Der Verbrauch von Hygienepapier in Deutschland steigt kontinuierlich an. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch um rund 40 Prozent erhöht und liegt aktuell bei 18 bis 19 Kilogramm pro Jahr. Gleichzeitig sinkt der Anteil an Altpapier in der Produktion. Experten raten dringend zum Kauf von Recyclingprodukten, um wertvolle Ressourcen zu schonen.
Wichtige Erkenntnisse
- Deutscher Hygienepapierverbrauch steigt stetig an.
- Anteil von Altpapier in der Produktion sinkt seit 15 Jahren.
- Recyclingpapier spart Wasser, Energie und CO2-Emissionen.
- Der Blaue Engel ist das verlässlichste Umweltsiegel.
- FSC- und PEFC-Siegel sind weniger empfehlenswert.
Der steigende Verbrauch und seine Folgen
Die Deutschen nutzen immer mehr Hygienepapiere wie Toilettenpapier, Küchenrollen und Taschentücher. Dieser Trend hat direkte Auswirkungen auf unsere Umwelt. Ein Großteil der für den deutschen Markt benötigten Fasern stammt aus Frischholz, oft von ökologisch umstrittenen Plantagen in Südamerika. Der Einsatz von Altpapier in der Herstellung lag 2023 bei lediglich 40 Prozent, ein deutlicher Rückgang gegenüber ehemals 75 Prozent.
Nach einmaligem Gebrauch gehen die Fasern von Hygienepapieren für den weiteren Papierkreislauf verloren. Dies macht die Wahl von Recyclingprodukten besonders wichtig. Die Verbraucherzentrale betont, dass Verbraucher durch bewusste Kaufentscheidungen einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten können.
Faktencheck
- 40 Prozent: Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs von Hygienepapier seit 2000.
- 18-19 Kilogramm: Jährlicher Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland.
- 40 Prozent: Anteil von Altpapier in der Hygienepapierproduktion im Jahr 2023.
- 78 Prozent: Wassereinsparung durch Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier.
- 68 Prozent: Energieeinsparung durch Recyclingpapier.
- 15 Prozent: CO2-Einsparung durch Recyclingpapier.
Recyclingpapier: Die umweltfreundliche Alternative
Eine aktuelle Ökobilanz-Studie des Umweltbundesamtes zeigt klare Vorteile von Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier auf. Recyclingpapier spart im Durchschnitt 78 Prozent Wasser, 68 Prozent Energie und 15 Prozent CO2-Emissionen. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit, beim Einkauf von Hygienepapieren auf Produkte aus Altpapier zu setzen.
Durch die Nutzung von Recyclingpapier wird nicht nur die Ressource Wald geschont, da keine Bäume gefällt werden müssen, sondern auch die Belastung des Abwassers mit schädlichen Stoffen reduziert. Zudem ist der Ausstoß klimaschädlicher Gase bei der Produktion geringer.
"Gerade im Hygienepapierbereich sind Produkte aus Recyclingfasern besonders zu empfehlen, da ansonsten wertvolle frische Fasern nach einmaligem Gebrauch für den Rohstoffkreislauf verloren gehen."
Umweltsiegel im Überblick: Orientierung im Label-Dschungel
Beim Einkauf stehen Verbraucher oft vor einer Vielzahl von Umweltsiegeln. Nicht alle bieten die gleiche Garantie für Nachhaltigkeit. Der Blaue Engel gilt als das Goldstandard-Siegel für Hygienepapiere.
Der Blaue Engel: Garant für 100 Prozent Altpapier
Produkte mit dem Blauen Engel bestehen zu 100 Prozent aus Altpapier. Die Vergabe des Siegels ist an strenge Umweltkriterien gebunden. Der Einsatz problematischer Farbsubstanzen, chlorhaltiger Bleichmittel und anderer schädlicher Chemikalien ist verboten. Dies macht den Blauen Engel zur besten Wahl aus ökologischer Sicht.
Leider ist der Marktanteil von Hygienepapieren mit dem Blauen Engel in Supermärkten von 2014 bis 2022 auf knapp 10 Prozent gesunken. Dies schränkt die Auswahl für umweltbewusste Konsumenten ein.
Hintergrundinformation: Der Blaue Engel
Der Blaue Engel ist das älteste und bekannteste Umweltzeichen in Deutschland. Es wurde 1978 ins Leben gerufen und ist ein staatliches Umweltzeichen, das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit getragen wird. Es kennzeichnet Produkte und Dienstleistungen, die besonders umweltfreundlich sind und hohe Standards in puncto Gesundheitsschutz und Gebrauchstauglichkeit erfüllen.
FSC-Siegel: Weniger strenge Kriterien
Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) steht für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung. Es kennzeichnet Papiere, deren Holzrohstoffe aus zertifiziertem Holz, kontrollierten Quellen oder aus Altpapier stammen. Allerdings berücksichtigt das FSC-Siegel keine Umweltkriterien wie Energie- und Wasserverbrauch oder den Einsatz von Chemikalien bei der Herstellung. Deshalb sind FSC-gekennzeichnete Hygienepapiere weniger empfehlenswert als Produkte mit dem Blauen Engel.
Verbraucher müssen bei FSC-Produkten genau hinschauen, da das Zeichen sowohl auf 100 Prozent Recyclingprodukten als auch auf solchen mit nur einem Teil Altpapier oder ausschließlich Frischfasern zu finden ist.
PEFC-Siegel: Noch weniger umweltfreundlich
Das PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein weiteres Zertifizierungssystem für Waldwirtschaft. Papiere mit diesem Siegel stammen aus zertifizierter Waldwirtschaft und können einen Altpapieranteil enthalten. Die ökologischen und sozialen Kriterien sind jedoch weniger streng als beim FSC-Siegel. Auch hier fehlen Angaben zu Chemikalieneinsatz, Energie- und Wasserverbrauch in der Produktion. Daher sind PEFC-gekennzeichnete Hygienepapiere aus Umweltsicht am wenigsten empfehlenswert.
Vorsicht vor irreführenden Verpackungen
Lassen Sie sich nicht von exotischen Tiermotiven oder Pandabären auf Verpackungen täuschen. Diese Bilder suggerieren oft Natürlichkeit und Umweltfreundlichkeit, ohne dass die Produkte tatsächlich nachhaltig sind. Ein wirklich umweltfreundliches Hygienepapier trägt das Umweltzeichen Blauer Engel.
Nachhaltige Alternativen zu Wegwerfprodukten
Wer den Verbrauch von Hygienepapier noch weiter reduzieren möchte, kann auf wiederverwendbare Alternativen setzen. Für Taschentücher, Küchenrollen und Servietten gibt es Varianten aus Stoff, die mehrfach gewaschen und wiederverwendet werden können. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern kann auf lange Sicht auch Kosten sparen.
Im Bereich der Toilettenhygiene gibt es ebenfalls Alternativen. Dusch-WCs und Wasserschläuche sind in asiatischen Ländern weit verbreitet. In einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Portugal und Spanien sind Bidets eine gängige Einrichtung, die den Bedarf an Toilettenpapier deutlich reduziert.
Die bewusste Entscheidung für Recyclingpapier und wiederverwendbare Produkte ist ein wichtiger Schritt hin zu einem nachhaltigeren Alltag und schützt unsere natürlichen Ressourcen.





