Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, steht oft vor der Frage, wie man die Balance zwischen Renditechancen und Risiken findet. Eine breite Streuung der Anlagen gilt hierbei als Schlüssel zum Erfolg. Doch wie genau funktioniert das, und welche Risiken sollten Anleger vermeiden?
Wichtige Erkenntnisse
- Höhere Renditen gehen oft mit höheren Risiken einher.
- Breite Streuung, insbesondere mit ETFs, reduziert unnötige Risiken.
- Einzelne Aktien bergen das Risiko eines Totalverlusts.
- Ein ausgewogenes Verhältnis von Aktien und Zinspapieren ist entscheidend.
Das Zusammenspiel von Rendite und Risiko verstehen
Geld langfristig anzulegen bedeutet, sich mit den beiden Seiten einer Medaille auseinanderzusetzen: Rendite und Risiko. Diese beiden Faktoren sind untrennbar miteinander verbunden. Grundsätzlich gilt: Je mehr Rendite Anleger erwarten, desto höhere Risiken müssen sie eingehen. Dies ist ein fundamentales Prinzip am Kapitalmarkt.
Historische Daten zeigen, dass Aktien im Durchschnitt deutlich höhere Erträge lieferten als andere Anlageklassen. Zwischen 1900 und 2023 lag die Extra-Rendite von Aktien gegenüber langfristigen Zinspapieren bei durchschnittlich 3,3 Prozent pro Jahr. Diese Analyse umfasste 21 Länder und wurde von Paul Marsh, Mike Staunton und Elroy Dimson durchgeführt.
Faktencheck: Aktienrenditen
Die durchschnittliche reale Rendite (nach Inflation) eines Portfolios mit 50% Aktien und 50% Festgeld lag zwischen 1970 und 2018 bei 4,2 Prozent pro Jahr über einen Zeitraum von 25 Jahren.
Gute und schlechte Risiken unterscheiden
Nicht jedes Risiko ist gleich. Anleger sollten lernen, zwischen 'guten' und 'schlechten' Risiken zu unterscheiden. Schlechte Risiken sind solche, die vermieden werden können und oft mit dem Verlust des gesamten Einsatzes einhergehen. Dies betrifft in erster Linie Investitionen in einzelne Wertpapiere.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zahlreiche Beispiele: Unternehmen wie Wirecard, KarstadtQuelle oder Praktiker waren einst vielversprechende Anlagen, endeten jedoch im Totalverlust. Selbst globale Konzerne wie Enron, Worldcom, Lehman Brothers oder General Motors demonstrierten, dass selbst vermeintlich sichere Investments scheitern können.
Gute Risiken hingegen beziehen sich auf die Entwicklung des gesamten Aktienmarktes, gemessen an einem breiten Index. Hierbei verteilt sich das Risiko auf viele Unternehmen und Branchen. Der Deutsche Aktienindex (DAX) stieg beispielsweise von unter 3.000 Punkten zum Zeitpunkt des Telekom-Börsengangs auf rund 25.000 Punkte Anfang 2024. Anleger, die in den gesamten Markt investierten, erlebten zwar Schwankungen, profitierten aber langfristig erheblich.
Risikoreduzierung durch breite Streuung
Der effektivste Weg, schlechte Risiken zu vermeiden und gute Risiken zu nutzen, ist die breite Streuung der Anlagen. Statt auf einzelne Aktien zu setzen, investiert man in den gesamten Markt. Dies gelingt am besten mit weltweit streuenden Aktienfonds.
Besonders effizient sind hier Exchange Traded Funds (ETFs), auch als Aktien-Indexfonds bekannt. Sie bilden einen Index ab und bieten dadurch nicht nur eine breite Risikostreuung, sondern auch minimale Kosten. Diese Kosteneffizienz ist ein entscheidender Vorteil gegenüber aktiv gemanagten Fonds, die oft höhere Gebühren verlangen.
„Rendite ist kein reines Glück, sondern das Ergebnis eines klugen Risikomanagements und breiter Streuung. Wer unnötige Risiken meidet, erhöht seine Chancen auf langfristigen Erfolg.“
Bevor Anleger jedoch in den Aktienmarkt einsteigen, müssen sie eine persönliche Frage beantworten: Wie viel Risiko bin ich bereit zu tragen? Dies ist die sogenannte Schmerzgrenze. Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und abzuschätzen, wie viel Geld man im schlimmsten Fall verkraften könnte. Das Bauchgefühl spielt hier eine große Rolle. Wer sich bei Marktschwankungen unwohl fühlt, sollte den Aktienanteil im Portfolio entsprechend anpassen.
Das optimale Mischungsverhältnis finden
Die Verbraucherzentrale hat berechnet, wie sich verschiedene Portfolios aus Festgeld und globalen Aktien zwischen 1970 und 2018 real, also nach Abzug der Inflation, entwickelt haben. Ein Sparplan über 25 Jahre mit monatlich 100 Euro dient als Beispiel.
Historische Portfolio-Performance (real, p.a.)
Ein Blick auf die Vergangenheit kann bei der Entscheidungsfindung helfen, auch wenn vergangene Ergebnisse keine Garantie für die Zukunft sind.
- 0% Aktien / 100% Festgeld: Durchschnittlich 2,8%, mindestens 0,9%, maximal 3,5%
- 50% Aktien / 50% Festgeld: Durchschnittlich 4,2%, mindestens 1,3%, maximal 8,4%
- 100% Aktien / 0% Festgeld: Durchschnittlich 5,2%, mindestens -0,1%, maximal 11,1%
Ein Portfolio mit 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Festgeld erzielte im Durchschnitt eine reale Rendite von 4,2 Prozent pro Jahr. Im schlechtesten 25-Jahres-Zeitraum lag sie immer noch bei 1,3 Prozent pro Jahr. Bemerkenswert ist, dass diese Mischung sowohl im Durchschnitt als auch im schlechtesten und besten Fall höhere reale Renditen erzielte als eine reine Festgeldanlage. Sie war damit weniger riskant, wenn man nur den Endzeitpunkt betrachtet.
Die reine Aktienanlage war dagegen deutlich riskanter. Im schlechtesten Fall mussten Anleger hier nach 25 Jahren sogar eine reale Rendite von minus 0,1 Prozent pro Jahr in Kauf nehmen. Dies verdeutlicht, dass selbst bei langfristiger Betrachtung eine hohe Aktienquote zu negativen realen Renditen führen kann, wenn der Startzeitpunkt ungünstig ist.
Langfristige Perspektiven und Empfehlungen
Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob die reale Rendite am Aktienmarkt auch in Zukunft bei rund 5 Prozent jährlich liegen wird. Es ist jedoch sicher, dass Anleger bessere Chancen haben, die Renditen des Aktienmarkts zu erzielen, wenn sie in preiswerte ETFs investieren.
Viel zu teure aktiv verwaltete Fonds oder fondsgebundene Rentenversicherungen und Indexpolicen mindern die Renditechancen erheblich durch hohe Kosten. Im aktuellen Zinsumfeld sind die realen Festgeldrenditen der Vergangenheit nicht mehr zu erreichen. Eine Anlage in weltweite Aktien-ETFs wird im langfristigen Durchschnitt voraussichtlich real höhere Erträge abwerfen als eine Anlage in sicherem Festgeld.
Merke: Rendite kommt von Risiko! Das bedeutet, dass eine gewisse Risikobereitschaft notwendig ist, um überhaupt nennenswerte Renditen zu erzielen. Es geht darum, gute Risiken bewusst einzugehen und schlechte Risiken zu vermeiden.
Die Verbraucherzentralen bieten Rendite-Rechner an, mit denen Interessierte die Auswirkungen unterschiedlicher Mischungsverhältnisse von Festgeld und Aktien auf die Rendite ihrer Geldanlage simulieren können. Dies hilft, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die zum eigenen Risikoprofil passt.





