Langfristiger Vermögensaufbau erfordert eine kluge Anlagestrategie. Viele private Anleger setzen auf Aktien, da diese historisch höhere Erträge als sichere Zinspapiere erzielen. Doch der Kauf einzelner Aktien birgt erhebliche Risiken. Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen und Regionen ist entscheidend, um das Verlustrisiko zu minimieren und gleichzeitig von den Chancen des Marktes zu profitieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Aktien bieten langfristig höhere Renditen als Zinspapiere.
- Breite Streuung reduziert Risiken erheblich.
- ETFs sind eine kostengünstige Möglichkeit zur weltweiten Diversifikation.
- Die persönliche Risikobereitschaft bestimmt die ideale Aktienquote.
- Langfristiges Denken ist für den Erfolg entscheidend.
Warum Aktien für den Vermögensaufbau entscheidend sind
Aktien gelten als eine der rentabelsten Anlageklassen für den langfristigen Vermögensaufbau. Dies belegen zahlreiche Studien und historische Daten. Ein Forscherteam um Hendrik Bessembinder stellte fest, dass nur wenige Aktiengesellschaften für den Großteil der hohen Erträge verantwortlich sind. Eine breu gestreute Investition in den gesamten Aktienmarkt ist daher effektiver, als auf einzelne Unternehmen zu setzen.
Die langfristige Entwicklung von Aktienindizes zeigt das Potenzial deutlich. Der deutsche Aktienindex DAX startete Ende 1987 mit 1.000 Punkten und notiert heute bei rund 24.000 Punkten. Ein damals investierter Euro wäre heute rechnerisch etwa 24 Euro wert, was einer jährlichen Wertentwicklung von 8,7 Prozent entspricht.
Faktencheck: Globale Aktienrenditen
- Seit 1970 erzielte der MSCI World Index eine Rendite von etwa 7,5 Prozent pro Jahr (in Euro).
- Forscher Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton ermittelten eine reale Rendite von 5,1 Prozent pro Jahr (nach Inflation) in 21 Ländern seit 1900.
- Jeremy J. Siegel fand für US-Aktien zwischen 1801 und 2021 eine reale Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr.
Diese Zahlen zeigen, dass breit gestreute Aktienanlagen über lange Zeiträume hinweg deutlich rentabler waren als sichere Zinspapiere wie Bundesanleihen oder Festgelder. Die Differenz zwischen der Rendite von Aktien und Zinspapieren wird als Risikoprämie bezeichnet.
"Die Erträge der Anlageklasse Aktien lagen in der Vergangenheit im Mittel deutlich über allen anderen Anlageklassen. Die Extra-Rendite der Aktienanlage gegenüber einer Anlage in langfristigen Zinspapieren betrug im Mittel über 220 Jahre nach Daten von Jeremy J. Siegel in den USA 3,3 Prozent p.a."
Um diese Prämie zu erhalten, müssen Anleger bereit sein, die damit verbundenen Risiken zu tragen. Zwischenzeitliche Verluste von bis zu 50 Prozent sind an den Aktienmärkten ebenso normal wie rasante Kursanstiege.
Ihre persönliche Risikostreuung finden
Eine grundlegende Regel der Geldanlage lautet: Legen Sie niemals alle Eier in einen Korb. Dies gilt insbesondere für Aktien. Wer die Schwankungen der Börsen nicht vollständig tragen kann oder will, sollte Aktien mit sichereren Anlagen mischen. So entsteht eine persönliche Risikostreuung, die zur individuellen Risikobereitschaft passt.
Wichtiger Hinweis zur Beratung
Leider wird die Regel der Risikostreuung in der Finanzberatung oft vernachlässigt. Kunden werden manchmal zu teuren und übermäßig riskanten Produkten gedrängt. Unabhängige Beratung kann hier helfen, die passende Strategie zu finden.
Ein Rendite-Rechner kann Anlegern dabei helfen, die Auswirkungen unterschiedlicher Mischverhältnisse von Festgeld und Aktien zu simulieren. Dies ermöglicht ein besseres Verständnis für die potenziellen Risiken und Renditen basierend auf historischen Daten seit 1970.
Der Vorteil einer Streuung über verschiedene Anlageklassen (z.B. Zinspapiere, Aktien, Rohstoffe) liegt in der Diversifikation. Wenn Aktienmärkte schwächeln, können solide Zinserträge aus sicheren Anlagen stabilisierend wirken. Auch eine Beimischung von Gold kann in Krisenzeiten für mehr Stabilität im Portfolio sorgen.
ETFs: Breit gestreut und kostengünstig investieren
Die günstigste und effektivste Methode, breit gestreut in den Aktienmarkt zu investieren, sind Exchange Traded Funds (ETFs). Diese Indexfonds bilden die Entwicklung eines bestimmten Aktienindex nach, beispielsweise des DAX für deutsche Aktien.
Es ist jedoch ratsam, nicht nur in den deutschen Markt zu investieren. Eine weltweite Streuung auf mindestens 3.000 Aktien ist empfehlenswert. Hierfür eignen sich Indizes wie der MSCI All Country World, FTSE All World oder der Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap Index. Diese Indizes bieten eine solide Grundlage für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge.
Indizes für weltweite Streuung
- MSCI All Country World: Umfasst Aktien aus Industrie- und Schwellenländern weltweit.
- FTSE All World: Ähnlich breit aufgestellt wie der MSCI ACWI.
- Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap Index: Bildet große und mittelgroße Unternehmen global ab.
Auch bei breit gestreuten ETFs sind Schwankungen unvermeidbar. Es ist wichtig, dies zu verstehen und langfristig zu investieren, um kurzfristige Marktbewegungen auszusitzen.
Einfache Anlagestrategien mit ETFs
Eine einfache Anlagestrategie kann bereits mit einem einzigen ETF umgesetzt werden. Solche ETFs bilden oft globale Indizes wie den MSCI All Country World oder den FTSE All World ab. Anleger finden diese Produkte direkt im Online-Banking ihrer Bank, bei Neo-Brokern oder auf spezialisierten ETF-Vergleichsseiten.
Bei der Wahl des ETFs kann zwischen zwei Varianten der Ertragsverwendung unterschieden werden:
- Ausschüttende ETFs: Die Erträge werden direkt an den Anleger ausgezahlt.
- Thesaurierende ETFs: Die Erträge werden automatisch wieder in denselben Fonds reinvestiert (Zinseszinseffekt).
Ein Vergleich der laufenden Kosten der Anbieter (Total Expense Ratio, TER) sowie der jährlichen Wertentwicklung ist sinnvoll. Die Fondswährung spielt dabei eine untergeordnete Rolle, da Investitionen in Euro getätigt werden und ohnehin ein Währungskorb aus fast 50 verschiedenen Ländern und deren Währungen abgedeckt wird.
Anlagestrategie mit mehreren ETFs
Alternativ zur Ein-Produkt-Lösung können Anleger auch ein Portfolio aus mehreren ETFs zusammenstellen, die verschiedene Anlageregionen abbilden. Dies kann Europa, die USA, Asien und Schwellenländer umfassen. Eine solche Strategie ist jedoch nicht zwingend notwendig und führt nicht zwangsläufig zu besseren langfristigen Ergebnissen.
Wer sich für mehrere ETFs entscheidet, sollte darauf achten, den Anlagebetrag nicht in zu viele kleine Tranchen aufzuteilen. Hohe Ordergebühren für Kauf und Verkauf könnten sonst die Rendite schmälern.
Gewichtung nach BIP oder Marktkapitalisierung?
Bei der Aufteilung auf Regionen gibt es zwei Ansätze:
- Bruttoinlandsprodukt (BIP): Orientierung am Anteil der Region an der weltweiten Wirtschaftsleistung.
- Marktkapitalisierung: Orientierung am Gesamtwert der börsennotierten Aktien einer Region.
Die USA haben beispielsweise einen Anteil von rund 55 Prozent an der weltweiten Marktkapitalisierung, aber nur etwa 28 Prozent am globalen BIP. Europa erreicht rund 23 Prozent des BIP, aber nur 18 Prozent der Marktkapitalisierung.
Diese Unterschiede ergeben sich aus historischen und kulturellen Faktoren. In den USA tragen börsennotierte Unternehmen einen größeren Teil zur Wirtschaftsleistung bei und es gibt eine längere Tradition von Börsengängen.
Die Aufteilung auf verschiedene Regionen zielt darauf ab, Schwankungsrisiken weiter zu minimieren und an den Erträgen von Unternehmen weltweit teilzuhaben.
Beispiele für regionale Indizes und Gewichtungen
| Region | Beispiele für Aktienindex | Gewichtung BIP | Gewichtung Marktkapitalisierung |
|---|---|---|---|
| Europa | STOXX Europe 600, MSCI Europe | 23 Prozent | 18 Prozent |
| USA | S&P 500, MSCI USA | 28 Prozent | 55 Prozent |
| Schwellenländer | MSCI Emerging Markets | 39 Prozent | 15 Prozent |
| Sonstige (z.B. Asien Pazifik ex Japan) | MSCI AC Asia Pacific | 10 Prozent | 12 Prozent |
Neben diesen Hauptregionen können Anleger ihr Portfolio optional um ETFs auf Indizes für mittlere und kleinere Unternehmen (Small und Mid Caps) erweitern, um die Streuung noch weiter zu erhöhen.
Praktische Tipps für den ETF-Kauf und Steuern
ETFs kaufen Anleger am günstigsten über Direktbanken oder Neo-Broker. Traditionelle Filialbanken und Finanzvertriebe bieten ETFs oft nicht aktiv an, da hierfür kaum oder keine Provisionen anfallen. Bei Bedarf an Beratung können Verbraucherzentralen unabhängige Unterstützung bieten.
Die Besteuerung von ETFs erfolgt im Rahmen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) auf laufende Erträge und Kursgewinne. Eine Besonderheit ist die Teilfreistellung: 30 Prozent der Erträge aus Aktien-ETFs sind steuerfrei. Bei thesaurierenden ETFs kann zudem eine Vorabpauschale anfallen.
Es empfiehlt sich, Informationen zur Besteuerung bei einem Steuerberater oder über spezialisierte Ratgeber einzuholen, um alle steuerlichen Aspekte korrekt zu berücksichtigen.
Ein Konditionenvergleich für Depots und Orderkosten bei verschiedenen Banken, beispielsweise durch die Stiftung Warentest, hilft, die besten Anbieter zu finden und unnötige Kosten zu vermeiden.





