzielles Risiko besteht bei Treuhandkonten, die nicht auf den Namen des Sparers lauten. In Deutschland ist der Einlagenschutz für Treuhandkonten gewährleistet, da die Entschädigungseinrichtung den Sparer als Dritten anerkennt. In anderen EU-Ländern kann dies jedoch anders geregelt sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat berichtet, dass in drei Ländern das Treuhandmodell nicht gleichermaßen abgesichert ist, ohne jedoch die betroffenen Länder zu nennen. Sparer sollten hier im Zweifel auf Institute mit deutscher Einlagensicherung setzen.
Wichtige Meldepflicht bei Auslandsanlagen
Wer Festgeld mit einer Laufzeit von mindestens 12 Monaten bei einer ausländischen Bank anlegt, muss dies unter Umständen der Bundesbank melden. Die Freigrenze wird 2025 von 12.500 auf 50.000 Euro erhöht. Bei Missachtung drohen Bußgelder von bis zu 30.000 Euro.
Europäische Einlagensicherung: Unterschiede in der Sicherheit
Grundsätzlich sind Einlagen in der gesamten EU bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich geschützt. Die Systeme verfügen über eigene Rettungsfonds. Doch im Falle einer größeren Bankenpleite könnten diese Fonds nicht ausreichen. Dann stellt sich die Frage, ob die jeweiligen Staaten bereit und in der Lage sind, die Einlagensicherung mit Steuermitteln zu stützen.
Die Bonität der Staaten im Euroraum ist jedoch sehr unterschiedlich. Länder mit hoher Bonität, wie Deutschland, können diese Sicherheit im Notfall eher gewährleisten. Ein Bank-Run, bei dem Kunden massenhaft Geld abheben, könnte sonst auch gesunde Banken in den Ruin treiben und weitreichende volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Dies zu verhindern, liegt im Interesse jedes Staates.
Zudem besteht ein theoretisches Währungsrisiko, falls ein Sicherungsland aus der Eurozone austritt und die gesicherten Mittel in eine andere Währung umgetauscht werden müssen. Dieses Risiko ist derzeit gering, kann aber angesichts politischer Entwicklungen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Sparer, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten daher Institute mit deutscher Einlagensicherung bevorzugen oder sich über die nationalen Einlagensicherungsstatuten der jeweiligen Länder informieren.





