Frankfurt am Main – Die Europäische Union setzt sich ambitionierte Ziele, um ihre wirtschaftliche Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu festigen. Im Fokus stehen dabei die Vertiefung der Kapitalmärkte durch eine umfassende Spar- und Investitionsunion sowie die Einführung eines digitalen Euro. Diese Initiativen sollen Europa unabhängiger von externen Finanzierungsquellen und Zahlungssystemen machen.
Wichtige Punkte
- Die EU plant eine Spar- und Investitionsunion zur Stärkung der europäischen Kapitalmärkte.
- Ein digitaler Euro soll die Souveränität im Zahlungsverkehr sichern.
- Irland übernimmt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung dieser Vorhaben während seiner EU-Ratspräsidentschaft 2026.
- Europa ist derzeit stark von externem Risikokapital und nicht-europäischen Zahlungsanbietern abhängig.
Spar- und Investitionsunion: Motor für Europas Wettbewerbsfähigkeit
Der europäische Binnenmarkt existiert seit über 30 Jahren und hat sich als treibende Kraft für den Wohlstand erwiesen. Doch besonders auf den Kapitalmärkten gibt es noch ungenutztes Potenzial. Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, betonte in Frankfurt die Notwendigkeit, dieses Potenzial zu heben.
Europa ist in hohem Maße auf Risikokapital von außerhalb des Kontinents angewiesen, insbesondere in späteren Finanzierungsrunden für schnell wachsende Unternehmen, sogenannte Scale-ups. Dies hemmt die Fähigkeit Europas, seine Innovationskraft in weltweit erfolgreiche Produkte umzusetzen. Junge europäische Firmen sollen ihr Wachstum zukünftig innerhalb Europas finanzieren können.
Faktencheck
Europa verfügt über hohe Sparquoten. Werden diese Ersparnisse effizienter in produktive Investitionen und innovative Unternehmen gelenkt, könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit Europas erheblich steigern.
Ambitionierte Roadmap für 2026
Die EU hat Fortschritte auf dem Weg zu einer echten Spar- und Investitionsunion gemacht. Es wird jedoch mehr Tempo gefordert. Der Rat, das Parlament und die Kommission haben eine ehrgeizige Roadmap, die „One Europe, One Market Roadmap“, verabschiedet. Die irische Ratspräsidentschaft 2026 hat diese Ziele in ihr Programm aufgenommen und will viele wichtige Projekte noch vor Jahresende verabschieden.
Zu den geplanten Projekten gehören ein neues 28. Regime im Gesellschaftsrecht (EU Inc.), ein überarbeiteter Verbriefungsrahmen und ein umfassendes Paket zur Marktintegration und -aufsicht.
Hintergrundinformation
Ein zentrales Merkmal des Pakets ist eine stärker zentralisierte Aufsichtsarchitektur für Wertpapiere und Nichtbanken. Dies soll die Konsistenz der Aufsicht fördern und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer schaffen. Die Bundesbank unterstützt diese Initiative nachdrücklich und plädiert für eine proportionale Ausgestaltung unter Berücksichtigung der Rolle der Zentralbanken.
Digitalisierung des Finanzsektors
Das Paket zur Marktintegration und -aufsicht beinhaltet auch Vorschläge zur Digitalisierung des Finanzsektors. Dazu gehören die Nutzung der Distributed-Ledger-Technologie und die Abwicklung von Transaktionen in digitaler Zentralbankwährung. Die Bundesbank schlägt zudem die Einführung eines „28. Regimes“ für digitale Wertpapiere vor, um die Fragmentierung des europäischen Finanzmarktes zu überwinden.
„Wenn wir bei der Spar- und Investitionsunion Fortschritte machen, wird dies auch die internationale Rolle des Euro stärken“, erklärte Nagel.
Stärkung der Souveränität im Zahlungsverkehr
Der Euro ist die zweitwichtigste Währung im globalen Währungssystem. Diese Position muss dauerhaft gesichert werden. Dies erfordert nicht nur breitere und tiefere Kapitalmärkte, sondern auch eine stabilitätsorientierte Geldpolitik und eine moderne Zahlungsinfrastruktur. Zahlungen müssen sicher, effizient und mit den neuesten technologischen Möglichkeiten abgewickelt werden können.
Zahlen und Fakten
- Der Euro ist die zweitwichtigste Währung weltweit.
- Große US-Firmen dominieren derzeit die digitalen Zahlungssysteme Europas.
- Der digitale Euro soll Mitte 2027 in eine Pilotphase gehen.
- Ein Start des digitalen Euro ist für 2029 geplant.
Abhängigkeit von externen Anbietern
Zahlungen sind eine kritische Infrastruktur. Europa muss im Zahlungsverkehr auch in Notfällen handlungsfähig bleiben. Derzeit dominieren nicht-europäische Anbieter wie Mastercard, Visa und PayPal unsere digitalen Zahlungssysteme. Diese Abhängigkeit birgt Risiken, ähnlich wie in den Bereichen Verteidigung oder KI.
Um im Zahlungsverkehr autonom agieren zu können, benötigt Europa ein eigenes digitales Ökosystem. Dieses muss mit dem technologischen Wandel Schritt halten und innovative Lösungen fördern, einschließlich tokenisierter Marktumgebungen.
Der digitale Euro als Anker
Eine digitale Zentralbankwährung kann den Anker für dieses Ökosystem bilden. Der Euro wird derzeit für diese Rolle fit gemacht. Ziel ist es, eine digitale Zentralbankwährung sowohl für Transaktionen zwischen Finanzinstituten als auch für Zahlungen der breiten Öffentlichkeit einzuführen. Die Menschen sollen im gesamten Euroraum mit dem digitalen Euro bezahlen können: im Geschäft, online und von Person zu Person.
Der digitale Euro würde zudem eine Infrastruktur schaffen, auf der innovative private Lösungen aufbauen können. Diese Lösungen hätten sofort eine europäische Reichweite, was die Skalierung von Geschäftsmodellen erleichtern würde.
Fortschritte und Zeitplan
Die Weichen für dieses Projekt werden gerade gestellt. Trilaterale Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Rat haben kürzlich begonnen. Die irische Ratspräsidentschaft engagiert sich dafür, dass bald ein Rechtsrahmen für den digitalen Euro vorliegt. Technisch treibt das Eurosystem die Arbeiten voran. Eine Pilotphase soll Mitte 2027 starten, die Einführung ist für 2029 geplant.
Gemeinsames Handeln für ein souveränes Europa
Steve Jobs sagte einmal: „Design ist nicht nur, wie es aussieht. Design ist, wie es funktioniert.“ Dies gilt auch für die Politikgestaltung in der Europäischen Union. Europa funktioniert nur, wenn es zusammenarbeitet. Das zeigen die Arbeiten an der Spar- und Investitionsunion und dem digitalen Euro.
Wenn Europa gemeinsam mehr erreichen will, müssen die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten an einem Strang ziehen. Es geht nicht nur darum, Initiativen aus nationaler Sicht zu betrachten, sondern auch den Nutzen für die Gemeinschaft als Ganzes zu berücksichtigen. Letztendlich profitieren alle von einem souveränen und wettbewerbsfähigen Europa.





