Die deutsche Leistungsbilanz hat im März 2026 einen deutlichen Überschuss von 23,6 Milliarden Euro erzielt. Dies ist eine Steigerung um 3,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vormonat. Obwohl der Überschuss im Warenhandel leicht zurückging, sorgten stärkere Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen für das verbesserte Gesamtergebnis.
Wichtige Erkenntnisse
- Leistungsbilanzüberschuss stieg im März auf 23,6 Milliarden Euro.
- Primäreinkommen trugen mit einem Anstieg von 4,3 Milliarden Euro maßgeblich dazu bei.
- Warenhandelsüberschuss sank leicht auf 18,5 Milliarden Euro.
- Netto-Kapitalexporte beliefen sich auf 17,6 Milliarden Euro.
- Energieimporte verteuerten sich durch den Irankonflikt.
Leistungsbilanz: Starke "unsichtbare" Transaktionen
Der Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses im März war vor allem auf die sogenannten "unsichtbaren" Leistungstransaktionen zurückzuführen. Diese umfassen Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen. Hier vergrößerte sich der Überschuss um 4,2 Milliarden Euro auf insgesamt 5,2 Milliarden Euro.
Besonders hervorzuheben sind die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen. Sie stiegen um 4,3 Milliarden Euro auf 15,6 Milliarden Euro. Dieser Zuwachs resultierte hauptsächlich aus höheren Erträgen für Wertpapierengagements und geringeren entsprechenden Aufwendungen. Dies zeigt die Stärke deutscher Investitionen im Ausland.
Faktencheck
Der Begriff Primäreinkommen umfasst Einkommen aus Arbeitnehmerentgelten sowie Vermögenserträgen wie Zinsen, Dividenden und Gewinnausschüttungen, die über Ländergrenzen hinweg fließen.
Warenhandel unter Druck
Im Warenhandel hingegen verzeichnete Deutschland einen Rückgang des positiven Saldos. Er sank im Berichtsmonat um 1,1 Milliarden Euro auf 18,5 Milliarden Euro. Die Aufwendungen nahmen stärker zu als die Einkünfte. Ein wesentlicher Faktor für die höheren Wareneinfuhren war die Verteuerung der Energieimporte, die auf den Irankonflikt zurückzuführen ist.
Trotz dieses Rückgangs bleibt der Warenhandel ein entscheidender Pfeiler der deutschen Leistungsbilanz. Die globale Wirtschaftslage und geopolitische Entwicklungen spielen hier eine direkte Rolle.
Dienstleistungsbilanz und Sekundäreinkommen
Auch bei den Dienstleistungen gab es positive Entwicklungen. Das Defizit verminderte sich um 1,0 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro. Dies wurde vor allem durch rückläufige Nettoaufwendungen für Telekommunikations-, EDV- und Informationsdienste sowie für sonstige unternehmensbezogene Dienstleistungen erreicht. Höhere Nettoeinnahmen aus Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum trugen ebenfalls dazu bei.
Allerdings vergrößerten sich per saldo die Ausgaben im Reiseverkehr und für Transportleistungen. Dies dämpfte den positiven Effekt. Das Defizit bei den Sekundäreinkommen weitete sich um 1,0 Milliarden Euro auf 6,7 Milliarden Euro aus. Dies stand insbesondere mit gestiegenen nichtstaatlichen Nettoausgaben in Verbindung.
Hintergrund: Leistungsbilanz
Die Leistungsbilanz erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen eines Landes mit dem Ausland. Dazu gehören der Handel mit Waren und Dienstleistungen sowie Einkommen aus Arbeit und Kapital. Ein Überschuss bedeutet, dass ein Land mehr einnimmt als es ausgibt, was oft als Zeichen wirtschaftlicher Stärke interpretiert wird.
Kapitalverkehr: Netto-Kapitalexporte dominieren
Im März kam es zu deutschen Netto-Kapitalexporten in Höhe von 17,6 Milliarden Euro. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem Vormonat, in dem die Netto-Kapitalexporte noch 22,8 Milliarden Euro betrugen. Diese Exporte zeigen, dass Deutschland mehr Kapital im Ausland anlegt, als ausländische Investoren in Deutschland anlegen.
Direktinvestitionen und Wertpapierverkehr
Bei den Direktinvestitionen gab es im März Netto-Kapitalexporte von 23,0 Milliarden Euro. Hiesige Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 44,5 Milliarden Euro. Sie vergaben mehr konzerninterne Kredite (36,9 Milliarden Euro) und stockten ihr Beteiligungskapital (7,6 Milliarden Euro) im Ausland auf. Ausländische Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen in Deutschland um 21,5 Milliarden Euro, hauptsächlich durch konzerninterne Kredite (19,8 Milliarden Euro).
"Die starken Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland unterstreichen das Vertrauen in internationale Märkte und die globale Vernetzung der deutschen Wirtschaft."
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr gab es im März Netto-Kapitalimporte von 1,1 Milliarden Euro. Ausländische Investoren erwarben per saldo inländische Wertpapiere (3,0 Milliarden Euro), darunter Anleihen (20,3 Milliarden Euro) und Investmentzertifikate (1,0 Milliarden Euro). Gleichzeitig trennten sie sich von Geldmarktpapieren (14,2 Milliarden Euro) und Aktien (4,1 Milliarden Euro). Deutsche Anleger nahmen ausländische Wertpapiere für 1,9 Milliarden Euro in ihre Portfolios auf, kauften Anleihen (13,8 Milliarden Euro) und Investmentzertifikate (3,8 Milliarden Euro), verkauften aber Aktien (14,4 Milliarden Euro) und Geldmarktpapiere (1,4 Milliarden Euro).
Zahlen im Überblick
- Direktinvestitionen: Deutsche Unternehmen investierten 44,5 Mrd € im Ausland.
- Wertpapierkäufe: Ausländer kauften deutsche Anleihen für 20,3 Mrd €.
- Währungsreserven: Stiegen um 0,5 Mrd €.
Sonstiger Kapitalverkehr und Währungsreserven
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im März zu Mittelabflüssen von 10,0 Milliarden Euro. Im übrigen statistisch erfassten Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite, Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, ergaben sich Netto-Kapitalimporte von 14,9 Milliarden Euro. Sowohl die Monetären Finanzinstitute ohne Bundesbank (32,8 Milliarden Euro) als auch der Staat (5,7 Milliarden Euro) verzeichneten Netto-Kapitalimporte.
Die Transaktionen über die Konten der Bundesbank führten dagegen zu Netto-Kapitalexporten von 23,3 Milliarden Euro. Dies lag daran, dass die TARGET-Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB stiegen und ausländische Geschäftspartner Einlagen von der Bundesbank abzogen. Auch bei den Unternehmen und Privatpersonen gab es Netto-Kapitalexporte von 0,3 Milliarden Euro.
Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im März – zu Transaktionswerten gerechnet – um 0,5 Milliarden Euro an. Dies zeigt eine leichte Stärkung der finanziellen Position der Zentralbank.





