RWE und Polarium starten eine wegweisende Partnerschaft in Deutschland. Ziel ist der Aufbau eines virtuellen Kraftwerks (VPP) auf Basis dezentraler Batteriespeicher. Dieses innovative Projekt soll ab Ende des Jahres die Energieversorgung stabilisieren und die Nutzung ungenutzter Speicherkapazitäten optimieren.
Wichtige Punkte
- RWE und Polarium kooperieren für ein virtuelles Kraftwerk.
- Start mit 50 MW/135 MWh Kapazität aus 1.600 Batterien.
- Langfristiges Ziel: 300 MW/810 MWh aus 10.000 Batterien.
- Batterien dienen primär als Notstrom, Restkapazität wird vermarktet.
- Projekt stärkt Deutschlands Rolle im dezentralen Energiemarkt.
Dezentrale Speicherkapazitäten bündeln
Die Zusammenarbeit zwischen dem Energieunternehmen RWE und dem schwedischen Batteriespeicherhersteller Polarium markiert einen wichtigen Schritt für die Energiewende in Deutschland. Gemeinsam planen die Unternehmen, ein virtuelles Kraftwerk zu etablieren. Dieses VPP wird die Steuerung und Optimierung von mindestens 50 Megawatt (MW) Leistung und 135 Megawattstunden (MWh) Speicherkapazität aus einem dezentralen Batteriespeicherportfolio übernehmen.
Anfangs werden 1.600 verteilte Batterien über Polariums Cloud-Plattform gebündelt. Diese Batterien sind primär für die Notstromversorgung bei Kundenstandorten vorgesehen. Die verbleibende, ungenutzte Kapazität wird jedoch virtuell zusammengefasst und RWE zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung von Ressourcen, die sonst ungenutzt blieben.
Faktencheck
- Startkapazität: 50 MW / 135 MWh
- Anzahl Batterien (Start): 1.600
- Durchschnittliche Batteriegröße: ca. 30 kW / 80 kWh
- Zielkapazität: 300 MW / 810 MWh
- Zielanzahl Batterien: 10.000
Langfristige Vision und Marktbeteiligung
Polarium verfolgt langfristige Pläne, die Kapazität des virtuellen Kraftwerks erheblich zu erweitern. Das Unternehmen strebt an, bis zu 10.000 Batterien in das System zu integrieren. Dies würde eine beeindruckende Gesamtkapazität von 300 MW Leistung und 810 MWh Speicherkapazität bedeuten. Eine solche Skalierung unterstreicht das Potenzial dezentraler Energiesysteme.
RWE wird die aggregierte Flexibilität dieser Batteriesysteme kommerzialisieren. Dies geschieht über eine sogenannte Tolling-Vereinbarung. Polarium gewährt RWE Zugang zu den gebündelten Kapazitäten, die RWE dann auf den Flexibilitätsmärkten optimiert und einsetzt. Dies schafft einen Mehrwert für alle Beteiligten und stärkt die Stabilität des Stromnetzes.
"Durch die Zusammenarbeit mit Polarium bringen wir Tausende kleinerer Speichereinheiten in den Flexibilitätsmarkt. Dort können sie das Energiesystem robuster machen, zusätzlichen Wert generieren und helfen, das System in Echtzeit im Gleichgewicht zu halten."
Ulf Kerstin, CCO bei RWE Supply & Trading
Vorteile für das Energiesystem
Die Aggregation kleinerer Speichereinheiten ermöglicht eine Echtzeit-Steuerung und sichere Marktteilnahme. Dies trägt maßgeblich dazu bei, das Energiesystem flexibler und widerstandsfähiger zu gestalten. Insbesondere in Zeiten schwankender Einspeisung aus erneuerbaren Energien sind solche Flexibilitätsoptionen entscheidend.
Die Batterien, die im Rahmen dieses Projekts genutzt werden, haben eine durchschnittliche Größe von etwa 30 kW Leistung und 80 kWh Speicherkapazität. Dies deutet darauf hin, dass es sich hauptsächlich um gewerbliche und industrielle (C&I) Batterien handelt, und weniger um Heimspeicher. Diese Batterietypen sind oft größer und bieten daher mehr Flexibilität für die Netzdienstleistungen.
Hintergrund: Virtuelle Kraftwerke
Ein virtuelles Kraftwerk (VPP) ist ein Netzwerk aus dezentralen Energieerzeugungsanlagen (wie Photovoltaik-Anlagen, Windkrafträder) und flexiblen Verbrauchern oder Speichern. Diese werden über eine zentrale Steuerungseinheit miteinander verbunden und optimiert. Das VPP agiert am Energiemarkt wie ein konventionelles Großkraftwerk, kann aber schneller auf Schwankungen reagieren und zur Netzstabilisierung beitragen. Es ist ein Schlüsselkonzept für die Integration erneuerbarer Energien.
Deutschland als Vorreiter im dezentralen Speichermarkt
Deutschland gilt als einer der weltweit reifsten Märkte für dezentrale Batteriespeicher, sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Diese Entwicklung begünstigt die Skalierung von batteriegestützten virtuellen Kraftwerken wie dem Projekt von RWE und Polarium. Die hohe Akzeptanz und die vorhandene Infrastruktur schaffen ideale Bedingungen für solche Innovationen.
Andere Akteure haben ebenfalls Erfolge in diesem Bereich erzielt. So hat beispielsweise der Pionier für Heimbatterien, sonnen, Anfang 2025 seine Heimbatterieeinheiten vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW qualifizieren lassen. Dies ermöglichte eine weitere Teilnahme am VPP-Markt. sonnen hat bereits in der Vergangenheit angegeben, dass sein kombiniertes deutsches Batterie-VPP über 1 GWh Kapazität erreichen könnte.
"Diese Vereinbarung zeigt, wie dezentrale Batteriesysteme, die ursprünglich für unternehmenskritische Infrastrukturen eingesetzt wurden, auch eine bedeutende Rolle im Energiesystem spielen können."
Leif Ottoson, CEO von Polarium
Potenzial und Zukunftsaussichten
Das Potenzial von Heimbatterien und C&I-Speichern für das Stromnetz ist enorm. Experten betonen immer wieder die ungenutzten Möglichkeiten, die diese dezentralen Speichersysteme bieten. Durch die Aggregation und intelligente Steuerung können sie einen wesentlichen Beitrag zur Netzstabilität leisten und Engpässe vermeiden.
Die Partnerschaft zwischen RWE und Polarium ist ein weiteres Beispiel dafür, wie traditionelle Energieunternehmen und innovative Technologieanbieter zusammenarbeiten, um die Energiewende voranzutreiben. Solche Projekte sind entscheidend, um die Integration erneuerbarer Energien zu beschleunigen und ein zukunftsfähiges, flexibles Energiesystem aufzubauen.
Mit der zunehmenden Anzahl dezentraler Speicher und der Weiterentwicklung von Aggregationsplattformen wird die Rolle virtueller Kraftwerke in der zukünftigen Energieversorgung weiter wachsen. Deutschland festigt damit seine Position als führender Markt für innovative Energielösungen.





